Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kroatien wird das 28. EU-Land

Staatspräsident spricht von einem Wendepunkt

Kroatien wird 28. EU-Land (picture alliance / dpa)
Kroatien wird 28. EU-Land (picture alliance / dpa)

Die Europäische Union nimmt ihr 28. Mitgliedsland eher still und leise auf. Kroatien ist willkommen, steht aber noch vor einer Reihe von Aufgaben. Die Menschen in dem südosteuropäischen Land hoffen vor allem auf Frieden und Wohlstand.

Wenn Kroatien um Mitternacht das 28. Mitgliedsland der Europäischen Union wird, geschieht das in einem symbolischen Akt: An einem Posten an der Grenze zum EU-Nachbarland Slowenien wird das "Zoll"-Schild entfernt. Gleichzeitig wird an der Grenze zwischen Kroatien und Serbien ein Schild mit der Aufschrift "EU" angebracht. Dann ist es vollbracht.

Zollschranken und Grenzkontrollen zu den Nachbarländern Italien, Slowenien und Ungarn werden gelockert. Das kleine Land mit seinen 4,4 Millionen Einwohnern ist dann vollberechtigtes Mitglied der Europäischen Union. Die Menschen in Kroatien sind nach dem blutigen Ende Jugoslawiens kriegsmüde – sie versprechen sich vom EU-Beitritt vor allem Frieden und Wohlstand.

Feier in Zagreb mit Musik und Feuerwerk

Das wollen sie heute Abend feiern – allerdings eher überschaubar. Die Staatskassen sind leer, nur wenige Sponsoren wollten Geld beisteuern. Höhepunkte der offiziellen Feier mit den Spitzen der EU-Kommission, des Europaparlaments sowie zahlreichen Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer sind deswegen nur ein Familienfoto und ein Abendessen. Für die Bürger steigt auf dem Ban-Jelacic-Platz im Zentrum der Hauptstadt Zagreb eine Feier mit Musik und Feuerwerk. Danach ist Schluss.

Ivo Josipovic, Präsident von Kroatien (AP)Ivo Josipovic, Präsident von Kroatien (AP)Die Spitze der kroatischen Regierung hat den EU-Beitritt schon vorab mit einer Festsitzung im Parlament begrüßt: Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Religion waren gekommen. Staatspräsident Ivo Josipovic sprach voller Euphorie von einem Wendepunkt in der Entwicklung des Landes: "Das war unser nationales Ziel, in dem sich alle Parteien einig waren." Und Regierungschef Zoran Milanovic fügte hinzu: "Unser Erfolg liegt jetzt einzig in unseren Händen." Er versprach, dass sich sein Land auch zum Anwalt der Nachbarländer machen wolle, die noch nicht Mitglied der EU sind.

Kroatien reiht sich als drittärmstes Land ein

Allerdings kommen mit der früheren jugoslawischen Republik, die 1991 selbstständig wurde, auch große Probleme in die EU. Auf die Politik wartet jede Menge Arbeit. Die Wirtschaft ist seit vier Jahren in einer Rezession, die Industrie am Boden, die Sozialsysteme stehen vor dem Zusammenbruch und die öffentliche Verwaltung benötigt dringende Reformen. Kroatien wird sich hinter Bulgarien und Rumänien als drittärmstes EU-Land einreihen.

Bundeskanzlerin Merkel, die Kroatien willkommen hieß, verwies angesichts der Situation in dem Land auf bevorstehende Aufgaben. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft erklärte sie: "Gerade im Bereich der Rechtssicherheit und der Korruptionsbekämpfung sind noch viele weitere Schritte zu gehen." Auch Wirtschafts- und Arbeitsmarktreformen seien gefragt.

Steiniger Weg in die Europäische Union

Die Stimmung der Menschen in Kroatien pendelt angesichts des EU-Beitritts zwischen Hoffen und Bangen. Die einen freuen sich durch mehr Wettbewerb auf günstigere Preise im Alltag. Die anderen fürchten einen Ansturm reicher Ausländer auf die attraktivsten Grundstücke an der über 1.000 Kilometer langen Küste.

Der Weg Kroatiens in die EU war steinig: Die Verhandlungen zogen sich scheinbar endlos über sechs Jahre hin. Das Land glaubte sich von Brüssel unverstanden. Vorbehalte gegen Kroatiens EU-Beitritt kamen auch aus Deutschland – vor allem wegen Mängeln in der Justiz und bei der Korruptionsbekämpfung. Doch Kroatien näherte sich den EU-Standards weiter an und wurde im März belohnt: Die EU-Kommission bescheinigte, dass das Land aufgenommen werden kann – wenn es weiter an seinen Problemen arbeite.

Kroatien will schnellstmöglich den Euro einführen

Strand in Kroatien (Deutschlandradio - Daniela Kurz)Strand in Kroatien - ein beliebtes Urlaubsziel (Deutschlandradio - Daniela Kurz)Den Euro darf Kroatien zunächst nicht einführen, obwohl das Land Interesse signalisiert. Der kroatische Notenbankchef Boris Vujcic sagte in der Samstagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Wir wollen der Euro-Zone so schnell wie möglich beitreten." Sein Land werde allerdings frühestens in vier bis fünf Jahren dazu in der Lage sein. Auch auf andere Vorteile der EU-Mitgliedschaft muss Kroatien noch verzichten: So könnten Deutschland und Österreich den Zugang zum Arbeitsmarkt noch einige Jahre blockieren.

Ministerpräsident Milanovic steht damit nicht nur vor der Herausforderung, wirtschaftliche Voraussetzungen zu schaffen. Er muss auch das Image des Landes verbessern. Dass Kroatien oft als korrupter Staat wahrgenommen wird, in dem der Nationalismus regiert, ist ihm bewusst. Milanovic wird weiter die positiven Seiten seines Landes hervorheben: Das Potenzial als beliebtes Urlaubsziel, in dem die Übernachtungszahlen stetig steigen: Immerhin verbuchten kroatische Hotels und Herbergen vergangenes Jahr die erfolgreichste Saison aller Zeiten.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
"Wir sind klein, aber wir hoffen, dass wir auch wichtig sind" - Kroatische Europaparlamentarierin erhofft sich vom EU-Beitritt neue Impulse für ihr Land
Hirsch: Deutschland sollte höherrangige Politiker nach Zagreb schicken - Kroatien wird ab Montag 28. EU-Mitgliedsland
Beitritt mit gemischten Gefühlen - Kroatien - bald neues Mitglied der EU-Familie

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:52 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Ex-EU-Kommissar Franz Fischler (ÖVP)"Nicht alle, die Hofer wählen, sind Rechtspopulisten"

Franz Fischler, ehemaliger EU-Agrarkommissar, während einer Pressekonferenz in Brüssel 2015 (dpa / picture alliance / Julien Warnand)

Der frühere EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler hat die etablierten Parteien in Österreich aufgefordert, die Frustration der Bürger ernstzunehmen. Andernfalls könne es bei der kommenden Parlamentswahl schwierig werden, sagte Fischler im DLF.

Der TriggerknüppelLiteratur gefährdet eventuell Ihre Gesundheit!

Die Frau stapelt Bücher in zwei Fenstern; ihr Kopf ist durch ein letztes verbliebenes Loch zwischen den Büchern zu sehen. (dpa / Arne Dedert)

An die Schreckensbilder auf Zigarettenpackungen, die vor den Folgen des Rauchens warnen, haben wir uns gewöhnt. In den USA wird nun auch der Tatsache Rechnung getragen, dass Literatur und Kunst seelische Erschütterung hervorrufen kann. Warnungen davor scheinen unausweichlich.

ROLLKRAGENPULLOVERWarum der Rolli rockt

Es ist kalt, aber es gibt gute Nachrichten: Der Rollkragenpullover feiert ein Comeback. Wir können uns also schön warm einpacken - und sehen dabei auch noch gut aus!

Präsidentenwahl in Österreich"Ausländische Medien trugen zur Niederlage Hofers bei"

Die österreichische Journalistin Alexandra Föderl-Schmid (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)

Nach Ansicht der Chefredakteurin der österreichischen Tageszeitung "Der Standard", Alexandra Föderl-Schmid, hat die Berichterstattung ausländischer Medien zur Niederlage des Rechtspopulisten Norbert Hofer bei der Präsidentschaftswahl beigetragen. Diese habe vielen Österreichern gezeigt, "welch verheerendes internationales Signal" dessen Sieg wäre.

Laura Garavini Renzis Parteifreundin nennt Rücktrittsankündigung "Akt der Ehrlichkeit"

Porträtfoto der italienischen Abgeordneten der Demokratischen Partei, Laura Garavini, aufgenommen am 28.08.2013 (dpa picture alliance / Fredrik von Erichsen)

Nach dem Verfassungsreferendum in Italien hat Regierungschef Matteo Renzi seinen Rücktritt angekündigt. Die sozialdemokratische italienische Abgeordnete Laura Garavini nannte das Votum der Bürger im DLF eine "bittere Niederlage". Renzi habe allerdings mit der geplanten Reform keinen Fehler gemacht.

Demokratie in der digitalen Welt"Das Internet ist eine Fähigkeit"

Ein junge Frau sitzt in einem Internetcafe. (picture-alliance/ dpa)

Die Populisten scheinen das Netz zu beherrschen. Manche sehen deshalb in der Digitalisierung einen Mechanismus, der der Demokratie schadet. Das Gegenteil sei der Fall, sagt die US-Soziologin Saskia Sassen. Wir müssten es nur in die Hand nehmen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

CDU-Parteitag  Merkel stellt sich zur Wiederwahl | mehr

Kulturnachrichten

Komiker Jimmy Kimmel moderiert Oscar-Verleihung  | mehr

Wissensnachrichten

Wahrnehmung  Schimpansen erkennen sich am Hintern | mehr