Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kürzere Haft für Chodorkowski

Russisches Berufungsgericht bestätigt Verurteilung des früheren Öl-Unternehmers

Von Robert Baag

Michail Chodorkowski ist mit der Berufung gegen seine Haftstrafe vor Gericht gescheitert. (picture alliance / dpa)
Michail Chodorkowski ist mit der Berufung gegen seine Haftstrafe vor Gericht gescheitert. (picture alliance / dpa)

Michail Chodorkowski, einst milliardenschwerer Chef des JUKOS-Konzerns, ist heute mit der Berufung gegen die im Dezember verhängte Verlängerung seiner Haftstrafe um 14 Jahre gescheitert. Die Haftzeit wurde lediglich um ein Jahr reduziert.

Während die beiden Verurteilten den Richterspruch in ihren Glaskäfigen ruhig und sogar leicht lächelnd aufnahmen, fiel die Reaktion vieler Zuhörer im Gerichtssaal und auf dem Flur davor eindeutig aus:

"Schande, Schande", riefen sie, nachdem Richterin Jelena Aretschkina vom Moskauer Stadtgericht am späten Nachmittag das neuerliche Strafmaß für den einstigen Ölmilliardär Michail Chodorkovski und dessen Geschäftspartner Platon Lebedew verkündet hatte:

"Chodorkovski und Lebedew erhalten eine Freiheitsstrafe in Höhe von jeweils 13 Jahren. Sie ist in einem Strafvollzugs-Lager der allgemeinen Kategorie zu verbüßen!"

Damit blieb das Berufungsgericht gerade einmal ein Jahr unter dem von der Staatsanwaltschaft auch in dem heutigen Berufungsverfahren geforderten Strafmaß von 14 Jahren.

Viele hatten im Vorfeld noch gehofft, dass Staatspräsident Dmitri Medwedews jüngstes öffentliches Eingeständnis, wonach der frühere Jukos-Konzern-Eigner Chodorkovski keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstelle, als Signal an das Gericht gewertet werden könnte, Milde walten zu lassen. Diese Erwartungen sind enttäuscht worden.

Beide, Chodorkovski und Lebedew, griffen heute die auch international schon lange heftig kritisierten Gerichtsverfahren und Urteile gegen sie ihrerseits scharf an:

"Entweder Sie heben das Urteil auf, oder Sie stellen dieses Schandverfahren gleich ganz ein - oder Sie gesellen sich zu den Verbrechern, die das Gesetz beugen! Ich brauche keine Milde und auch keine Strafzeit-Verkürzung!"

Rief Chodorkovski den drei Richtern zu. Genau die aber erhielten die beiden Angeklagten, die damit nicht vor dem Jahr 2016 wieder in Freiheit wären. Als Grund der geringen Haftverkürzung nannte das Gericht eine unbewiesene Mengenangabe bei der von Chodorkovski und seinem Kompagnon angeblich unterschlagenen Erdölmenge - sie habe nur 90 Millionen Tonnen betragen. Ursprünglich sollten beide das eigene Unternehmen um weit über 200 Millionen Tonnen bestohlen haben.

Die Verfahren wurden von Anfang an als politisch motiviert gewertet. Vor allem Chodorkovski gilt schon seit einem knappen Jahrzehnt als persönlicher Feind des einstigen Staatspräsidenten und heutigen Premierministers Wladimir Putin. Die Anwälte der beiden Verurteilen haben inzwischen angekündigt gegen das heutige Moskauer Urteil vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasburg zu klagen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:42 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:50 Uhr Interview

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Vierte Amtszeit für die Kanzlerin?"Merkel wird das Wort Obergrenze in den Mund nehmen müssen"

Der Journalist und Politikberater Hans-Hermann Tiedje (picture alliance / dpa / Revierfoto)

Für Hans-Hermann Tiedje steht fest: Angela Merkel braucht die Zustimmung von CSU-Chef Horst Seehofer, will sie 2017 erneut als Kanzlerkandidatin antreten. "Ohne Seehofer geht es nicht", sagte der ehemalige "Bild"-Chefredakteur im DLF. In der entscheidenden Flüchtlingsfrage habe dieser seine Partei hinter sich - sowie die Mehrheit der Gesellschaft.

Radio in GroßbritannienProgramm-Perlen nur via DAB

Ein Radio mit Digitalempfang steht am 09.05.2016 auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig (Sachsen). (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Das Fernsehen ist längst digital geworden, Radio aber zu einem guten Teil noch nicht. Während der Übergang zur digitalen DAB-Technik in Deutschland nur schleppend vorangeht, ist DAB in Großbritannien ein Erfolg. In britischen Haushalten stehen bereits 30 Millionen DAB-Empfänger. Und das hat seinen Grund.

Ausbau des Digitalradios"Das ist auch Aufgabe der Politik"

(Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)

Die öffentlich-rechtlichen Radiosender in Deutschland treiben den Ausbau des Digitalstandards DAB+ voran. Private Sender sträuben sich - zu hoch sind für sie die Umrüstungskosten. Deutschlandradio-Intendant Willi Steul fordert deswegen Politik und Regulierungsbehörden zur Mithilfe auf - denn DAB+ sei längst auch international der technische Standard für qualitativ hochwertiges Radiohören, sagte er im DLF.

Vollverschleierung"Ein Symbol für die Unterdrückung der Frau"

Der Bundesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, steht am 30.06.2016 vor einem Polizeibus in Köln. (imago / Eibner)

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hält ein Verbot der Vollverschleierung in Deutschland für sinnvoll. Im DLF sagte er, man müsse es nicht dulden, dass häusliche Gewalt in aller Öffentlichkeit praktiziert werde. Die Burka nannte er ein Symbol der Unfreiheit der Frau.

AlleinerziehendeRecht für Väter ist Pech für Mütter

Eine Mutter sitzt mit ihren zwei Kindern auf einer Bank und hält ein Buch in den Händen. (Deutschlandradio / Sabine Demmer)

Alleinerziehende werden in Deutschland allein gelassen. Es gibt noch zu viele bürokratische Lücken, die Unterhaltszahlungen aushebeln, meint die Schriftstellerin und Journalistin Susanne Schädlich. Die Konsequenzen tragen vor allem Mütter und Kinder.

GlobalisierungDer "große Schub" ist vorbei

Chinesische Arbeiter bauen eine Smart-Watch zusammen. (AFP)

Die Globalisierung schreitet immer weiter voran. Wer würde daran zweifeln? Stefan Bielmeier beispielsweise. Der Chefvolkswirt der DZ Bank erklärt, warum die Globalisierung kein zwangsläufiger Prozess ist - und auch kein aktueller Trend mehr.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Altersbezüge  Bericht: Angleichung der Ostrenten droht zu scheitern | mehr

Kulturnachrichten

Hollywood-Schauspieler Gene Wilder gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Mexiko  Avocado-Hunger beschleunigt Abholzung | mehr