Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Lafontaine will doch nicht kandidieren

Ehemaliger Vorsitzender überlässt Bartsch das Feld

Oskar Lafontaine will nun doch nicht. (picture alliance / dpa / Oliver Dietze)
Oskar Lafontaine will nun doch nicht. (picture alliance / dpa / Oliver Dietze)

Der frühere Linken-Chef Oskar Lafontaine hat aufgegeben - er will nicht noch einmal den Bundesvorsitz der Partei übernehmen. Zuvor hatte es einen erbitterten Streit zwischen ihm und dem Fraktionsvize Dietmar Bartsch gegeben, der für den Vorsitz kandidiert.

Er habe für sein Angebot aus Ost und West sehr viel Unterstützung erhalten, ließ Lafontaine mitteilen. "Ich habe allerdings zur Kenntnis nehmen müssen, dass meine Bereitschaft nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind." Er ziehe daher sein Angebot zurück, wieder bundespolitische Aufgaben zu übernehmen. Der 68-Jährige wolle damit einen Neuanfang für die Partei ermöglichen.

Besonders in den ostdeutschen Landesverbänden wurde eine mögliche Rückkehr Lafontaines kritisch gesehen.

Porträt des Fraktionsvizes der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch. (picture alliance / dpa - Hannibal Hanschke)Der Fraktionsvize der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat nun freie Bahn (picture alliance / dpa - Hannibal Hanschke)Lafontaine hatte erklärt, als Spitzenkandidat nur zur Verfügung zu stehen, wenn dies mit dem Amt des Parteivorsitzenden verbunden sei. Gleichzeitig hatte er bekräftigt, nicht gegen Fraktionsvize Dietmar Bartsch beim Wahlparteitag in zwei Wochen in Göttingen anzutreten. Der einzige männliche Kandidat (die Linkspartei wählt traditionell ein Führungsduo) hielt allerdings an seiner Kandidatur fest: "Ich habe vor sechs Monaten meine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt und rücke davon auch nicht ab. Es sei denn, es gibt völlig neue Bedingungen oder es trifft mich ein Ziegelstein", hatte Bartsch in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärt. Er habe sich viele Jahre engagiert und wolle nicht dem Niedergang der Partei zusehen. Ein Schlichtungsversuch am Sonntagabend blieb ohne Erfolg.

Verständnis und Bedauern

Fraktionschef Gregor Gysi reagierte mit Verständnis auf Lafontaines Entscheidung. Er hoffe, dass nun die Vertreter der unterschiedlichen Flügel der Partei aufeinander zugingen, sagte Gysi in Berlin. Thüringens Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow nimmt den Verzicht Oskar Lafontaines auf eine Kandidatur "respektvoll zur Kenntnis". Er habe so eine Debatte beendet, "die zur Geisterdebatte geworden ist", sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Er rechne damit, dass nun weitere Parteimitglieder ihre Kandidatur für den Vorsitz bekanntgeben werden. Zugleich bedauerte Ramelow, dass Lafontaine auch auf eine Spitzenkandidatur bei der kommenden Bundestagswahl verzichten wolle. Auch die Partei müsse mit ihm über diesen Schritt nochmals reden. Lafontaine sei weiter ein politisches Schwergewicht.

Die Kandidatin für die künftige Doppelspitze der Linken, Sabine Zimmermann, befürchtet einen Schaden für die Partei. Die Linke brauche Oskar Lafontaine, sagte die Zwickauer Bundestagsabgeordnete der Nachrichtenagentur dapd. Nun rechnete sie damit, dass Lafontaine dauerhaft von der bundespolitischen Bildfläche verschwinde und nur noch als Fraktionschef im Saarland aktiv bleibe.

Schwindende Wähler

Die Linkspartei erreicht in der Wählergunst den schlechtesten Wert seit ihrem Bestehen. Im aktuellen Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid verloren die Linken im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt und kommen auf sechs Prozent. Die Vorgängerpartei PDS erreichte diesen Wert zuletzt im Juni 2005.

Die Linke hatte bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit 2,5 Prozent der Stimmen den Wiedereinzug in den Landtag klar verpasst. Zuvor war sie bereits in Schleswig-Holstein aus dem Landesparlament geflogen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:35 Uhr Wirtschaft am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Länderreport

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

No-Spy-Abkommen"Merkel sollte im Wahlkampf als Heldin dastehen"

Christian Flisek spricht im Bundestag in eine Reihe von Mikrofonen von Rundfunksendern. (imago / Martin Müller)

Der SPD-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss Christian Flisek wirft dem Bundeskanzleramt vor, die Aussichten auf ein No-Spy-Abkommen mit den USA bewusst falsch dargestellt zu haben. 

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften"Diskriminiert durch den Gesetzgeber"

Sonnenschirm in Farben der Regenbogenflagge vor dem Rathaus in München (Ralph Peters / imago)

Das irische Votum für die Einführung gleichgeschlechtlicher Ehen hat auch die Debatte in Deutschland neu entfacht. Soziologin Andrea Buschner äußert sich über den Stand der Forschung.

Ab dem 27. Mai 2015Die neuen Seiten des Deutschlandfunks

Das Deutschlandfunk-Funkhaus bei Nacht. (© Deutschlandradio/Markus Bollen)

Der Deutschlandfunk hat seine Seiten im Netz verändert. Ab heute finden Sie das Angebot im neuen Gewand und mit neuen Funktionen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

175. Todestag Niccolò PaganinisDer Hexenmeister der Violine

Der italienische Geiger Niccolo Paganini. (imago)

Der Geiger und Komponist Niccolò Paganini wird bis heute bewundert als einer der größten Virtuosen aller Zeiten. Vom Vater zum Wunderkind gedrillt, entwickelte er seine einzigartige Technik überwiegend autodidaktisch.

Syrische Flüchtlinge in ÄgyptenGestrandet in Alexandria

Flüchtlinge aus Syrien in einem Aufnahmelager (imago stock&people)

Etwa 140.000 Syrer leben derzeit in Ägypten - über die Hälfte von ihnen in Alexandria. Doch für die meisten ist die Stadt nur eine Zwischenstation. Denn sie sind nicht willkommen.

Systeme und Bewegungen Revolutionär wird Diktator

Lenin-Denkmal in Moskau (picture alliance / dpa / Foto: Yuri Kochetkov)

Was haben Sozialismus und Fundamentalismus gemein? Mehr als es auf den ersten Blick scheint, sagt Lutz Rathenow. Beide lockten mit einer sehr klaren Sichtweise auf die Welt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach Fukushima  Freigabe für japanisches AKW | mehr

Kulturnachrichten

Klaus Staeck plädiert für Nachfolgerin an der Berliner Akademie der Künste  | mehr

Wissensnachrichten

Brustkrebs  Auch falscher Alarm nach Mammographie wirkt sich negativ aus | mehr