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Kritik an Erdogans Zionismus-Vergleich

US-Außenminister verurteilt Äußerung bei Türkei-Besuch

Türkeis Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (picture alliance / dpa / Georg Hochmuth)
Türkeis Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (picture alliance / dpa / Georg Hochmuth)

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hat Zionismus als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet und mit Faschismus gleichgesetzt. Die UNO, die USA und Israel verurteilten Erdogans Aussage scharf.

Der türkische Premierminister ist als einer der schärfsten Kritiker Israels in der Vergangenheit bekannt. Doch sein Vergleich von Zionismus und Faschismus wird international als Entgleisung kritisiert.

Erdogan hatte bei einer UN-Konferenz in Wien zur Förderung des Dialogs zwischen Religionen und Völkern am Mittwoch gesagt: "So wie das für Zionismus, Antisemitismus und Faschismus gilt, ist es unerlässlich, Islamphobie als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu betrachten". An der Konferenz hatten Vertreter aus vielen arabischen Staaten teilgenommen.

Internationale Kritik

Senator John Kerry soll die Nachfolge von Hillary Clinton antreten (picture alliance / dpa / Shawn Thew)US-Außenminister John Kerry (picture alliance / dpa / Shawn Thew)Solche "anstößigen" Kommentare erschwerten Bemühungen um eine Friedenslösung im Nahen Osten, sagte US-Außenminister John Kerry noch ganz diplomatisch bei seinem Türkeibesuch. Er werde auf die umstrittene Rede auch beim Treffen mit Erdogan zu sprechen kommen. UN-Generalsekretär Ban bezeichnete es als unglücklich, dass solche verletzenden und spalterischen Bemerkungen bei einem Treffen gefallen seien, bei dem es um verantwortungsvollen Führungsstil gehe.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte Erdogans Worte scharf. "Dies ist eine dieser finsteren und verlogenen Äußerungen, von denen wir dachten, dass sie der Vergangenheit angehören", teilte Netanjahu mit. Der Zentralrat der Juden in Deutschland nannte die Äußerungen "verletzend, verstörend und vergiftend". Sein Vorsitzender Dieter Graumann sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" laut Vorabbericht: "Mit diesem Ungeist von judenfeindlicher Aggressivität ist es schwer vorstellbar, wie dieser Mann die Türkei jemals in die EU führen will. So öffnet Herr Erdogan die Schleusen von Hass und verschließt die Türen nach Europa - und das ist mehr als schade."

Das Verhältnis zwischen Ankara und Jerusalem ist jedoch eisig, seit ein israelisches Militärkommando im Jahr 2010 bei einem Angriff auf ein türkisches Schiff einer internationalen Hilfsflotte für den palästinensischen Gazastreifen neun türkische Aktivisten getötet hatte.

Immer wieder Streit um Zionismus

Der Zionismus kam im 19. Jahrhundert zunächst als eine Gegenbewegung zum Antisemitismus auf. Theodor Herzl gilt als Begründer und Vordenker des politischen Zionismus, dem er ein Programm gab. Der 1. Zionistenkongress in Basel forderte 1897 unter Herzls Vorsitz die «Schaffung einer gesicherten Heimstätte in Palästina». Für Herzl war der Kongress die Geburtsstunde des jüdischen Staats.

Um die politische Einordnung der zionistischen Bewegung, die nach Rückführung aller Juden nach Israel strebt, hatte es in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach Streit gegeben. Die UN-Vollversammlung hatte Mitte der 70er Jahre Zionismus in einer Resolution auf Druck der arabischen Welt mit Rassismus gleichgesetzt. Die Resolution wurde erst nach dem Beginn des Nahost-Friedensprozesses zurückgenommen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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