Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kühlen, kühlen, kühlen

Alte Brennstäbe in Fukushima 1 sind die größte Gefahr

Von Ralf Krauter, Wissenschaftsredaktion Deutschlandfunk

Schematisches Bild eines Siedewasserreaktors. (Informationskreis Kernenergie)
Schematisches Bild eines Siedewasserreaktors. (Informationskreis Kernenergie)

250 Tonnen Reaktorbrennstoff lagern im Abklingbecken des Blocks 4 im AKW-Fukushima. Im Abklingbecken des benachbarten Blocks 3 befinden sich weitere 90 Tonnen.

Weil die Brennstäbe auch Monate nach ihrer Entfernung aus dem Reaktorkern noch reichlich Hitze abstrahlen, müssen sie ständig gekühlt werden. Normalerweise dient ein Kältebad aus Wasser dazu, das regelmäßig umgewälzt wird, damit seine Temperatur 25 Grad Celsius nicht übersteigt. Wenn diese Kühlung ausbleibt, wirken die ausgemusterten Brennstäbe wie Tauchsieder. Sie bringen das Wasser im Becken allmählich zum Kochen.

In den Blöcken 3 und 4 des AKWs Fukushima ist der Wasserstand in den Abklingbecken seit Tagen kritisch. Weil fast alles Wasser verdampft ist, liegen die überhitzten Brennstäbe auf dem Trockenen. Die hilflos anmutenden Bemühungen, sie mit Wasserabwürfen aus der Luft und Löschkanonen am Boden zumindest zum Teil wieder unter Wasser zu setzen, sind der verzweifelte Versuch, das Schlimmste doch noch zu verhindern.

Experten schätzen das verbleibende Zeitfenster auf maximal 24 Stunden. Wenn es nicht gelingt, in dieser Zeit für Kühlung zu sorgen, könnten die Brennstäbe in Brand geraten oder explodieren. In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass tonnenweise radioaktive Partikel in die Luft gelangen und sich weiträumig verteilen.

Das Einbringen von Wasser könnte dieses Szenario noch abwenden, birgt aber auch Risiken.
Ein Teil des Wassers könnte schlagartig als Dampfwolke verpuffen und radioaktive Partikel mitreißen. Außerdem könnte das Wasser ab Temperaturen von 1200 Grad Celsius mit der Metallhülle der Brennstäbe reagieren und diese zersetzen.

Wenn sich die Brennstäbe noch weiter erhitzen, droht aber noch größere Gefahr. Bei Temperaturen über 2000 Grad Celsius droht ihr Zirkonium-Mantel zu schmelzen, ab 2800 Grad die Uran-Pellets in ihrem Inneren. Das Ergebnis wäre eine komplette Kernschmelze. Das heiße radioaktive Gemisch würde sich unten im Abklingbecken sammeln und intensive Gamma- und Neutronenstrahlung aussenden. An Rettungsarbeiten in der Umgebung wäre dann nicht mehr zu denken, auch nicht in den havarierten anderen Reaktoren. Mangels Kühlung könnte auch dort früher oder später eine komplette Kernschmelze eintreten. Es wäre der Super-GAU.

Mehr aus der Wissenschaftsredaktion bei:
Forschung Aktuell
Wissenschaft im Brennpunkt
Wissenschaft und Technik

Sammelportal "Katastrophen in Japan"
Atomkraft (dradio.de-Sammelportal)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:10 Uhr Deutschland heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Mays Bündnis mit der DUP"Diese Regierung wird lange bestehen"

Die britische Premierministerin Theresa May mit der Vorsitzenden der nordirischen DUP-Partei Arlene Foster vor Downing Street Nummer 10 (26.6.2017). (AFP / Daniel Leal-Olivas)

Für ihre Minderheitsregierung ist die britische Premierministerin Theresa May ein Bündnis mit der nordirischen Partei DUP eingegangen. Der britische Historiker Brendan Simms ist optimistisch, was den Bestand dieses Bündnisses angeht: " Ich rechne damit, dass diese Regierung relativ lange bestehen wird", sagte er im Dlf.

Türkei verbannt Charles Darwin aus den Schulen "Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben"

Die Evolution des Menschen (picture alliance / dpa / De_Agostini/Photoshot)

Der Diplomphysiker Ernst Peter Fischer hat die Evolutionstheorie von Charles Darwin verteidigt. Der frühere Professor für Wissenschaftsgeschichte sprach von "Borniertheit" in Polen oder der Türkei, wenn dort Darwin aus dem Schulunterricht genommen werde.

ETHEREUMCrash bei der Cyberwährung

Ethereum ist eine Kryptowährung, die in den vergangenen Wochen einen sagenhaften Aufstieg hinter sich. Doch jetzt gab es einen Crash. Die zeigen ziemlich deutlich, wo die Gefahren dieser Währung liegen.

WohnprojektFlüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge unter einem Dach

Sharehaus Refugio - mit Flüchtlingen leben. (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

Flüchtlinge sollen nicht abgeschottet in Asylbewerberheimen leben. Das ist die Grundidee des Share-Hauses "Refugio". Das mächtige Gründerzeithaus in Berlin-Neukölln gehört der Evangelischen Kirche – genauer: der Berliner Stadtmission. Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge wohnen unter einem Dach. Funktioniert das?

Religion und WirtschaftUmverteilen mit Luther

Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen am 25.09.2015 im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch. (dpa/picture-alliance/Sebastian Kahnert)

Allzu oft werde übersehen, dass es bei Luthers Kritik am Ablasshandel auch ums Geld ging, meint der Theologe Christoph Fleischmann. Gottes Gnade sei umsonst - und das habe auch Konsequenzen für die Verteilung von Geld und Ressourcen in der Gesellschaft.

Vor 10 Jahren: Mumie identifiziertHatschepsut - die mächtigste Frau Ägyptens

Büste des weiblichen Pharao Hatschepsut im Terrassentempel im Tal der Königinnen in Theben-West. (imago / Harald Lange)

Von 1479 bis 1458 v. Chr. regierte die Pharaonin Hatschepsut als mächtigste Frau Ägyptens. Ihre Mumie galt über 3.000 Jahre als verschollen. 2007 gelang es ägyptischen Wissenschaftlern, eine bereits 1903 entdeckte Mumie als die der Pharaonin Hatschepsut zu identifizieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Kommission  Rekordstrafe gegen Google | mehr

Kulturnachrichten

Diskussion um Institut für Islamische Theorie  | mehr

 

| mehr