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Lasagne im Labor

Pferdefleisch in weiteren Fertiggerichten gefunden

Eine Labormitarbeiterin in Braunschweig untersucht Proben auf Pferdefleisch (dpa / Jochen Lübke)
Eine Labormitarbeiterin in Braunschweig untersucht Proben auf Pferdefleisch (dpa / Jochen Lübke)

In immer mehr Produkten wird Pferdefleisch gefunden - auch in Deutschland. Der Handel reagiert und nimmt weitere Fertiggerichte aus den Regalen. Unterdessen hat die EU europaweite Gentests für Fleischprodukte beschlossen.

Prüfer haben in immer mehr Produkten Pferdefleisch nachgewiesen, die angeblich nur Rindfleisch enthalten. Nach Angaben des österreichischen Gesundheitsministeriums wurde auch im Fertiggericht "Tortelloni Rindfleisch" ein nicht deklarierter Anteil an Pferdefleisch gefunden. Das Produkt war den Informationen zufolge bei Lidl Österreich erhältlich und stammte von der deutschen Firma "Gusto". Alle betroffenen Produkte würden jetzt aus den Regalen genommen. Aldi-Süd entfernte ebenfalls zwei Fertiggerichte aus den Regalen. Die betroffenen Artikel hießen "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" und "Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)", so eine Sprecherin. Auch die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann geht davon aus, dass ihre Lasagne der Eigenmarke A&P Pferdefleisch enthält, das Handelsunternehmen Konsum Leipzig nahm eine Tiefkühl-Lasagne aus dem Angebot, die Metro-Großmärkte eine Lasagne "Bolognese Capri 400g".

Zuvor war das Medikament Phenylbutazon in Pferdefleisch aus britischen Exporten nachgewiesen worden. Das Mittel sei für Menschen keineswegs harmlos, warnen Arzneimittel-Experten. Als Nebenwirkungen sind schwere allergische Reaktionen - Hautausschläge oder Asthma - oder Blutbildschäden möglich, auch unabhängig von der Dosis.

Französisches Unternehmen verteidigt sich

 In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" sollen bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden sein (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" sollen Spuren von Pferdefleisch gefunden worden sein (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)Unterdessen verdichtet sich der Verdacht krimineller Machenschaften hinter dem Skandal. "Wir können uns nicht vorstellen, dass Pferdefleisch zu einem Bruchteil des Preises für Rind legal gehandelt wird", sagte der Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV), Gero Jentzsch. Weil der Markt für Pferdefleisch so klein ist, können allerdings weder der DFV noch die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn einen genauen Preis für Pferdefleisch nennen. Pferd sei in Deutschland aber nicht generell günstiger als Rind, hieß es.

Das französische Unternehmen Spanghero weist neue Vorwürfe zurück, es habe den Pferdefleischskandal verursacht. Ein Sprecher sagte dem Sender Europe 1, die Firma habe das Rindfleisch nicht falsch deklariert. Damit reagierte er auf Äußerungen des französischen Verbraucherschutzministers Benoit Hamon. Demnach bezog Spanghero innerhalb eines halben Jahres 750 Tonnen Pferdefleisch aus Rumänien und brachte es als Rindfleisch in den Verkehr. In Luxemburg sei die Ware zu Fertigprodukten weiterverarbeitet und dann in 13 europäische Länder geliefert worden.

Gen- und Medikamentenanalysen bei Tiefkühlprodukten und Pferdefleisch

Eine Fertiglasagne, fotografiert während des Pferdefleischskandals (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)Fertiglasagne soll stichprobenartig untersucht werden (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)Die EU-Kommission und Vertreter von acht Mitgliedsstaaten beschlossen heute bei einem Sondertreffen in Brüssel die Einführung europaweiter Tests für Rindfleischprodukte, wie Leon Stebe im Deutschlandradio Kultur berichtet.

Durch Gen-Analysen bei zunächst rund 2200 Fertiggerichten sollen die Aufsichtsbehörden stichprobenartig feststellen, ob es sich beim verwendeten Fleisch um falsch deklariertes Pferdefleisch handelt. 4000 Pferdefleischproben sollen danach auf Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersucht werden, wie es bei Pferden gegen Entzündungen oder zum Doping eingesetzt wird. Die Verbraucherminister der acht bislang betroffenen Länder hatten sich auf diese Tests verständigt. Letztlich genehmigen muss sie aber die EU-Kommission und der Ministerrat.

Für Deutschlands Verbraucherschützer wäre ein Ja ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen pocht auf strengere Kontrollen für Lebensmittel in der EU. Verbandsvorstand Gerd Billen forderte in der "Passauer Neuen Presse", die Unternehmen sollten stärker kontrollieren müssen, was sie von ihren Zulieferern erhalten. Die Lieferkette müsse lückenlos dokumentiert werden. "Wir brauchen europaweit sehr hohe Standards für Kontrollen und nicht Kontrollen nach Kassenlage", betonte Billen. "Was draufsteht, muss drin sein. Darauf muss sich jeder Verbraucher verlassen können."

EU-Agrarkommissar Ciolos: Erst Untersuchungsergebnisse sehen

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos aus Rumänien während einer Anhörung im EHEC-Komitee des Europäischen Parlaments. (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos warnt vor überhasteten Entscheidungen (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)Der Agrarkommissar der Europäischen Union, Dacian Ciolos, warnt unterdessen vor überhasteten politischen Entscheidungen. "Wir müssen erst die Ergebnisse der Untersuchungen sehen, bevor wir Regelveränderungen diskutieren", sagte der Rumäne der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Gegen kriminelle Energie sei nur schwer etwas zu unternehmen.

Gegenwärtig seien die Dimensionen des Skandals "schwer abzuschätzen", sagte auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner. In der "Bild"-Zeitung sprach sie sich für ein breit angelegtes Screening in allen EU-Mitgliedsstaaten aus, um vor allem tiefgefrorene Fertiggerichte zu testen. Lebensmittelüberwachung, Polizei und Justiz müssten bei derart üblen Verstößen gegen geltendes Recht mit aller Härte durchgreifen. Für Deutschland gebe es bislang keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung.

NRW-Verbraucherschutzminister: Zwischen fünf und 50 Prozent Pferdefleisch

Johannes Remmel, grüner Umweltminister in Nordrhein-Westfalen (picture alliance / dpa / Daniel Naupold)Johannes Remmel, grüner Verbraucherschutz- minister in Nordrhein-Westfalen (picture alliance / dpa / Daniel Naupold)Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich im Deutschlandfunk für eine Meldepflicht bei Etikettierungsfehlern aus, damit Behörden und Handel gemeinsam handeln und Verbraucher frühzeitig informieren könnten. Die in NRW betroffenen Lebensmittelhändler hätten bereits vor rund zehn Tagen Produkte aus dem Sortiment genommen, die fälschlicherweise als reine Rindfleischprodukte ausgezeichnet waren. Die Öffentlichkeit erfuhr erst sehr viel später davon.

Angesichts der europaweiten Verflechtungen im Lebensmittelhandel - das Fleisch für die Tiefkühllasagne kam über mehrere ausländische Zwischenhändler nach Deutschland - sei eine Anpassung der Kontrollstrukturen und eine bessere Ausstattung der Behörden notwendig. "Sonst wird das ein ständiges Hase- und Igelrennen."

Skandal mit europäischen Dimensionen

Am Mittwoch war erstmals auch in Deutschland nicht deklariertes Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne nachgewiesen worden. Zuvor waren Täuschungsfälle in Irland, Großbritannien und Frankreich bekannt geworden.


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Kommentar: Betrug an den Verbrauchern muss bestraft werden - Annette Riedel findet, happige Strafen würden helfen
Pferdefleisch unter Verdacht - Der Etikettierungsskandal und das EU-Identifikationssystem
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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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