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Kritik an Futtermittelindustrie wird lauter

Frage nach Fahrlässigkeit oder gar Betrug

Kühe bekamen verseuchtes Futtermittel, hier ein  Symbolbild (AP)
Kühe bekamen verseuchtes Futtermittel, hier ein Symbolbild (AP)

In Niedersachsen haben die Behörden weitere Ergebnisse aus der Untersuchung des Futtermittelskandals vorgelegt. Die Zahl der in dem Bundesland betroffenen Betriebe sei möglicherweise auf 4.467 gestiegen.

<p>Die Zahl wurde vom Landwirtschaftsministerium in Hannover genannt. Zugleich wies die Behörde darauf hin, dass die Zahl sich aufgrund von Doppelnennungen noch etwas nach unten korrigeren könne. Unter den betroffenen Betrieben seien auch Bauernhöfe, die Milch produzierten. Nach ersten weiteren Test wurden hier bislang allerdings keine besonderen Auffälligkeiten entdeckt. Grenzwerte seien nicht überschritten worden, hieß es. Niedersachsen ist am stärksten von dem Skandal um verschimmelten Futtermais betroffen. <br /><br />Der Verbraucherverband wirft der Futtermittelbranche gravierendes Versagen vor. Diese habe nach dem Dioxin-Skandal im Jahr 2010 bessere Kontrollen versprochen, aber nichts davon gehalten, sagte Verbandschef Gerd Billen im Deutschlandfunk. Die Grünen-Fachpolitikerin Cornelia Behm meinte, ebenfalls im Deutschlandfunk, man müsse prüfen, <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="239166" text="ob Futtermittelhersteller hier nur fahrlässig oder gar betrügerisch gehandelt hätten" alternative_text="ob Futtermittelhersteller hier nur fahrlässig oder gar betrügerisch gehandelt hätten" />. <br /><br />Die Fraktionschefin der Grünen, Renate Künast, hat angesichts des neuen Futtermittelskandals ein nationales Kontrollsystem gefordert. Sie sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", notwendig sei eine konzertierte Aktion von Bund und Ländern. Künast warf Bundesverbraucherministerin Aigner in diesem Zusammenhang Versäumnisse vor. Zwar habe das Ministerium bereits im Oktober 2012 vor belastetem Mais gewarnt, allerdings sei danach nichts mehr passiert. <br /><br />Auch der Deutsche Bauernverband fordert nach dem Fund von Schimmelpilzgift in <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="239004" text="Futtermais" alternative_text="Futtermais" /> bessere Kontrollen der Hersteller. Präsident Joachim Rukwied sagte der "Rheinischen Post", die Landwirte treffe keine Schuld, sie müssten davon ausgehen, das Futtermittel in einwandfreiem Zustand geliefert zu bekommen. Auch die Organisation Food Watch betonte, bei Kontrollen gebe es noch immer erhebliche Schwachstellen. Trotz vieler Forderungen an die Politik sei nichts Entscheidendes passiert. Food Watch zufolge gab es bereits vor Monaten Warnungen, dass Futtermais aus Serbien mit dem krebserregenden Pilzgift Aflatoxin belastet ist.<br /><br />Nach dem Fund von <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="239015" text="Schimmelpilz-Gift in Futtermais" alternative_text="Schimmelpilz-Gift in Futtermais" /> sollen Untersuchungen der Bundesländer das Ausmaß des Vorfalls klären. Das Bundesverbraucherministerium teilte mit, die Informationen über betroffene Betriebe und Mengen sollten vom Bund koordiniert werden. Auch die EU-Staaten wurden per Schnellwarnsystem informiert. "Es scheint eine Menge kriminelle Energie im System zu sein", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Gerd Müller, im Bundesrat. Grünen-Bundestagsfraktionsvize Bärbel Höhn fragt sich auf Twitter:<br /><blockquote class="twitter-tweet" lang="de" data-partner="tweetdeck"><p>Warum hat Eigenkontrolle der Futtermittelhersteller nicht funktioniert. Sie hätten Schimmel finden müssen: Schlamperei oder bewußtes Kalkül?</p>— Bärbel Höhn (@BaerbelHoehn) <a href="https:twitter.com/BaerbelHoehn/status/307490071219679234">1. März 2013</a></blockquote><br /><script async src="platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>Der <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="239137" text="Bundesrat" alternative_text="Bundesrat" /> will angesichts des Skandals um falsch deklarierte Eier über weitere Kontrollvorschriften für die Haltung von Legehennen beraten. Gefordert wird etwa, die Aufzucht von Junghennen in die Überwachung einzubeziehen und auf Bundes- und EU-Ebene Mindeststandards für die Haltung festzulegen.<br /><br /></p><p><strong>Ministerium: Keine Gefährdung für Verbraucher</strong></p><p>Der Mais aus Serbien ist mit dem Schimmelpilzgift <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="239000" text="Aflatoxin B1" alternative_text="Aflatoxin B1" /> kontaminiert. Er wurde von Futtermittelherstellern zu Futter für Schweine, Rinder und Geflügel verarbeitet. Schon geringe Höchstmengenüberschreitungen im Futtermittel könnten zum Beispiel zu einer kritischen Belastung von Rohmilch führen. Über die Milch könnten die Aflatoxine in die menschliche Nahrungskette gelangen. Davor hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium bereits im vergangenen Oktober gewarnt.<br /><br /><papaya:media src="065459d43815028695ded0f294b61b5b" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Schimmelpilz kann in geringen Mengen in die Milch gelangen" popup="yes" /><papaya:link href="http://www.bfr.bund.de/cm/343/erhoehte-aflatoxingehalte-in-rohmilch-nachgewiesen.pdf" text="Kaum Gefahr für Verbraucher" title="Bundesinstitut für Risikobewertung zu erhöhten Aflatoxingehalten" target="_blank" />, gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung Entwarnung. "Bei geringfügiger Überschreitung der Höchstgehalte (des Giftes) in der Milch ist eine Gefährdung des Verbrauchers unwahrscheinlich", hieß es in einer Erklärung. Wenn Molkereien die Milch von verschiedenen Höfen abholen, wird sie den Angaben zufolge vermischt. Auch bei Fleisch bestehe nach ersten Einschätzungen kein Risiko für den Verbraucher, betonte das Ministerium. Alle betroffenen Betriebe würden genau untersucht.<br /> <br /></p><p><strong>Nur geringe Menge</strong></p><p>Insgesamt seien 45.000 Tonnen über den niedersächsischen Hafen Brake importiert worden. 10.000 Tonnen seien in Brake, 25.000 Tonnen in einer Lagerhalle in Bremen gesperrt worden. Neben Niedersachsen sind dem Ministerium zufolge auch noch geringe Mengen nach Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen geliefert worden.<br /><br />Der Fund stellt eine vergleichsweise nur geringe Menge der Futtermittelimporte dar. Für die Tierhaltung in Deutschland stehen jährlich mehr als 80 Millionen Tonnen Futtermittel zur Verfügung. Der Großteil des Aufkommens - rund 71,7 Millionen Tonnen - wird im Inland erzeugt. Dies geht aus jüngsten Daten des Bundeslandwirtschaftsministeriums für 2010/11 hervor. Importiert wurden zuletzt 8,7 Millionen Tonnen, darunter vor allem Soja und Getreide. Gemessen am Gesamtaufkommen in Deutschland sind verschiedene Getreidesorten mit gut 26 Millionen Tonnen das wichtigste Futtermittel. Jeweils rund 15 Millionen Tonnen entfallen auf Gras und Silage sowie auf Silomais.</p>


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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