Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Leo Kirch ist tot

84-jähriger Medienunternehmer starb in München

Der Medienunternehmer Leo Kirch verstarb heute 84-jährig (picture alliance / dpa)
Der Medienunternehmer Leo Kirch verstarb heute 84-jährig (picture alliance / dpa)

Der Chef der einstigen Kirch-Mediengruppe verstarb heute im Kreis seiner Familie. Leo Kirch führte mehrere Prozesse gegen die Deutsche Bank, die er für die Pleite seines Medienunternehmens 2002 verantwortlich machte.

Leo Kirch besaß abertausende Spielfilme in seinem Fundus und war zeitweilig Besitzer der Fernsehsender Pro7, SAT1, N24 und des einstigen Sportkanals DSF. Kirch baute auch den Bezahlsender Premiere (heute Sky) auf, der allerdings erhebliche Verluste einfuhr.

Der langjährige Intendant des WDR, Fritz Pleitgen, erinnert sich, dass Leo Kirch für die Programme der öffentlich-rechtlichen TV-Sender eine zentrale Rolle spielte, weil er die wichtigsten Filmrechte besessen hätte. Seine marktbeherrschende Position sei zeitweise "schon bedrohlich" gewesen. Insgesamt betrachtet, habe eine Figur wie Leo Kirch ARD und ZDF aber gut getan: "Wir sind dadurch unternehmerischer geworden und auch im Programm nicht schlechter. Und insgesamt hat das Publikum von diesem Wettbewerb profitiert", sagte Pleitgen im Deutschlandradio Kultur.

Als 2002 der damalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer öffentlich sagte, niemand leihe dem Medienunternehmer Leo Kirch noch Geld, war Kirchs Imperium zwei Monate später pleite.Kirch verklagte den Ex-Banker wegen dieser Indiskretion auf zwei Milliarden Euro Schadensersatz.

Der Sechs-Milliarden-Euro-Schuldenmann

Sein gewaltiges Medienimperium hatte Kirch stets mit Krediten geschaffen. "Geld war immer ein Problem", erklärte er dem Richter in einem Prozess. Vom ersten Film an, Fellinis "La Strada" von 1956, dessen Rechte er für 25.000 Mark kauft - auf Pump.

Das Geld für diesen "kühnen Versuch", in den Handel mit Filmrechten einzusteigen, habe sich Leo Kirch von der Familie seiner Frau geliehen (MP3-Audio), wusste Steffen Grimberg, Medienredakteur der Berliner "taz", im "Radiofeuilleton" von Deutschlandradio Kultur zu berichten.

Fast 50 Jahre später, im Jahr 2001, ist der Medienunternehmer mit sechs Milliarden Euro verschuldet. Leo Kirch war "der reichste aller Pleitiers" (MP3-Audio), sagt Hans Leyendecker, Chefreporter der Süddeutschen Zeitung, der den einst mächtigsten Fernsehunternehmer Deutschlands über die Jahre hinweg kritisch begleitet hat.

Der 84-jährige Leo Kirch war bereits seit Jahren schwer erkrankt.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

TrendsWie sich Blogger als "Tastemaker" positionieren

Berliner Fashion Week 2017 (Deutschlandradio / Laura Naumann)

Modemagazine waren gestern. Die schnelllebige Zukunft gehört den Blogs und deren Machern, den Tastemakern und Influencern. Und jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben, weil sich damit unter Umständen auch Geld verdienen lässt, wie Modeexperte Sebastian Schwarz sagt.

TiefseeDer Ozean als Bergwerk

Der Meeresgrund ist voller Rohstoffe. Vor allem die mineralischen Ressourcen sind spannend für uns, denn die sind knapp und wir brauchen sie für Hightechgeräte wie unsere Smartphones. Staaten, Forscher und Unternehmen prüfen schon lange die Möglichkeiten des kommerziellen Tiefseebergbaus.

SimbabweHoffen auf ein Ende der Ära Mugabe

Simbabwes Präsident Robert Mugabe mit seiner Frau Grace beim Parteitag der ZanuPF. (AFP/Jekesai Nijikizam)

Simbabwe ohne Präsident Robert Mugabe? Für viele Menschen ist das kaum vorstellbar, denn der 93-Jährige herrscht seit der Unabhängigkeit 1980 autoritär über das Land, will sogar noch einmal kandidieren. Er und seine Machtclique haben aber das einst florierende Land heruntergewirtschaftet. Auf der Straße formiert sich trotz massiver Repressalien immer lauter Protest.

Schulz und Merkel im WahlkampfNur Ankündigungen sind zu wenig

Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz im Gespräch auf dem EU-Gipfel am 15. Dezember 2016 in Brüssel.  (picture-alliance / Belga / Christophe Licoppe)

Ob SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Politik wieder streitbarer mache, bleibe abzuwarten, meint Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien. Noch fehle ihm dafür der Widerpart. Angela Merkel mobilisiere derzeit eher die parteiinternen Gegner als die eigenen Wähler.

Visual Effects bei der Oscar-VerleihungDie perfekte Illusion

Mowgli (gespielt von Neel Sethi) und Bagheera aus dem Film "The Jungle Book" (2015 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved)

Aufwändige Spezialeffekte entführen uns in fantastische Bildwelten. Fünf Filme können sich nun Hoffnungen auf einen Oscar für ihre Effekte machen. Für "Vollbild" kommentieren zwei Experten die nominierten Filme - an einem haben sie sogar selber mitgearbeitet.

Post, Drucker und KopiererLand der Papierverschwender

Der New Yorker Jim Kavanaugh meint: Hey, ihr Deutschen recycelt wie die Weltmeister, aber warum verbraucht ihr immer noch so schrecklich viel Papier?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

UNO-Gesandter  "Sabotage der Syrien-Friedensgespräche nicht zulassen" | mehr

Kulturnachrichten

Gabriel drängt zu schneller Entscheidung im Fall Yücel  | mehr

Wissensnachrichten

Geld  Alte Ein-Pfund-Münze bald nutzlos | mehr