Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Lanz reimt sich auf Akzeptanz

"Wetten, dass..?"-Premiere für Markus Lanz

Von Ludger Fittkau

Markus Lanz ist der neue Moderator der ZDF-Fernsehsendung "Wetten, dass..?" (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)
Markus Lanz ist der neue Moderator der ZDF-Fernsehsendung "Wetten, dass..?" (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)

Brillianz bot Markus Lanz bei seiner "Wetten, dass..?"-Premiere noch nicht, aber er hat sich gut geschlagen. Die Redaktion sollte mehr auf seine Fähigkeiten vertrauen.

Was reimt sich auf Lanz? Der maskierte Musiker Cro hatte diese Frage bei seinem Auftritt in "Wetten, dass..?" auf sein T-Shirt gedruckt. Die Antwort könnte lauten: Lanz reimt sich auf Akzeptanz, aber noch nicht auf Brillanz. Akzeptieren müssen auch eingefleischte Gottschalk-Fans: Markus Lanz hat seine Sache bei seiner Premiere in Düsseldorf ganz gut gemacht. Brillant war jedoch längst nicht alles, das lag aber oftmals nicht an Lanz selbst, sondern an Showelementen, die nicht so lustig waren, wie es sich die Redaktion wohl vorgestellt hat.

"Ich biete gleich zu Beginn eine ganz, ganz schöne Wette an. Ich wette, dass hier heute einiges in die Hose gehen wird. Aber das werden wir dann alle gemeinsam überstehen."

Markus Lanz ist ein talentierter Entertainer, das machte sein "Wetten, dass..?"- Debüt deutlich. Am Anfang war er nervös, doch nach einer halben Stunde wurde Lanz locker. Es warf es auch nicht aus der Bahn, dass ihm zu viele Menschen auf das drehende Sofa und in eine zweite Reihe dahinter gesetzt worden waren. Der – wie Markus Lanz zu Recht feststellte – "entspannte" Lokalmatator Campino, der quirlige Dortmundfan Wotan Wilke Möhring, der wirklich witzige Bülent Ceylan und die souveräne Hannelore Kraft im Glamourkleid hätten ausgereicht. Karl Lagerfeld und Jennifer Lopez langweilten – das Publikum und wohl auch sich selbst. Das niederländische Ehepaar Van der Vaart sah vor allem gut aus: Im Gespräch verriet HSV-Stümer Rafael van der Vaart dann Dinge, die man sich irgendwie schon gedacht hatte:

"Ja, man hat immer auf der Straße gespielt und in meinem Fall immer Fußball."

Die verlorene Wette mussten die van der Vaarts auf dem Fahrrad abarbeiten, einen Wohnwagen hinter sich herziehend. Peinlich-platte Hollandabziehbilder. In die Klischeemottenkiste griff die "Wetten, dass..?"-Redaktion auch, weil sie befürchtete, dass Lanz zu bieder rüberkommt, was er nicht tat. Man stellte ihm jedoch sicherheitshalber die schrille Cindy aus Marzahn als Assistentin an die Seite. Doch auch die Selbstironie, mit der sie ihre Körperfülle zum Thema macht, konnte ihr die Freakrolle nicht nehmen. Auch die Gags, die Lanz auf Kosten der "Prinzessin der Plattenbauten" platzierte, machten es nicht besser:

- Lanz: "Also, ich sage mal so, ich habe jetzt die ganze Zeit Michelle Hunzinger im Kopf, so ein bisschen."
- Cindy: "Soll ich ein Glas Wein bringen?"

Auch die Idee, dass die Promis auf dem Sofa ihre Wettpartner von Beginn an mit auf die Bühne nehmen, um sie in der zweiten Reihe zu platzieren, war des Guten zuviel. Spätestens in dem Moment, als der frischgebackene Fernsehpreisträger Wotan Wilke Möhring sich vom Sofa zu seiner Wettpartnerin umdrehte und sie nach ihrer Meinung zur nächsten anstehenden Wette fragte, blickt man als Zuschauer angesichts der Personenfülle auf der Bühne nicht mehr durch. Weniger ist mehr.

Was reimt sich auf Lanz? Relevanz – und Quote. Die wird "Wetten, dass..?" als Samstag-Abend-Lagerfeuer des deutschsprachigen Europa auch mit dem Südtiroler Markus Lanz weiter haben, dafür spricht die Düsseldorfer Premiere unter dem Strich. Die Redaktion sollte den Fähigkeiten ihres neuen Frontmanns vertrauen und nicht dem Motto folgen: Der nette Lanz braucht drumherum ganz viel Firlefanz, damit es klappt. Die Wetten sind in der Regel verrückt genug, die Musikauswahl spricht eine große Zuschauergruppe an

Eine kleine, aber gut ausgewählte Promi-Runde auf der Couch wird reichen, um "Wetten, dass..?" auch mit Markus Lanz erfolgreich werden zu lassen. Vielleicht muss die Show auch künftig nicht immer mehr als drei Stunden dauern. Wetten, dass sich Lanz dann irgendwann auch auf Brillanz reimt?

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Las Vegas nach dem MassakerStadt des Vergessens

Eine Konzertbesucherin sitzt am 02.10.2017 in Las Vega (Nevada, USA) nahe des Mandalay Bay Resort und Casinos am Las Vegas Strip. In der US-Metropole Las Vegas sind nach Polizeiangaben mehr als 50 Menschen von Schüssen getötet worden.  (AP / John Locher)

Nach Las Vegas kommen US-Amerikaner und Touristen, um sich zu amüsieren. Wie lange braucht ein Ort wie dieser, um sich von einem Blutbad zu erholen? Und: Wie lange währt die Waffenliebe in den USA noch angesichts solcher Massaker?

Leben ohne TerrorDie Basken und das Ende der ETA

"ETA nein" auf Spanisch und auf Baskisch steht auf einem Aufkleber, der auf Kieselsteinen liegt (AFP)

Die Waffen sollen abgegeben werden - und nun will die ETA auch über ihre Auflösung abstimmen lassen. Bis zum Sommer soll das Ende der Separatistenorganisation besiegelt sein. Aber damit sind längst noch nicht alle Fragen geklärt.

Mächtige Molche Politische Dummheit – und was dagegen hilft

Donald Trump mit der Erklärung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran. (Evan Vucci/AP/dpa)

Nach Trumps Aufkündigung versucht Europa, das Atomprogramm mit dem Iran im Alleingang zu retten. Und wie soll der Westen jetzt mit Kim Jong-un umgehen? Unberechenbar ist Trump, aber ist er auch dumm? Fragt sich Andrea Roedig in ihrem philosophischen Wochenkommentar.

Internationale Konferenz in BerlinWas genau ist Emanzipation?

Frau mit erhobener Faust (imago )

Eine hochkarätig besetze Konferenz setzt sich mit dem Erbe vorangegangener Befreiungsbewegungen und deren ambivalenten Wirken auseinander und fragt: Was heißt Emanzipation heute? Schon gleich zu Beginn wurde deutlich, der Begriff hält einige Paradoxien bereit.

Fremdenfeindlichkeit in Deutschland"Offener und ungeschminkter Rassismus"

Flüchtlinge laufen am 27.08.2015 mit Koffern bepackt auf einem Weg einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Ingelheim (Rheinland-Pfalz) entlang, während ein Kind im Vordergrund vorbeiläuft.  (picture alliance/dpa - Christoph Schmidt)

Die Sozialpsychologin Beate Küpper sieht einen Anstieg von Rassismus in Deutschland. Lange habe es ein Bewusstsein gegeben, dass Fremdenfeindlichkeit nicht mit unseren ethischen und demokratischen Grundsätzen vereinbar sei, so Küpper im Dlf. Heute werde Rassismus offen als politische Strategie benutzt.

Reporterin unterwegs in Südafrika Auf der Suche nach Mandelas Erbe

Nelson Mandela im Jahr 2005 (dpa)

Zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela ist die Journalistin Leonie March auf seinen Spuren durch Südafrika gereist. Bis heute ist das Erbe des verstorbenen Staatspräsidenten und Freiheitskämpfers bei der Mehrheit der Menschen lebendig.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Italien  Conte verzichtet auf Amt | mehr

Kulturnachrichten

Rechte stürmen Theateraufführung in Tschechien | mehr

 

| mehr