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Kritik an Sarrazin-Auftritt bei Günther Jauch

Talk in der ARD bietet umstrittenem Buchautor Werbefläche

Von Ludger Fittkau

Diskussion über den Euro bei Günther Jauch (dpa/Florian Schuh)
Diskussion über den Euro bei Günther Jauch (dpa/Florian Schuh)

Der gestrige Auftritt von Thilo Sarrazin bei Günther Jauch ist heftig kritisiert worden. Mit seinem Parteigenossen Peer Steinbrück diskutierte Sarrazin in der ARD-Sendung über die Zukunft des Euro. Jauch habe damit Sarrazin die Gelegenheit gegeben, zur besten Sendezeit für sein neues Euro-kritisches Buch zu werben.

Zwei Finanzexperten, beide Sozialdemokraten, diskutieren über die Zukunft des Euro. Das ist nicht unbedingt eine Schlagzeile wert, wenn einer der Diskutanten nicht der umstrittene Buchautor Thilo Sarrazin wäre, dessen neues, kritisches Buch zum Euro in der kommenden Woche erscheint.
Günther Jauch gibt Sarrazin dafür zur besten TV-Sendezeit die ganz große Werbefläche - und muss deswegen gleich zu Beginn der Sendung diejenigen aufzählen, die ihn dafür kritisieren:

"Reinhold Robbe, Präsident der deutsch-israelischen Gesellschaft, der sagte heute, dass er die Thesen von Thilo Sarrazin als schwachsinnig bezeichnet, Renate Künast von den Grünen sagt, dass nationalistischer Unsinn von Sarrazin nicht zum Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders passt und Finanzminister Schäuble meint heute über Sarrazins letztes Buch: Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül."

Peer Steinbrück wehrt sich zunächst vor allem gegen die Bemerkung Wolfgang Schäubles, er träte mit Sarrazin auf, weil er bei seinem SPD-internen Kampf um die Kanzlerkandidatur die große Bühne brauche:

"Ich empfinde diesen Aufgalopp zu einem solchen Gespräch hier als unangenehm und will auch gleich am Anfang klarstellen, dass ich mich sehr betroffen fühle von dem, was mein Vorgänger Schäuble heute in der Bildzeitung gesagt hart, dass ich hier nur säße, um im Bereich der SPD-Kanzlerkandidatur Punkte zu machen. Das halte ich gelinde gesagt für eine Unverschämtheit. Ich setze hier, weil ich Thilo Sarrazin widersprechen möchte und zwar fundamental bezogen auf eine ganze Reihe von Fehleinschätzungen."

Das tat er dann auch. Was folgte, war weitgehend das sachliche Fachgespräch der Finanzexperten, die sich vor allem bei der Frage einig waren, dass bei der Einführung des Euro durchaus Fehler gemacht wurden. Nicht einig war man sich bei der Frage, wieweit Deutschland oder die anderen Länder der Eurozone von der Einführung der gemeinsamen Währung profitiert haben oder nicht. Thilo Sarrazin zählte europäische Staaten auf, die seiner Meinung nach ohne Euro besser gefahren sind:

"Schweden wuchs deutlich stärker als wir mit der Schwedenkrone, die Schweiz wuchs ebenso stark wie wir mit dem Schweizer Franken, selbst England wuchs stärker als wir."

Peer Steinbrück wiederum warf Sarrazin Geschichtsvergessenheit vor, er blende im neuen Buch die politische Verantwortung Deutschlands für ein stabiles Europa weitgehend aus. Steinbrück kritisierte Sarrazin überdies, die politischen Folgen einer Rückkehr zu nationalen Währungen nicht zu beachten:

"Die Folge - eine politische Renationalisierung Europas wäre unter Begleitung von teilweise sehr dumpfbackigen, sehr nationalistischen Tönen, für die es in einigen europäischen Ländern auch schon Parteien gibt. Das blenden sie vollkommen aus."

Am Schluss der Sendung stellte Günther Jauch Peer Steinbrück die Frage, ob er Sarrazin tatsächlich für politisch gefährlich halte:

"Nein, er ist kein gefährlicher Mann, um Himmels Willen, und ich bin auch gegen jede Dämonisierung."

Sarrazin:"Da bin ich aber dankbar."

Steinbrück: " Ich bin auch dagegen, dass diese Empörungswellen sein Buch weiter aufwerten."

Jauch:"Das ist jetzt zu spät."

Steinbrück: "Das ist jetzt zu spät."

Auch wenn Steinbrück Sarrazin gestern Abend vieles plausibel entgegensetzen konnte: Nicht nur die Empörung anderer, sondern vor allem der von Günther Jauch inszenierte gemeinsame Auftritt in der Sendung selbst hat Sarrazin die große Reklamechance für sein Buch gegeben.

Mehr zum Thema bei dradio.de:

Kommentar: Blamage für die SPD - Thilo Sarrazin darf bleiben
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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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