Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kritik in der CDU an "antiquiertem" Parteiprofil

Führende Politiker diskutieren über zeitgemäße Aufstellung der Christdemokraten

Wohin soll und muss die CDU steuern? (dpa / Caroline Seidel)
Wohin soll und muss die CDU steuern? (dpa / Caroline Seidel)

Nach der verlorenen Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart werden in der CDU Stimmen laut, die eine grundlegende Erneuerung der Partei fordern. Ex-Generalsekretär Heiner Geißler kritisiert etwa antiquierte Positionen. Die Grünen indes wollen nun verstärkt um enttäuschte Konservative buhlen.

In der CDU macht sich Nervosität breit. Einige führende Politiker fragen sich, ob mit dem derzeitigen Parteiprofil Wahlen gewonnen werden können - vor allem die Bundestagswahl in weniger als elf Monaten. "Es gibt immer noch zu viele konservativ-neoliberale Kräfte, die altmodischen Positionen nachhängen", sagte der frühere Generalsekretär Heiner Geißler den "Ruhr Nachrichten" über seine Partei. Mit einem "antiquierten Familien- und Frauenbild, ständiger Kritik an der Energiewende und der europäischen politischen Einigung und einer marktradikalen Wirtschaftspolitik" könne eine Volkspartei nicht erfolgreich sein, monierte er.

Der bei der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl von der CDU unterstützte parteilose Sebastian Turner forderte Parteichefin Angela Merkel auf, mehr auf die Probleme der Städter einzugehen. "Die Themen, die für Städter von Bedeutung sind, müssen vorne ins Schaufenster", sagte Turner der Zeitung "Die Welt". "Sie können in Stuttgart am Wahlstand noch so oft Kita sagen, wenn die Wähler in der Tagesschau immer nur Betreuungsgeld hören."

Auch der Stuttgarter CDU-Fraktionschef Peter Hauk bemängelte, die Partei werde "zu stark mit einem konservativen Profil verbunden".

Bosbach: "Keine grünen Fantasien pflegen"

Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hingegen warnte seine Partei davor, sich bei den Grünen-Wählern anzubiedern. Er halte nichts von der These, die Union müsse "moderner" und für städtisches Publikum attraktiver werden. "Die Union wäre gut beraten, nach dem Ergebnis in Stuttgart keine grünen Fantasien zu pflegen", sagte Bosbach den "Stuttgarter Nachrichten". "Die Bürger wählen das Original, nicht das Plagiat."

Der nordrhein-westfälische Landeschef Armin Laschet äußerte sich ähnlich in der "Bild"-Zeitung: Die CDU müsse in Großstädten mehr Bürgernähe zeigen, ohne "den Grünen nachzulaufen", und zudem um mehr bürgerliche Wähler kämpfen.

Grüne nehmen CDU-Wähler ins Visier

Fritz Kuhn (2.v.r, Bündnis 90/Die Grünen), der Sieger bei der Wahl des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Stuttgart (picture alliance / dpa / Marijan Murat)Fritz Kuhn, Sieger bei der Wahl des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Stuttgart (picture alliance / dpa / Marijan Murat)Um das bürgerliche Klientel wollen die Grünen nach ihrem Erfolg in Stuttgart aber nun verstärkt werben. Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt betonte in der "Rheinischen Post": "Uns wählen inzwischen auch enttäuschte CDU-Wähler, die glaubwürdige und werteorientierte Politik wünschen."

Der Grüne Fritz Kuhn war am Sonntag mit 52,9 Prozent der Stimmen zum neuen Stuttgarter Oberbürgermeister gewählt worden. Sein parteiloser Konkurrent Sebastian Turner, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt worden war, kam auf 45,3 Prozent.


Beiträge zur CDU im Deutschlandradio:

"Fleisch vom Fleische der ehemaligen CDU-Anhänger" - Tübinger Politologe deutet Kuhns Wahlerfolg in Stuttgart als grünen "Vormarsch" im wertkonservativen Milieu
Schriftsteller Schorlau: CDU ist nicht mehr Partei des Bürgertums - Union war im Stuttgarter Wahlkampf "lautstark" und "angeberisch"
Merkel trifft die Parteibasis - CDU-Vorsitzende besucht Regionalkonferenzen ihrer Partei

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:30 Uhr Vollbild

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

1 Jahr "Wir schaffen das"Die Jahrhundertaufgabe Integration

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich bei einer Pressekonferenz in Berlin zum Putschversuch in der Türkei. (AFP / John Macdougall)

Vor einem Jahr sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre berühmt gewordenen Worte "Wir schaffen das". Angesichts der Lage der Flüchtlinge sei die Grenzöffnung gerade noch rechtzeitig gekommen, meint DLF-Chefredakteurin Birgit Wentzien.

Burkini-VerbotEs ist nur ein Stück Stoff

Eine Frau schwimmt im Burkini in einem Schwimmbecken. (dpa/ picture-alliance/ Subel Bhandari)

Kleidungsstücke wie Kopftuch, Burka oder Burkini geben Frauen die Möglichkeit, sich in einer für sie fremden Gesellschaft frei zu bewegen und sich zu entwickeln, meint Deutschlandradio Kultur-Wortchefin Marie Sagenschneider. Deshalb sollten wir sie dulden.

Jugoslawien-TribunalDer Schmerz bleibt trotzdem

Als Richter am internationalen Strafgerichtshof sollte Albin Eser für Gerechtigkeit sorgen. Seine Aufgabe: Die Kriegsverbrechen aus den Bosnienkriegen ahnden. Um Frieden und Versöhnung zu schaffen,braucht es aber mehr. Eine Geschichte über das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag.

Daniel Fuhrhop: "Willkommensstadt"Flüchtlinge in unsere Häuser

Zimmer für Flüchtlinge in Hamburg-Harvestehude (Foto: Axel Schröder)

Für Flüchtlinge müssen keine neuen Wohnungen gebaut werden, schreibt der Architektur-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop. Neubauten würden die Integration sogar erschweren. In "Willkommensstadt" beschreibt er, wie es besser geht.

Deutschland und Visegrad-Gruppe"In der Flüchtlingspolitik treffen zwei Ansätze aufeinander"

Treffen in Warschau: Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo (von rechts), Bundeskanzlerin Angela Merkel und der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. (PAP)

Der Osteuropa-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Kai-Olaf Lang, wertet es als sinnvolles Signal, dass Bundeskanzlerin Merkel in Warschau mit der sogenannten Visegrad-Gruppe zusammenkommt. In der Flüchtlingspolitik wollten diese Länder ebenso wie Deutschland eine europäische Lösung, sagte Lang im Deutschlandfunk. Ihr Ansatz sei allerdings ein anderer.

ErnährungDick und krank durch Sojaöl

Eine dicke Frau sitzt am Strand. (Matt Cardy / Getty Images)

Soja ist gesund, das Öl aus der "Wunderbohne" gilt als "gutes Fett". Doch eine US-Studie legt nun den Verdacht nahe, dass Sojaöl womöglich viel schädlicher für die Gesundheit ist als andere Fette.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Italien  Staatsbegräbnis für Erbebenopfer in Ascoli Piceno | mehr

Kulturnachrichten

Großbrand zerstört Kulissen der Prager Filmstudios  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr