Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kosovo-Gespräche sind gescheitert

Keine Einigung über Rechte serbischer Minderheit

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton (rechts) versuchte zu vermitteln (picture alliance / dpa / EPA / Koca Sulejmanovic)
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton (rechts) versuchte zu vermitteln (picture alliance / dpa / EPA / Koca Sulejmanovic)

Große Hoffnungen waren in die achte Runde der EU-Vermittlung im Kosovo-Konflikt gesetzt worden, doch aus der Annäherung Serbiens und des Kosovo wird vorerst nichts. Nun drohen beiden Ländern innenpolitische Probleme - einschließlich Neuwahlen.

Auch nach 14-stündigen Vermittlungsversuchen der EU in Brüssel ist der erhoffte Durchbruch im Kosovo-Konflikt ausgeblieben. Er habe sich mit seinem Kosovo-Amtskollegen Hashim Thaci nicht über die Rechte der serbischen Minderheit im Kosovo einigen können, sagte Serbiens Regierungschef Ivica Dacic in der Nacht in der belgischen Hauptstadt. Die albanisch geführte Kosovo-Regierung habe nicht die serbische Forderung nach Polizei- und Justizgewalt für die serbische Minderheit in Nordkosovo erfüllen wollen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton erklärte ihre insgesamt acht Vermittlungsrunden vorerst für beendet. Es sei das letzte Mal gewesen, dass es ein formelles Treffen gegeben habe, teilte sie mit. Die Meinungsverschiedenheiten der beiden Parteien bezögen sich zwar nur auf einige Punkte, seien aber tief. Es lägen mehrere Vorschläge auf dem Tisch, sagte Ashton ohne weitere Angaben. Beide Delegationen müssten jetzt darüber in ihren Hauptstädten beraten: "In den nächsten Tagen werden sie mich dann ihre Entscheidung wissen lassen."

Serbien und Kosovo wollen weiter verhandeln

"Die Kosovo-Seite befürchtet, dass die Gemeinschaft serbischer Kommunen die Basis für einen zukünftigen Separatismus sein wird", beschrieb Serbiens Regierungschef Dacic die Gegensätze. "Die serbische Gemeinschaft in Nordkosovo ist aber nicht denkbar, wenn sie keinerlei Kompetenzen hat." Auch die von Pristina geforderte und von den Serben verweigerte Stationierung von Sicherheitskräften der Kosovo-Regierung im Norden des Landes sei weiter strittig. Während die Serben an der Gesamtbevölkerung nur noch zehn Prozent ausmachen, stellen sie im Norden die lokale Mehrheit.

Das Scheitern in Brüssel bedeute aber nicht das Ende aller Verhandlungen zwischen den beiden zerstrittenen Nachbarn, machte Dacic klar. Sein Verhandlungspartner Thaci bot neue Gespräche schon in der kommenden Woche an, wenn "Serbien unsere Prinzipien anerkennt". Unser Korrespondent Leon Stebe schätzt die Erfolgsaussichten neuer Verhandlungen aber eher gering ein. Der Misserfolg könnte zu schweren innenpolitischen Verwerfungen einschließlich Neuwahlen führen, hatte es im Vorfeld der Verhandlungen geheißen.

Das Kosovo hatte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, Belgrad erkennt diese bis heute nicht an. Eine Annäherung beider Länder ist Voraussetzung für den Beginn von Beitrittsverhandlungen der EU mit Serbien. Die serbische Regierung hofft, dass der EU-Gipfel im Juni einen konkreten Termin für den Beginn von Beitrittsverhandlungen beschließt. Das Kosovo möchte seinerseits über ein Assoziierungsabkommen enger an die EU angebunden werden.


Mehr zum Thema:

(Fast) alles außer Anerkennung - Serbien und Kosovo verhandeln in Brüssel wieder über ihren Dauerkonflikt
Nordkosovarische Stadt glaubt nicht an den Frieden - Kosovo und Serbien nehmen Verhandlungen auf
Ziel: "Normalisierung der Beziehungen" - Kosovarischer Außenminister sieht gute Chancen für eine Einigung mit Serbien
"Die Serben müssen sich aus dem Kosovo zurückziehen" - Europaabgeordnete und Balkan-Expertin über Serbien und den Kosovo
Vergiftete Verhältnisse in Serbien - Zehn Jahre nach dem Mord an Zoran Djindjic
Kroatien, die EU und der Balkan - Beitritt bleibt für viele Nachbarländer der Hoffnungsanker

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr On Stage

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Samenspende vom gefallenen SohnEltern kämpfen für ihr Recht auf ein Enkelkind

Irit und Asher Shahar an Omris Grab (Igal Avidan)

Seit der Staatsgründung 1948 starben in Israel über 23.000 Soldaten. Deren Eltern nennt man dort "verwaist". Zwei dieser Hinterbliebenen kämpfen um ein Enkelkind von ihrem während des Militärdienstes gefallenen Sohnes.

Wunschlisten vor SondierungsgesprächenDie finanzielle Spielraum ist enger als gedacht

Zahlreiche verschiedene Geldscheine. (dpa/picture-alliance/Daniel Reinhardt)

Wenn jetzt über die Bildung einer Regierungskoalition verhandelt wird, dann geht es auch darum, welche Steuern vielleicht gesenkt werden oder wo Ausgaben erhöht werden können. Wenn alle Ideen umgesetzt würden, könnten die Kosten bei bis zu 180 Milliarden Euro liegen - so viel Geld gibt es aber nicht.

Literaturscouts in New YorkAuf der Suche nach dem nächsten Bestseller

Buchladen in Williamsburg, Brooklyn, New York (imago/UIG)

Was sich in den USA verkauft, funktioniert meist auf der ganzen Welt. Also schicken Verlage Literaturscouts besonders nach New York, dem Mekka der nordamerikanischen und internationalen Literatur. Die Scouts haben feine Spürnasen und sind vor allem eines: schnell.

EU-Türkei-Beziehungen"Es gibt nichts Wichtigeres, als die Gesprächskanäle offenzuhalten"

CDU-Politiker und MdB Detlef Seif spricht im Bundestag am Mikrofon (dpa/picture alliance/Michael Kappeler)

Der CDU-Europapolitiker Detlef Seif begrüßt die Kürzung von Zahlungen an die Türkei durch die EU. Gleichzeitig warnt er davor, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei komplett abzubrechen. Man müsse im Dialog bleiben.

Skulptur "Domestikator" vom Atelier van LieshoutEin Kunstwerk sorgt für Empörung

Die Skulptur "Domestikator" des Künstlers Joep van Lieshout (imago / Emeric Fohlen)

Eigentlich sollte die Skulptur "Domestikator" während der Pariser Kunstmesse FIAC vor dem Louvre zu sehen sein. Das Museum verbot dies. Die Holzplastik sei eine "brutale Vision", hieß es von Seiten des Museums. Ein Skandal?

PsychologieWie Du bestimmst, was Du träumst

Eine junge Frau schläft (imago/stock&people/Westend61)

Australische Psychologen haben herausgefunden, was man tun kann, um die Chancen für sogenannte Klarträume zu erhöhen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Jamaika-Sondierungen  Erste Gespräche in großer Runde | mehr

Kulturnachrichten

Prix Europa vergibt 14 europäische Medienpreise  | mehr

 

| mehr