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Libanon droht Zerreißprobe wegen Syrien

Hisbollah unterstützt offiziell syrischen Machthaber Assad

Der libanesische Hisbollah-Führer Nasrallah schwört seine Kämpfer auf einen Sieg in Syrien ein. (picture alliance / dpa / Wael Hamzeh)
Der libanesische Hisbollah-Führer Nasrallah schwört seine Kämpfer auf einen Sieg in Syrien ein. (picture alliance / dpa / Wael Hamzeh)

Der Syrienkonflikt gefährdet zunehmend die Sicherheitslage im benachbarten Libanon. In der Hauptstadt Beirut schlugen zwei Raketen in einem Wohngebiet ein, das die schiitische Hisbollah-Miliz kontrolliert. Die Diskussion über mögliche Waffenlieferungen an Aufständische sorgt unterdessen unter den EU-Außenministern für Zündstoff.

Die libanesische Hisbollah kämpft im syrischen Bürgerkrieg jetzt mit offenem Visier an der Seite des Assad-Regimes. Der Generalsekretär der Schiitenbewegung, Hassan Nasrallah, prophezeite während einer Fernsehansprache einen Sieg in Syrien - und erklärt die Hisbollah damit selbst ganz offiziell zur Kriegspartei. Nasrallah versprach, dass die Milizen der Hisbollah solange wie notwendig blieben. Das sorgt im Libanon für Zündstoff.

Neben der Schiitenbewegung gibt es im Libanon auch Muslime sunnitischer Glaubensrichtung, die schwer bewaffnet sind und die syrische Opposition unterstützen. Dieser Zwist drängt das Land in eine Zerreißprobe. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte vor der "Gefahr eines Flächenbrandes". Der arabische Mittelmeerstaat versank bereits 1975 bis 1990 in einem Bürgerkrieg.

Herkunft der Raketen unklar

Raketen zerstören von Hisbollah kontrollierte Wohngebieten in Beirut (picture alliance / dpa / Wael Hamzeh)Raketen zerstören von Hisbollah kontrollierte Wohngebieten in Beirut. (picture alliance / dpa / Wael Hamzeh)Nur wenige Stunden nach der Rede Nasrallahs schlugen Raketen in zwei Vororten Beiruts ein, wo die Hisbollah die Oberhand hat. Fünf Menschen wurden durch den Angriff verletzt. Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen. Libanons Innenminister Marwan Charbel sah in dem Angriff einen Versuch, für soziale Unruhe zu sorgen.

Hisbollah-Generalsekretär Nasrallah hatte erklärt, ein Sturz des Regimes von Baschar al-Assad komme nicht infrage. Syrien sei das Rückgrat des Widerstandes, und der Widerstand (die Hisbollah) werde nicht mit verschränkten Armen zuschauen, wie Syrien von den USA, Israel und Extremisten das Rückgrat gebrochen werde. Mit Hilfe von Hisbollah-Milizionären starteten syrische Regierungstruppen in der strategisch wichtigen Kleinstadt Al-Kusair am Wochenende eine neue Offensive. Rund 2000 Hisbollah-Kämpfer seien inzwischen an den Gefechten beteiligt, hieß es.

Streit unter EU-Außenministern

Außenminister Westerwelle nannte die Hinweise auf ein "massives Eingreifen" von Hisbollah-Milizen in die Kämpfe in Syrien "sehr bedrohlich". Westerwelle trifft sich morgen mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel. Hauptthema wird ihr Streit um mögliche Waffenlieferungen an die Aufständischen in Syrien sein. Ohne Einigung über den künftigen Kurs in der Syrienfrage bis zum kommenden Freitag würden sämtliche EU-Sanktionen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad wegfallen - vor allem Handels- und Finanzsanktionen.

Großbritannien fordert mit französischer Unterstützung, die Lieferung von Waffen an die Aufständischen zu erlauben. Österreich droht wegen dann entstehender Gefahren, seine 380 Soldaten aus der UN-Blauhelmtruppe für die Golanhöhen zurückzuziehen. Viele Staaten warnen, die Waffen könnten islamistischen Extremisten in die Hände fallen.

Verteidigungsminister Thomas de Maiziere in seinem Büro im Verteidigungsministerium in Berlin, aufgenommen am (picture alliance / dpa / Ronald Bonß)Verteidigungsminister Thomas de Maizière (picture alliance / dpa / Ronald Bonß)Deutschland lehnt nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) Waffenlieferungen an die Opposition in Syrien weiter ab. "Wir halten ja viele derer, die da jetzt kämpfen für demokratisch zweifelhaft", sagte der Minister im Deutschlandfunk. "Wir wissen nicht, in welche Hände diese Waffen kommen. Wir bleiben dabei, dass wir gegenüber Waffenlieferung in diesen Konflikt hinein sehr, sehr skeptisch bleiben." Die EU-Außenminister beraten über das Waffenembargo, das Ende Mai ausläuft.

Syrienkonferenz mit Regierung, aber bislang ohne Opposition

Um den Bürgerkrieg zu beenden, will die Weltgemeinschaft erneut versuchen, die Konfliktparteien auf einer Friedenskonferenz voraussichtlich am 12. Juni in Genf an einen Tisch zu bringen. Die offizielle Regierung in Damaskus sagte nun ihre Teilnahme zu; Außenminister Walid Muallem bezeichnete die Konferenz als "gute Gelegenheit für eine politische Lösung". Die Opposition kam zunächst zu keinem Ergebnis, ob sie teilnimmt.

Der Syrienkonflikt hat seit seinem Beginn im März 2011 UN-Schätzungen zufolge mehr als 80.000 Menschen das Leben gekostet. Im Nordlibanon wurden bei den jüngsten Kämpfen zwischen Unterstützern des syrischen Regimes und dessen Gegnern binnen einer Woche mindestens 26 Menschen getötet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr

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