Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Kyoto-Protokoll bis Ende 2020 verlängert

Keine schärferen Verpflichtungen

Eines der größten Steinkohle-Kraftwerke Europas, das E.ON Kraftwerk Scholven (AP)
Eines der größten Steinkohle-Kraftwerke Europas, das E.ON Kraftwerk Scholven (AP)

Eigentlich hätte der UNO-Klimagipfel in Katar am Freitag enden sollen, doch die Verhandlungen gingen bis in die Nacht. Am Samstag hat die katarische Präsidentschaft der UN-Klimakonferenz in Doha durchgesetzt, dass das Kyoto-Protokoll bis Ende 2020 verlängert wird.

Zuvor hatten erst Polen und dann Russland und die Ukraine die Verlängerung des bisher einzigen internationalen Abkommens mit verpflichtenden Vorgaben für eine Minderung klimaschädlicher C02-Emissionen blockiert. Nach Wiedereinberufung des Plenums ließ al-Attiyah binnen Minuten zu allen den 194 Staaten zur Abstimmung vorliegenden Fragen den Hammer fallen.

Weltklimavertrag ab 2020

Neben den 27-EU-Staaten machen rund zehn weitere Länder bei Kyoto II mit. Ein Weltklimavertrag, bei dem sich alle Länder verpflichten sollen, ist erst ab 2020 geplant. Zwar beteiligen sich an Kyoto II nur noch Länder, die 15 Prozent der Emissionen ausmachen. Dennoch gilt die Fortsetzung des bisher einzigen bindenden Klimaschutzabkommens als wichtiges Symbol, damit andere Länder sich tatsächlich in einen Weltklimavertrag einbinden lassen.

Rechnet in Doha nur mit Teilerfolgen: Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) (picture alliance / dpa / Georg Ismar)Bundesumweltminister Peter Altmaier in Doha (picture alliance / dpa / Georg Ismar)Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat den Klimakompromiss von Doha als Schritt nach vorn im Ringen um eine Begrenzung der Erderwärmung bezeichnet. "Das Ergebnis kann man als wichtigen Meilenstein im Hinblick auf einen wirksamen Klimaschutz weltweit betrachten", sagte Altmaier am Samstag in der Hauptstadt Katars. So gebe es neben der Verlängerung des Kyoto-Protokolls nun auch einen klaren Fahrplan für ein weltweites Abkommen ab 2020. Via Twitter teilte Altmaier mit: "Mehr erreicht als lange erwartet."

"Die Zeit für den letzten Kraftakt ist gekommen", sagte Abdullah bin Hamad Al-Attiyah bei der Eröffnung des Plenums der Teilnehmerstaaten am frühen Samstagmorgen. "Wir müssen die Konferenz in den nächsten Stunden beenden." Eindringlich rief der katarische Präsident die Teilnehmer des UNO-Klimagipfels in Doha zu einer raschen Einigung auf. "Ich frage Sie, Minister und Delegationsleiter, glauben Sie, dass weitere Verhandlungen das, was uns vorliegt, wesentlich verbessern würden? Und wenn ja, zu welchem Preis?"

In einer Nachtsitzung hatten Minister und Unterhändler um eine Lösung gerungen. Eigentlich sollte der zweiwöchige Gipfel bereits am Freitag enden, doch noch immer sind Themen wie die Finanzen, die Verlängerung des Kyoto-Protokolls und Emissionsminderungen umstritten. Gastgeber Katar legte nun neue Kompromissvorschläge vor, um ein Scheitern des Gipfels in letzter Minute zu verhindern. So soll eine Entscheidung über eine größere finanzielle Hilfe für Entwicklungs- und Schwellenländer bei der Anpassung an die Klimaschutzziele auf nächstes Jahr verschoben werden.

Besonders die USA wollen bisher keine Aussage über die künftige Finanzierung machen. Die EU hatte als Union zwar keine Zahlen vorgelegt, die großen Geldgeber in Europa, darunter Deutschland, hatten aber für das kommende Jahr Zusagen gemacht. Den Entwicklungsländern reicht das nicht. Sie fordern auch einen klaren Plan, wie bis 2020 die bereits beschlossene Summe von 100 Milliarden Dollar jährlich für Klimahilfen zustande kommen soll. Sie fürchten, mit Klimaschäden und Nahrungskrisen alleine gelassen zu werden.

Altmaier verhalten optimistisch

Beim Kyoto-Protokoll sieht das neue Kompromisspapier eine Verlängerung um acht Jahre bis Ende 2020 vor. So hatte es die EU gefordert. Entwicklungsländer hatten auf eine kürzere Laufzeit gesetzt, weil die Bereitschaft zu ehrgeizigeren CO2-Minderungszielen bisher nicht gegeben ist und sie keine schwachen Ziele festschreiben wollen. Nun könnte es 2014 eine Überprüfung geben, bei der Kyoto-II-Länder ihre Vorgaben bei der Minderung klimaschädlicher CO2-Emissionen hochschrauben können.

Für Bundesumweltminister Peter Altmaier, der federführend an den Verhandlungen beteiligt war, war es eine kurze Nacht. Im "Beichtstuhlverfahren" mussten die Länder Änderungswünsche bei ihm vortragen. Altmaier zeigte sich verhalten optimistisch: "Seit gestern Abend Reihe von Verbesserungen, keine Verschlechterungen, aber noch ist nichts entschieden", twitterte der CDU-Politiker am Samstagmorgen.

Nationale Egoismen behindern Lösung

Karin Lochte, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung, erwartet hingegen keine Lösung mehr in Doha. "Eigentlich glaube ich nicht, dass jetzt noch ein Ergebnis kommen wird, was uns tatsächlích signifikante Einsparungen in der CO2-Emission geben wird", so Lochte im Deutschlandfunk. Nationale Egoismen behinderten einen Kompromiss. "Der Welt an und für sich, dem Klimawandel wird das nicht helfen."

"Die große Enttäuschung" nannte Martin Kaiser von Greenpeace den Kompromissvorschlag zu den Finanzen. In dem Papier gebe es für die kommenden drei Jahre keine konkreten Zusagen der Industriestaaten für die vom Klimawandel am stärksten betroffenen Länder. Entscheidungen würden auf das nächste Jahr vertagt, sagte er. Die Entwicklungsländer würden mit ihren Kosten für die Folgen des Klimawandels allein gelassen, kritisierte Ann Kathrin Schneider vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Der Doha-Gipfel geht besser ohne Einigung zu Ende als mit der Verabschiedung der vorliegenden Dokumente", Schneider in Doha. "Die Vorschläge sind so schwach, dass dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen würde, würden sie so beschlossen."

Alle Beiträge aus unserem Programm zur Weltklimakonferenz finden Sie im Themenportal Doha 2012


Mehr zum Thema:

Scheitert der Klimagipfel in Doha? - Korrespondentengespräch mit Georg Ehring im Deutschlandfunk
Heinrich-Böll-Stiftung: Klimakonferenz von Doha wird nicht scheitern Referentin für Internationale Umweltpolitik rechnet trotz stockender Verhandlungen mit Doha-Abschluss (Interview)
Zwischen ehrgeizigen Zielen und dreckiger Luft - Das Schwellenland Indien und der Klimawandel
Heiße Luft, ohne zu bezahlen - Warum Osteuropas Emissionsrechte für Doha so wichtig sind

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Oper "Penthesilea" in Brüssel Begehren pur

Die Oper in Brüssel bei einer Premiere am 24.Oktober 2014.  (Imago/Belga)

Pascal Dusapin bringt die klassische griechische Geschichte der Amazonenkönigin Penthesilea auf die Bühne der Opéra de la Monnaie in Brüssel - allerdings in der Fassung Heinrich von Kleists. Selten finden die Einzelkünste der Oper auf so dynamische Weise zueinander wie nun bei der Premiere.

Russische Journalisten im UntergrundAuf der Todesliste

Die russische Fernsehjournalistin Ksenia Sobtschak auf einem Archivbild von 2012 unterwegs in Moskau. (picture alliance / dpa / Dzhavakhadze Zurab)

Fernsehen, Radio und Zeitungen stehen in Russland unter strenger Beobachtung der Behörden. Kritische Journalisten, die sich den staatlichen Vorgaben widersetzen, riskieren inzwischen nicht mehr nur ihre Freiheit - sondern auch ihr Leben.

Computer als mathematische Gutachter Die Objektivität der Maschine

Auf einem Computermonitor ist der Binärcode zu sehen. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Der sogenannte Peer-Review-Prozess, das etablierte Gutachterverfahren zur Überprüfung mathematischer Forschungsergebnisse, stößt in manchen Disziplinen an seine Grenzen. Computer könnten aber dafür sorgen, dass es gar keinen Grund mehr gibt, an der Korrektheit zu zweifeln.

Fracking-GesetzVerantwortung sieht anders aus

Ein Teilnehmer trägt bei einer Demonstration der Umweltschutzorganisation BUND gegen die Erdgasfördermethode Fracking einen Button mit der Aufschrift "No Fracking". (Felix Kästle, dpa picture-alliance)

Der vom Kabinett verabschiedete Entwurf verbietet Fracking nur in sensiblen Regionen wie zum Beispiel in Wasserschutzgebieten. Man ist der Industrie regelrecht auf den Leim gegangen, kommentiert Theo Geers. Dieses Gesetz muss verschärft werden.

Fernsehen in RusslandSex, Klatsch und viel Propaganda

Die Tolmatschowa-Schwestern bei ihrem Auftritt für Russland beim Eurovision Song Contest 2014 (picture alliance / dpa/Jörg Carstensen)

Das russische Fernsehen ist heute, rund 15 Jahre nachdem Putin zum ersten Mal Präsident Russlands wurde, weitgehend unter staatlicher Kontrolle. Auch beliebte Unterhaltungssendungen helfen bei der Propaganda mit.

FacebookDie kriegen uns alle

Facebook verfolgt uns offenbar noch hartnäckiger durchs Netz, als wir bisher dachten. Der Internetriese schnüffelt auch Usern nach, die gar nicht bei Facebook sind. Das hat ein Gutachten für die belgische Datenschutzbehörde ergeben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

De Maizière:  Wiedereinführung der Ausweispflicht auf Flügen prüfen | mehr

Kulturnachrichten

Ulrich Khuon mit scharfer Kritik zu Latchinians Entlassung  | mehr

Wissensnachrichten

Motivation  Ist Leistung hauptsächlich Einstellungssache? | mehr