Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

Letzte Vorbereitungen zur UNO-Generalversammlung

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt reisen nach New York

Der Plenarsaal der UNO-Vollversammlung in New York.
Der Plenarsaal der UNO-Vollversammlung in New York. (picture alliance / dpa / erica Simone/wostok Press)

Nur hier hat Tuvalu das gleiche Gewicht wie die USA: Jedes UNO-Mitglied, egal, ob Südseeinsel oder Weltmacht, besitzt in der Generalversammlung eine Stimme. Beim diesjährigen Schaulaufen der Weltpolitik steht Syrien im Blickpunkt.

Für Ban Ki Moon wird es eine arbeitsreiche Woche, selbst nach den Maßstäben eines UNO-Generalsekretärs. 120 unterschiedliche Termine für persönliche Zweiergespräche hat der Koreaner für die kommenden Tage vereinbart. Dabei profitiert sozusagen ein Organ der Vereinten Nationen von einem anderen: Ban Ki Moon als Generalsekretär nutzt die Sitzungswoche der Vollversammlung und die damit verbundene Präsenz vieler wichtiger Minister, Präsidenten und Königen am New Yorker East River. Am Dienstag geht es los, derzeit laufen die letzten logistischen Vorbereitungen im UNO-Hauptquartier.

Im Schatten des Sicherheitsrates

193 Mitgliedsländer zählt die UNO, das jüngste Mitglied ist der Südsudan. Sie alle haben in der Generalversammlung ungeachtet ihrer Größe eine Stimme. Trotz der Prominenz vieler ihrer Teilnehmer – in diesem Jahr unter anderem US-Präsident Barack Obama, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas oder Frankreichs Präsident François Hollande – ist die Generalversammlung im Vergleich zum UNO-Sicherheitsrat eher symbolischer Debattierclub als echtes Entscheidungsgremium. Nur der Sicherheitsrat kann tatsächliche Macht in Form von Sanktionen und Eingreiftruppen ausüben.

UNO-Generalsekretär Ban Ki MoonUNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa / Antonio Lacerda)Trotzdem lenkt die "Weltbühne" der Politik die Aufmerksamkeit auch auf Themen, die nicht jeden Tag im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Und es kommt am Rande der offizellen Debatten eben auch auf das Netzwerken an, bei Botschaftsempfängen und informell auf dem Flur. Bei seinem bilateralen Gesprächsmarathon will Ban Ki Moon den Schwerpunkt zwar auf die Syrienkrise legen. Doch der blutige Konflikt dort ist bei weitem nicht der einzige Krisenherd, der die Weltdiplomatie umtreibt.

Problemfall Mali

Das westafrikanische Mali beispielsweise hat zwar gerade den 52. Jahrestag seiner Unabhängigkeit gefeiert, mit der staatlichen Souveränität ist es aktuell aber nicht weit her. Über die Hälfte des Landesterritoriums wird von islamistischen Terroristen kontrolliert, die zum Beispiel in den Städten Timbuktu oder Gao ein Kalifat aufbauen wollen. Über eine internationale Lösung des Konflikts gibt es nur eine zögerliche Annäherung zwischen der Übergangsregierung von Mali und den Nachbarländern, die eine Eingreiftruppe anbieten. Am Mittwoch ist die Krise Gegenstand einer Sonderdebatte in New York.

Für Zündstoff dürfte die Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sorgen, der bei solchen Anlässen besonders Israel mit verbaler Härte angreift. Er spricht ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, der am Mittwoch begangen wird.

Für Deutschland spricht am Freitag Bundesaußenminister Guido Westerwelle vor der Generalversammlung. Da die Bundesrepublik derzeit als nichtständiges Mitglied außerdem die Sitzungen des Sicherheitsrates leitet, kann Westerwelle in dieser Woche auch dort eine Debatte moderieren.

Programmhinweis: Heute, 18:40 Uhr im Deutschlandfunk:

Syrien-Diplomatie in der Sackgasse - Sind UNO-Reformen notwendiger denn je?
Hintergrund
Staatsoberhäupter aus aller Welt treffen sich wieder zur traditionellen Generaldebatte in New York, um über Sicherheit und Frieden in der Welt zu diskutieren - doch die UNO ist nur bedingt handlungsfähig. Im Sicherheitsrat herrschen starre Machtverhältnisse, das Veto eines der fünf ständigen Mitglieder reicht aus, um notwendige Einsätze zu blockieren. Wir beleuchten die Frage nach der Hilflosigkeit der Vereinten Nationen und machen einen Realitätscheck in punkto UNO-Reform.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

RusslandPutins Fernsehsprechstunde

Ein Bildschirm zeigt die Fernsehsendung mit Wladimir Putin, davor als Schatten ein Zuschauer

Fast vier Stunden dauerte sie: Die alljährliche Fernsehsprechstunde Wladimir Putins ist ein Ritual. Mehr als zwei Millionen Fragen waren vorab eingegangen, dazu saßen ausgewählte Gäste im Fernsehstudio. Dieses Mal war das zentrale Thema erwartungsgemäß die Ukraine-Krise.

Psychisch krankBorderline-Störung - Eine Modediagnose?

Ein halbierter, geöffneter Kopf: Medizinisches Modell im Psychiatriemuseum Riedstadt / Hessen.

In den letzten Jahren ist die Zahl von Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erheblich gestiegen. Aber ein klares Krankheitsbild zu definieren, ist für viele Mediziner schwer. Eine Spurensuche.

Drittmittel an HochschulenZwischen Freigeist und Dienstleistung

Studenten sitzen in einem Hörsaal der Universität Koblenz-Landau

Immer öfter nehmen die deutschen Hochschulen private Gelder an - um die Forschung, aber auch die Ausbildung der Nachwuchsakademiker zu finanzieren. Für viele Studenten eine fragwürdige Entwicklung. Denn nicht immer ist klar, wie viel Einfluss Unternehmen so auf die Lehre nehmen.

DemokratieTüröffner und Strippenzieher

Lobby Control

Korruption ist kriminell, Interessenvertretung ganz legal - und oft viel subtiler. Mehr als 5000 Lobbyisten von Firmen und Verbänden arbeiten in der Hauptstadt und knüpfen ihre Netzwerke. Streng genug kontrolliert werden sie noch nicht.

KriminalitätZahl der Verurteilungen bei Vergewaltigungen gesunken

Eine Frau geht im Licht der Straßenlaternen alleine über eine dunkle Straße 

Laut einer Studie erreichen Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen, damit immer seltener eine Verurteilung des Täters. Einer der Gründe ist die Arbeitsüberlastung bei Polizei und Staatsanwaltschaft.

Record Store Day "Am Tresen wird über Platten gesprochen"

Eine Schallplatte wird in einem Musikfachgeschäft in Hannover (Niedersachsen) auf einem Plattenspieler abgespielt. 

Für Musikfans, kleine Labels und Plattenläden ist der "RSD", der ursprünglich aus den USA kommt, ein Fest. Limitierte Schallplatten werden in mehr als 300 Stores verkauft und Bands spielen live. Ein richtiger "Vinyl-Feiertag".

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Literaturnobelpreisträger García Márquez  gestorben | mehr

Kulturnachrichten

Literaturnobelpreisträger García Márquez  gestorben | mehr

Wissensnachrichten

Abitur  Abitur: G8 oder G9 macht keinen Unterschied | mehr