Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Krisenfester mit Basel III

Bankenaufsicht in Basel legt schärfere Regeln für internationale Finanzwelt fest

Von Michael Braun

Wichtigste Steuerungsgröße: die Kernkapitalquote (AP)
Wichtigste Steuerungsgröße: die Kernkapitalquote (AP)

Zu viele Kredite an zu viele nicht kreditwürdige Kunden, das war ein Ursprung der Finanzkrise. Banken sind zu hohe Risiken eingegangen, auslöffeln mussten die Krise staatliche Rettungsprogramme. Mit Basel III sollen Banken in künftigen Krisen ohne Staatshilfen überleben können. Auf das von der Bankenaufsicht in Basel beschlossene Regelwerk einigten sich am Wochenende 27 Industrie- und Schwellenländer.

Der Zusammenschluss von Notenbanken und Finanzaufsichtsbehörden ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel angesiedelt, der Zentralbank der Zentralbanken. Er wurde nach dem Zusammenbruch der Kölner Herstatt-Bank 1974 gegründet. Seitdem werden in Basel die Regelwerke im Kampf gegen Finanzkrisen formuliert. Das Neueste ist das dritte und heißt deshalb Basel III. Es verlangt von den Kreditinstituten größere Kapitalpuffer zum Schutz vor Notsituationen.

Kernkapital soll Verluste abfangen

Wichtigste Steuerungsgröße ist dabei die Kernkapitalquote. Sie beschreibt das Verhältnis vom Kapital einer Bank zu ihren Risiko behafteten Geschäften, also zu den vergebenen Krediten und den getätigten Geldanlagen. Das Kernkapital soll Verluste abfangen, wenn Kredite ausfallen und Wertpapierkurse abstürzen. Das Kernkapital soll also heilen. Und es soll vorbeugen, damit die Banken nicht zu große Risiken eingehen.

Mehr Sicherheit durch mehr Kernkapital hat ihren Preis. Der Bundesverband deutscher Banken rechnet alleine für die zehn größten deutschen Banken mit einem Kapitalmehrbedarf von womöglich 105 Milliarden Euro. Banken können das Kapital aufstocken, indem sie Gewinne einbehalten. Dann müssen Aktionäre auf Ausschüttungen verzichten. Steigt das Kernkapital nicht, können auch die Risikopositionen vermindert werden. Dann müssen die Banken zum Beispiel Kredite auslaufen lassen. Dann bekommen Unternehmen Angst vor einer Kreditklemme. Denkbar wäre auch, die Gewinne zu erhöhen, um schneller die Kernkapitalquoten zu steigern. Dann würden Kredite teurer. Es gibt aber längere Übergangsfristen für Basel III. Die Bankenaufseher haben versprochen, mit ihren Regeln die Konjunktur nicht abwürgen zu wollen. Die Regeln sollen von 2013 an schrittweise eingeführt werden.

Schlarmann: Erschwerte Kreditvergabe für den Mittelstand

Der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, hat vor negativen Folgen für Sparkassen und Volksbanken durch die in Basel III vorgesehene Erhöhung der Kernkapitalquote gewarnt. Er verlangt differenzierte Regeln für große und kleine Banken.

"Zwei Fliegen mit einem Schlag"

Die Deutsche Bank übernimmt die angeschlagene Postbank. Robert Halver, Chefanalyst der Baadener Bank, sagt: "Es geht der Deutschen Bank darum, dass man aus der Schmuddelecke des Investmentbankings herauskommen möchte. (...) Wenn es schon mehr Regulierung gibt, mehr Eigenkapitalvorschriften gibt in Zukunft, dann kann man frühzeitig darauf reagieren und sagen, wir wollen mehr Geld haben, damit wir genau diese Bonitätsregeln dann auch noch besser erfüllen können. Hier kann man sagen, hier zuckt die Deutsche Bank als erste Adresse, und das ist dann also ganz klar ein Zeichen an die Konkurrenz, wir haben die Nase vorn."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Einhundert

Aus unseren drei Programmen

Mexikos gescheiterter DrogenkriegZigtausende "Verschwundene"

Yesenia Carrera mit Foto ihres verschwundenen Sohnes. Seit fast drei Jahren lebt die 48-Jährige in quälender Ungewissheit. (Foto: Victoria Eglau - Deutschlandradio)

Über 10.000 Menschen sterben und verschwinden jedes Jahr als Folge des Drogenhandels in Mexiko - oft arbeiten Banden und Polizei Hand in Hand. Verzweifelte Angehörige werden von den Behörden vertröstet. Ein neues Gesetz soll nun helfen, das wirklich effizient nach Verschwundenen gesucht wird.

Jonathan Meese über "Bavid Dowie"-Ausstellung"Wir sind alle Yetis!"

Jonathan Meese, Daniel Richter und Tal R (Foto: Hanna Putz)

"Bavid Dowie" heißt die Ausstellung der drei Künstler Jonathan Meese, Daniel Richter und Tal R, die in Stade zu sehen ist. Ganz klar in Anspielung an David Bowie, doch der wird dort kaum auftauchen, sagt Meese. Vielmehr habe der Titel eine eigene Botschaft.

Aufschrei gegen KindesmissbrauchTürkisch, Teenager und schwanger

Eine türkische Flagge schwebt am 20.05.2017 beim Drachen-Festival in Istanbul (Can Merey/dpa)

Laut Oppositionspartei CHP soll der sexuelle Missbrauch an Kindern in der Türkei um 700 Prozent in den vergangenen zehn Jahren zugenommen haben. Ohne mutige Zeuginnen wie Icla Nergiz würden die meisten Fälle nicht bekannt. Sie hat Alarm geschlagen, nachdem allein in einem Krankenhaus innerhalb von fünf Monaten 115 minderjährige Mädchen entbunden hatten.

Historiker Tom Segev"Es ist nicht leicht, in Jerusalem zu leben"

Tom Segev, israelischer Historiker und Journalist (Dan Porges)

In Israel beginnt die Geschichtsschreibung erst 1980, meint Tom Segev. Zuvor habe es Ideologie, Mythologie und furchtbar viel Indoktrination gegeben. Der Historiker spricht auch darüber, warum er erwägt, seine Geburtsstadt Jerusalem zu verlassen.

US-Botschafter Grenell "Wer mit dem Iran Handel treibt, unterstützt Terrorismus"

US-Botschafter Richard Grenell bei einem Besuch in Hamburg (imago / Chris Emil Janßen)

Deutsche und Amerikaner hätten sehr viel mehr Gemeinsamkeiten, als man zugebe, sagte US-Botschafter Richard Grenell im Dlf mit Blick auf die jüngsten Spannungen. Sie stünden eigentlich immer auf der gleichen Seite. Das gelte auch für das Iran-Abkommen. Nicht einig sei man sich bei der Wahl der Mittel.

Rassismus-Ausstellung in Dresden"Selbst Rassisten sprechen heute nicht mehr von Rasse"

(Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Rassismus verstecke sich heute hinter Begriffen wie Kultur, Ethnie oder Religion, meint die Dresdener Kulturwissenschaftlerin Susanne Illmer. Den Begriff "Rasse" würden selbst Rassisten nicht mehr benutzen. Das sei problematisch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlinge  CSU kritisiert Widerstand gegen Ankerzentren | mehr

Kulturnachrichten

Dylans Gitarre für 490.000 Dollar versteigert  | mehr

 

| mehr