Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kriegsrhetorik und hasserfüllte Reden

Debatte in den USA nach Attentat von Tucson

Kerzen und Blumen vor dem Büro von Gabrielle Giffords in Tucson (AP)
Kerzen und Blumen vor dem Büro von Gabrielle Giffords in Tucson (AP)

Nach dem Attentat von Tucson ist in den USA eine Debatte über die politische Kultur entbrannt. Anhänger der Demokraten bezichtigen die Republikaner, mit aggressiver Rhetorik und Kriegsmetaphern die Atmosphäre zu vergiften. Besonders die ehemalige Kandidatin der Republikaner für das Amt der Vizepräsidentin, Sarah Palin, gerät dabei in den Fokus.

Nach dem Attentat auf Garielle Giffords (AP)Nach dem Attentat auf Garielle Giffords (AP)Dabei stößt ihre Parole "Nicht nachgeben - nachladen" besonders negativ auf. Der demokratische Senator Richard Durbin sagte, eine solche gewalttätige Rhetorik trage zu einem vergifteten Klima bei. Auf ihrer Website hatte Palin beim Wahlkampf für die Zwischenwahlen zum Kongress im vergangenen November die Wahlkreise mit einem Fadenkreuz markiert, die von Demokraten gehalten werden. Nach der anhaltenden Kritik wurden die Fadenkreuze entfernt, Palin ließ erklären, dies seien Landvermessersymbole gewesen. Sie sprach den Opfern des Attentats ihr Mitgefühl aus.

Mitglieder der ultrakonservativen "Tea Party"-Bewegung nannten die Vorwürfe gegen ihre Frontfrau Palin "skandalös". Die "Tea Party"-Anhänger sowie mehrere Republikaner beschuldigen die Demokraten, politisches Kapital aus dem Attentat schlagen zu wollen. Bei dem Attentäter von Tucson, Jared Loughner, handele es sich um einen geistig verwirrten Linksextremisten.

Der Polizeichef von Tucson, Sheriff Clarence Dupnik, machte "hasserfüllte Reden" von Politikern und die laschen Waffengesetze des Staates Arizona für Loughners Tat verantwortlich. Arizona sei das "Mekka der Vorurteile und des Fanatismus" geworden. (MP3-Audio)

Zwischen den beiden großen Parteien in den USA herrsche ein Kulturkampf, sagte der Politologe Christian Hacke im Deutschlandfunk. Demokratische Abgeordnete würden "rhetorisch wie Freiwild" behandelt. Insbesondere Tea-Party-Mitglieder fielen durch "verbale Gewalt" auf.

Das Attentat wirke wie ein Schock, sagte der Politikwissenschaftler Andrew Denison. Momentan sei "eine Menge Gift drin in der politischen Diskussion". Es sei jetzt "eine Mäßigung dieser Rhetorik dort zu erwarten", sagte Denison im Deutschlandfunk.

Ein - für europäische Ohren - rüder Ton habe in den USA im politischen Geschäft immer vorgeherrscht, sagt Constanze Stelzenmüller vom German Marshall Fund. Angesichts des Attentats sei aber auch bei den Republikanern der Ton "deutlich runtergedreht" worden.

Attentäter Haftrichter vorgeführt

Der mutmaßliche Attentäter Jared Loughner wurde am Montag in Phoenix, Arizona dem Haftrichter vorgeführt. Dieser verlas die Anklagepunkte. Loughner werden Mord sowie und drei Mordversuche vorgeworfen.

Gabrielle Giffords am 5. Januar 2011Gabrielle Giffords am 5. Januar 2011Loughner hatte am Samstag in einem Einkaufszentrum in Tucson der demokratischen Abgeordneten Gabrielle Giffords in den Kopf geschossen. Die Abgeordnete überlebte zwar, doch wurde sie in ein künstliches Koma versetzt. Bei seinem Amoklauf erschoss Loughner sechs Menschen und verletzte 14 schwer.

Nach Angaben der Polizei habe Loughner das Attentat auf Giffords gezielt geplant. Darauf deuteten entsprechende Briefe hin, die man in Loughners Wohnung gefunden habe. Loughner habe alleine gehandelt, es sei die Tat eines verwirrten Einzelgängers.

Schweigeminute für die Opfer

Am Montag wurde überall in den USA mit einer Schweigeminute der Opfer des Attentats gedacht. Auch Präsident Barack Obama hielt eine solche Schweigeminute vor dem Weißen Haus ab. Er enthielt sich jeglicher Schuldzuweisungen. "In den kommenden Tagen werden wir viel nachdenken müssen", betonte er. Es gehe darum, dass Amerika als Nation zusammenstehe.

Am Mittwoch will der Präsident an einer Gedenkfeier in Tucson teilnehmen, hieß es in Medienberichten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Nach der Bundestagswahl Alle Demokraten sind herausgefordert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 24.09.2017 in Berlin in der Parteizentrale der CDU auf der Bühne. Merkel reagierte bei der Wahlparty der CDU auf die Veröffentlichung der Hochrechnungen zum Ausgang der Bundestagswahl 2017.  (dpa / picture alliance / Boris Roessler)

Der Einzug der AfD in den deutschen Bundestag fordere alle Demokraten heraus, kommentiert Dlf-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Das Parlament werde mit Abgeordneten umgehen müssen, die rassistische Parolen nicht scheuen. In dieser Situation sei der künftige Bundestagspräsident besonders gefordert.

Down-Syndrom und Wahlrecht Julian Peters will wählen - und darf nicht

Julian Peters an seinem Smartphone (privat)

Julian Peters darf bei der Bundestagswahl nicht seine Stimme abgeben, weil er das Down-Syndrom hat und eine gesetzliche Betreuung in allen Angelegenheiten. Ist das gerecht?

Reaktionen auf die Wahl - im NetzEmpörung vs. Euphorie

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 24.09.2017 in Berlin in der Parteizentrale der CDU auf der Bühne. (dpa-Bildfunk / Michael Kappeler)

Im Netz wird seit 18 Uhr mit Leidenschaft über die ersten Ergebnisse der Bundestagswahl debattiert - auf Twitter ebenso wie bei Facebook oder bei Instagram. Der Tenor: Viel Enttäuschung bei den Verlierern, euphorische Stimmung bei AfD als neuer drittstärkster Kraft.

Ausstellung über den SchlafVom subversiven Potenzial des Schlummerns

Ein Mann schaut sich in Bremen im Paula Modersohn-Becker Museum das Bild "Reclining Nude" aus dem Jahr 1952 von William Copley an. Das Bild hängt in der Ausstellung "Schlaf - Eine produktive Zeitverschwendung" (dpa / Carmen Jaspersen)

Der Schlaf ist ein uraltes Thema, sowohl in der Philosophie als auch in der Kunst. Die Bremer Museen Böttcherstraße widmen ihm nun eine Ausstellung - und die überrascht.

Vor der Wahl"Es gibt eine allgemeine Stimmung der Ängstlichkeit"

Blick auf ein idylisches Örtchen im Sonnenschein mit Kirche (imago / Rüdiger Wölk)

Was bewegt die Bürger in Deutschland? Um das zu erfahren, ist der Journalist und Schriftsteller Thomas Medicus quer durchs Land gereist: vom Tegernsee nach Flensburg und von Görlitz nach Aachen. Viele seien verunsichert, sagte Medicus im Dlf. Hinzu käme die Angst vor dem sozialen Abstieg.

Beuys konservieren Von der Schwierigkeit einen Fettfleck zu erhalten

Ein Porträt von Joseph Beuys (1921-1986), Aufnahme circa 1985. (imago/Leemage)

Stillstand ist das Ziel von Konservatoren und Restauratoren in der bildenden Kunst. Gerade bei moderner Kunst kann das zu einer Herausforderung werden: Ein Werk von Joseph Beuys zu erhalten ist durchaus eine besondere Aufgabe.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundestagswahl  AfD in Sachsen stärkste Kraft | mehr

Kulturnachrichten

Menschenrechtspreis für "Gruppe Caesar"  | mehr

 

| mehr