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Landespolitischer Streit um Hildegard-Klosterruine

Nutzungskonflikt am rheinland-pfälzischen Disibodenberg

Von Ludger Fittkau

Hildegard von Bingen wurde mit 14 Jahren in die Frauenklause am Kloster Disibodenberg aufgenommen (picture alliance / dpa -  Fredrik von Erichsen)
Hildegard von Bingen wurde mit 14 Jahren in die Frauenklause am Kloster Disibodenberg aufgenommen (picture alliance / dpa - Fredrik von Erichsen)

Im Oktober bekommt Hildegard von Bingen, Mystikerin des Mittelalters, den Ehrentitel "Kirchenlehrerin" verliehen. Um die Klosterruine Disibodenberg, an dem sie im 12. Jahrhundert rund 40 Jahre lebte, wird derweil in der rheinland-pfälzischen Landespolitik heftig gestritten.

"Wenn sie auf dem Disibodenberg stehen und die Ruinen des sehr, sehr großen ehemaligen Klosters sehen, dann ist das ein sehr, sehr erhebender Moment. Sie haben dann noch einen Blick auf die schöne Landschaft der Nahe. Und sie können Atheist sein, sie können, sie können Agnostiker sein, sie werden sich dem nicht entziehen können","

sagt der rheinland-pfälzische Kulturstaatssekretär Walter Schumacher (SPD). Die CDU-Landtagsabgeordnete Bettina Dickes kann da nur zustimmen: Der Disibodenberg im Nahetal, auf dem Hildegard von Bingen den größten Teil ihres Lebens verbrachte, ist auch für sie ein überwältigender Ort:

""Das ist für mich einer der wichtigsten Orte, die ich kenne. Der liegt mir wirklich sehr am Herzen und das war auch der Grund, warum ich gesagt habe: Leute, jetzt muss sich die Landtagsfraktion damit auseinandersetzen, weil vorher nichts gelaufen ist."

Bettina Dickes kommt aus dem Nahestädtchen Bad Sobernheim, das in der Nähe des Hildegard-Klosters liegt. Mit der Landesregierung streitet sie sich jetzt um die Frage, ob die Klosterruine wie bisher öffentlich zugänglich gehalten werden muss oder nicht. Der Disibodenberg ist nämlich seit langem im Besitz einer Winzerfamilie. Früher hatte sie den Zugang zum Berg über ihr Weingut ermöglicht. Doch heute will das auf dem Gut wirtschaftende junge Winzer-Paar die mehr als 10.000 Kulturtouristen jährlich nicht länger über ihren Hof zur Ruine laufen lassen. Kulturstaatssekretär Walter Schumacher:

"Das Problem ist seit einer Weile der Zugang zu diesem Berg, der ist zwar grundsätzlich gewährleistet, aber um die Einzelheiten gibt es sehr heftige Auseinandersetzungen in den Gemeinden und zwischen den privaten Eigentümern und den Gemeinden und die versuchen wir zu schlichten."

Der Privatbesitzer des Klosterberges hatte unter anderem gegen den Willen der umliegenden Gemeinden eigenmächtig ein kleines Museum und eine Toilettenanlage auf dem Gutshof geschlossen, die mit rund 300.000 Euro aus Landesmitteln gefördert wurden. Auch ein lokaler Hildegard-Förderverein und ein örtlicher Rotary-Club hatten sich materiell engagiert. Die CDU-Landtagabgeordnete Bettina Dickes wirft der rheinland-pfälzischen Bildungs- und Kulturministerin Doris Ahnen sowie der Kulturstaatssekretär Walter Schumacher vor, der Zuspitzung des Nutzungskonfliktes am Disibodenberg seit anderthalb Jahren tatenlos zuzusehen:

"Und wir werfen Frau Ahnen und Herrn Schumacher vor, dass sie bisher nicht tätig geworden sind, dass sie seit letztem Jahr Mai nicht tätig geworden sind. Und dass dadurch auch wertvolle Zeit verstrichen ist. Zeit, die nun den Steuerzahler viel Geld gekostet hat."

Das SPD-geführte Kulturministerium von Rheinland-Pfalz spricht von einer "parteipolitischen Kampagne" der Union, die nicht dazu beitrage, die Konflikte um das Hildegard-Kloster beizulegen. Doch es ist wohl ein persönlicher Erfolg der CDU-Landtagsabgeordneten Bettina Dickes, dass Kulturstaatssekretär Walter Schumacher nun für Ende September zu einem runden Tisch einladen wird, um den Streit um das bedeutende Kulturdenkmal zu schlichten. Dabei wird es auch um die Frage gehen, ob der Privateigentümer staatliche Zuschüsse zurückzahlen muss, die in das nun geschlossene Hildegard- Besucherzentrum auf seinem Hof geflossen sind. Kulturstaatsekretär Walter Schumacher (SPD):

"Es würde uns nicht helfen, Forderungen, die wir vielleicht haben, das wird gerade geprüft, mit aller Gewalt durchzusetzen und dann passiert doch nichts. Unser Ziel muss sein, gemeinsam mit den Gemeinden, mit dem Landkreis, dem Förderverein und der Eigentümerfamilie ein Konzept zu entwickeln."

Ob es angesichts der verhärteten Fronten am Disibodenberg bis zum 7. Oktober zu einer Einigung kommen wird, darf bezweifelt werden: An diesem Tag wird Hildegard von Bingen in Rom in den Status einer "Kirchenlehrerin" erhoben. Dass die katholische Kirche sich deshalb künftig um den wichtigsten ort ihres Wirkens kümmern wird – den Disibodenberg nämlich – damit rechnet der sozialdemokratische Kulturstaatsminister Walter Schumacher nicht:

"Wir haben keine Reaktion der katholischen Kirche. Hildegard von Bingen hat die längste Zeit ihres Lebens auf dem Disibodenberg gelebt, da ist sie als Kind schon hingekommen, da hat sie ihre Ausbildung erhalten, sie ist beerdigt im Rheingau und hat dann später in einem Kloster bei Bingen gelebt. Es gibt keine Reaktion der Kirche, aber das ist vielleicht auch zu schnell. Der Prozess der Heiligsprechung hat im Jahr 1200 irgendwann begonnen und ist ja auch im Jahr 2012 noch nicht abgeschlossen – deshalb würde ich der Kirche noch ein bisschen Zeit geben."



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

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