Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Landesregierung setzt auf weitere Gespräche mit Nokia

Barroso stellt EU-Hilfen in Aussicht

Protestplakat vor dem Nokia-Werk in Bochum (AP)
Protestplakat vor dem Nokia-Werk in Bochum (AP)

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will in weiteren Gesprächen mit der Nokia-Unternehmensführung Perspektiven für die Mitarbeiter des Bochumer Werks ausloten.

Das gestrige Treffen sei ein Anfang gewesen, sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU). Über die Inhalte des Gesprächs sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Ziel sei es aber, "dass weiter eine Produktion von Handys bei Nokia in Bochum stattfindet, betonte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, beim Neujahrsempfang der CDU in Düsseldorf. An das Nokia-Management appellierte Rüttgers, die Angebote der Mitarbeiter zu Lohnverzicht anzunehmen. Es müsse eine "Selbstverständlichkeit" sein, darauf einzugehen. Wenn die Geschäftsleitung das nicht tue, verhalte sie sich "unanständig".

Im Magazin "Focus" warf Wirtschaftsministerin Toben Nokia Subventions-Tricksereien vor. So sei die Zahl der zugesagten Arbeitsplätze schön gerechnet worden. Auch die Berichte über die Verwendung der Mittel seien lückenhaft. Bei einer Schließung des Bochumer Werks müsse das Unternehmen mehr als 40 Millionen Euro zurückzahlen, betonte die Ministerin. Sie warnte Nokia vor einem gewaltigen Imageschaden.

Der Personalchef von Nokia, Juha Äkräs, verteidigte das Vorgehen mit der Notwendigkeit zur Kostensenkung. In Bochum hätte in das alte Werk investiert werden müssen. Da in Rumänien ohnehin neue Kapazitäten aufgebaut würden, habe man sich gegen weitere Investitionen in Deutschland entschieden. Der Standort Rumänien biete enorme Vorteile.

Barroso: EU-Hilfe für betroffene Nokia-Mitarbeiter denkbar

Die EU-Kommission hält es für möglich, die Mitarbeiter des von Schließung bedrohten Nokia-Werks in Bochum finanziell zu unterstützen. Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sagte der "Wirtschaftswoche", er verstehe die Betroffenheit der Menschen. Man wisse um die Härte von Veränderungsprozessen. Der Sozial- und der Globalisierungsfonds der EU stünden bereit, sollten die Mitgliedsstaaten die Belastungen nicht allein tragen können.

Die "Bildzeitung" berichtet dagegen, die Beschäftigten könnten nicht mit Hilfe aus Brüssel rechnen. Die Bundesregierung könne kein Geld aus dem Globalisierungsfonds beantragen, weil die Werksverlagerung nach Rumänien innerhalb der EU passiere. EU-Hilfen seien, wenn überhaupt, nur über den Umweg der EU-Sozialfonds möglich.

Unterdessen sollen die ersten Leiharbeiter im Bochumer Nokia-Werk inzwischen ihre Kündigungen erhalten haben, wie die "Westfälische Rundschau" berichtet.

Politiker rufen zum Nokia-Boykott auf


Angesichts der geplanten Schließung des Nokia-Werks in Bochum fordern immer mehr Politiker die Verbraucher zum Boykott des finnischen Handy-Herstellers auf. SPD-Chef Kurt Beck unterstrich gegenüber "Bild am Sonntag", ihm komme kein Nokia-Gerät mehr ins Haus. Die deutschen Verbraucher könnten gemeinsam deutlich machen, dass sie sich nicht vorführen ließen.

Zuvor hatten Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) sowie SPD-Fraktionschef Peter Struck erklärt, ihre Nokia-Handys zurückgeben zu wollen.

Links-Parteichef Oskar Lafontaine hat neue Regeln zum Umgang mit staatlichen Subventionen gefordert. "Wenn ein Unternehmen wie Nokia in Bochum noch Gewinne erwirtschaftet und trotzdem einen Betrieb verlagert, sollten die erhaltenen Subventionen zurückgezahlt werden müssen", sagte Lafontaine der Nachrichtenagentur Reuters. Dies müsse schon bei der Vergabe staatlicher Gelder so vereinbart werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Update

Aus unseren drei Programmen

Reich werdenDie erste Million ist die schwerste!

US-Dollar-Scheine (picture alliance / dpa / Xie Zhengyi)

Geld regiert die Welt - im Fall von Donald Trumps Kabinett mit mehreren Milliardären und Multimillionären scheint das buchstäblich zuzutreffen. Doch wie wird man eigentlich reich und sind wir auf dem Weg zu einer globalen Oligarchie?

Religion und Politik"Wir können von Muslimen lernen"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht am 25.03.2017 bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg in der Stadthalle in Sindelfingen (Baden-Württemberg) zu Parteimitgliedern.  (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht in der steigenden Zahl der Muslime in Deutschland eine Chance. Wenn man die Ordnung des Grundgesetzes leben und verwirklichen wolle, müsse man in einen Dialog treten, wie man zusammenlebe, sagte der CDU-Politiker im DLF. Er stehe zu seinem Satz "Der Islam ist ein Teil Deutschlands". Das sei eine nüchterne Beschreibung.

MietenexplosionKleines Gewerbe in großen Städten ist bedroht

Eine Mutter mit Kleinkind geht an einem Buchladen mit gebrauchten Büchern in der Weserstraße in Berlin-Neukölln vorbei, aufgenommen 2012 (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)

Ein Teeladen, eine Buchhandlung, eine Bäckerei – sie alle bekamen zum Jahreswechsel die Kündigung, weil sie die geforderten Mieterhöhungen nicht zahlen können. Sechs Monate bleiben den drei Gewerbetreibenden aus Berlin – so lange läuft die Kündigungsfrist. Umziehen? Kämpfen? Oder kapitulieren?

Manchester-Attentat"Die Zerstörung der Popkultur ist ein Mittel zum Zweck"

Notfallhelfer helfen Verletzten nach dem Attentat auf die Manchester Arena am 22. Mai 2017 (imago stock&people/Zumba Press)

Dass sich der Selbstmordattentäter in Manchester ausgerechnet auf dem Konzert der Sängerin Ariana Grande in die Luft sprengte, sei eher zufällig, sagte der Islamexperte Bamdad Esmaili im DLF. Die Terroristen wollten möglichst viele junge Leute treffen. 

Musik und SpiritualitätDas ästhetische Grauen des Sakropop

Schwester Teresa bei den Proben zu ihrem Musical "Bergpredigt". (picture alliance / dpa / Stefan Kiefer)

Neben Diskussionsrunden und Messen wird es auf dem 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag viele Konzerte christlicher Bands geben. Doch deren Musik ist nicht nur ästhetisch fragwürdig, ihr fehlt auch jegliche Spiritualität, findet Wiglaf Droste.

Attac-Aktivist Christian Felber"Wir sind nicht gezwungen, uns egoistisch zu verhalten"

Politikwissenschaftler, Buchautor, Publizist und Mitbegründer der Attac Christian Felber, aufgenommen bei der Eröffnung der oberösterreichischen Kulturvermerke 2015 im Stadttheater in Gmunden (imago/Rudolf Gigler)

Die Spielregeln unserer Wirtschaft belohnen Kapitalismus, Maßlosigkeit und Gier, kritisiert der Attac-Aktivist und Autor Christian Felber. Er hat Vorschläge für eine Umverteilung von Reichtum und Macht: Alle wirtschaftliche Tätigkeit sollte auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach Manchester-Anschlag  Weitere Verdächtige festgenommen | mehr

Kulturnachrichten

Doppelte Belohnung soll Kunstraub von 1990 aufklären  | mehr

 

| mehr