Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Krawall bei kurdischem Kulturfest in Mannheim

80 Polizisten durch Wurfgeschosse verletzt

Ein PKK-Anhänger auf dem Kulturfest in Mannheim. (picture alliance / dpa / René Priebe)
Ein PKK-Anhänger auf dem Kulturfest in Mannheim. (picture alliance / dpa / René Priebe)

Bei Ausschreitungen am Rande eines kurdischen Kulturfestivals in Mannheim sind 80 Polizisten verletzt worden. Ein Sprecher sagte, die Einsatzkräfte hätten vor der Gewalt kapitulieren müssen, als die zumeist jungen Kurden Steine und Flaschen warfen.

Zu den Ausschreitungen kam es am Rande des kurdischen Kulturfestivals auf dem Maimarktgelände in Mannheim, das am Samstag zum 20. Mal stattfand. Laut Polizei kamen etwa 40.000 Menschen aus ganz Europa zu dem Festival. Etwa 2500 von diesen seien gewalttätig oder gewaltbereit gewesen.

Fahne löste Krawall aus

Die vom Veranstalter beauftragte Sicherheitsfirma alarmierte die Polizei, als ein 14-jähriger Kurden mit einer verbotenen Fahne auf das Gelände wollte. Schon bei der Ankunft der Beamten kam es zu Rangeleien. Als weitere Polizisten zur Unterstützung gerufen worden seien, bewarfen Umstehende die Beamten aus der Menge heraus mit Gegenständen. Die gewalttätigen Kurden seien von vielen tausend weiteren Veranstaltungsbesuchern lautstark unterstützt worden.

Man habe keine Chance gehabt, die Situation zu beruhigen, sagte der Polizeisprecher: "Ich bin jetzt über 30 Jahren bei der Polizei, aber so einen explosionsartigen Ausbruch an Gewalt von so vielen Menschen aus grundlosen Erwägungen heraus habe ich wirklich noch nie erlebt." Etwa 500 Personen hätten sich massiv an den Ausschreitungen beteiligt. Inzwischen gibt es erste Hinweise auf eine Gruppe von Gewalttätern, die offenbar nach Frankreich führen, berichtet Holger Neumann im Deutschlandfunk.

3. 11. 07 Kurden demonstrieren in Hamburg (AP)2007 demonstrierten Kurden in Hamburg noch weitestgehend friedlich. (AP)Ein Großteil der verletzten Polizisten wurde durch Wurfgeschosse wie Ziegelsteine oder Flaschen getroffen, wie die Polizei mitteilte. Auch Feuerwerkskörper wurden gezündet. Ein schwer verletzte Polizist habe wahrscheinlich einen Rippenbruch erlitten, obwohl er eine Schutzweste getragen habe. 13 Einsatzfahrzeuge der Polizei wurden demoliert. Die Beamten setzten Pfefferspray ein. Es gab 31 Festnahmen. Neben Fahnen und T-Shirts mit Symbolen verbotener Organisationen wurden auch vier Messer und ein Schlagring sichergestellt.

Straftaten im Vorfeld

Ob es im Nachhinein noch zu weiteren Festnahmen kommen werde, sei offen. Es seien zwar Videoaufnahmen der Angriffe gemacht worden. Weil die Festivalbesucher aber aus ganz Europa angereist seien, sei die Identifizierung schwierig. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verurteilte die Ausschreitungen. Die Politik müsse sich dafür einsetzen, dass künftig solche Veranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen.

Bereits am Freitag hatte die Polizei nach eigenen Angaben einen mehrtägigen Jugendmarsch von Straßburg Richtung Mannheim beenden müssen. Während des Zuges sei es immer wieder zu Straftaten wie Körperverletzungen und Beleidigungen gekommen. Am Mittwoch waren bei einer Auseinandersetzung zwischen Kurden und Türken am Rande der Strecke nahe Bruchsal sieben Menschen verletzt worden, darunter fünf Polizisten.

Mehr auf dradio.de:
Hintergrund - Kurdistan oder: Der ewige Traum vom eigenen Staat



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Schlüsselwerke

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Wahl in NigeriaIm Schatten von Boko-Haram

Viele Menschen stehen Schlange bei der Parlaments- und Präsidentschaftswahl in Nigeria (afp / Tom Saater)

Kleinere Anschläge und technische Probleme überschatten die Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Nigeria. Die Wahlkommission musste in einigen Bezirken die Abstimmung aussetzen, weil Maschinen nicht ordnungsgemäß funktionierten. Dort soll die Wahl morgen fortgesetzt werden.

Wim Wenders dreht in 3D "Einem Menschen in die Seele schauen"

Regisseur Wim Wenders posiert am 10.02.2015 in Berlin während der 65. Internationalen Filmfestspiele auf dem Fototermin zu "Every Thing Will Be Fine". Er lacht. (Jens Kalaene, dpa picture-alliance)

Wim Wenders hat seinen neuen Film "Every Thing Will be Fine" in 3D gedreht - der Regisseur ist fasziniert von der Technologie. Der Film kreist um die Frage: Wie geht ein Mensch mit der Schuld um, ein Kind getötet zu haben?

UnkrautGünstig, lecker und gesund

Für die meisten von uns ist Unkraut das, was wir aus den Fugen kratzen, aus Blumentöpfen rupfen und eigentlich überhaupt nicht im Garten sehen wollen. Ganz anders sieht das Jutta Langheineken. Die Gärtnerin und Buchautorin rät dazu, das Gewächs zu essen, statt zu vernichten und hat auch gleich einen Menüvorschlag.

LoneLady aus ManchesterUnruhe als Antrieb

Julie Ann Campbell alias LoneLady aus Manchester. (ALAIN JOCARD / AFP)

Die Musik von Julie Ann Campbell alias LoneLady aus Manchester lebt von den Gegensätzen. Sie will Musik dekonstruieren wie früher Industrial-Bands wie Throbbing Gristle - um am Ende doch wieder eine Harmonie zu finden. Ihr neuer Dekonstruktions-Harmonie-Entwurf heißt "Hinterland".

SmartphonesAber bitte mit Gefühl!

Stellt euch vor, euer Handy würde schneller atmen oder es hätte Herzklopfen, wenn eine Nachricht ankommt. Oder es würde sich auch mal weigern, von euch in die Hand genommen zu werden, weil ihr euch grad mal wieder zu viel damit beschäftigt habt.Utopisch? Nein, es gibt solche Geräte. Der Designforscher Fabian Hemmert baut sie.

KurzkritikenGespenster aus Vergangenheit und Gegenwart

Film: Gespensterjäger - Auf eisiger Spur (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

In Vorgespult geht es heute um Filme über Gespenster: Ein französischer Psycho-Thriller mit dampfender Erotik, eine deutsche Kinderbuchverfilmung mit Anke Engelke und ein Film von Wim Wenders über die lebenslange Folge eines traumatischen Unfalls.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Sommerzeit:  Uhren werden um eine Stunde vorgestellt | mehr

Kulturnachrichten

Simon Rattle bedauert Entscheidung gegen Konzertsaal in München  | mehr

Wissensnachrichten

Flugzeugabsturz  Viele Beschwerden beim Presserat | mehr