Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Libyen: NATO übernimmt volles Kommando

Neue Luftangriffe der internationalen Militärallianz

Libysche Aufständische protestieren nahe Bin Jawad. Die Fahne ist symbolträchtig. Es handelt sich um die Landesflagge vor der Zeit Gaddafis. (dpa)
Libysche Aufständische protestieren nahe Bin Jawad. Die Fahne ist symbolträchtig. Es handelt sich um die Landesflagge vor der Zeit Gaddafis. (dpa)

Eine Woche nach Beginn der alliierten Luftangriffe übernimmt die NATO das vollständige Kommando über den Militäreinsatz in Libyen. Unterdessen meldet das libysche Staatsfernsehen erstmals Luftangriffe auf Muammar al-Gaddafis Geburtsstadt Sirte. Die Aufständischen geben derweil an, sie hätten die Stadt unter ihre Kontrolle gebracht.

Wie NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach einem Treffen der Bündnisstaaten in Brüssel mitteilte, koordiniert die NATO künftig auch die Luftangriffe zur Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen. Die Militäraktionen hatten vor einer Woche unter Führung der USA, Großbritanniens und Frankreichs begonnen. Ziel sei es, Zivilisten zu schützen, die von den Streitkräften des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi bedroht würden, so Rasmussen. Der Führungswechsel solle in den nächsten drei Tagen umgesetzt werden.

Rebellen in Libyen südlich von Bengasi (AP)Oppositionsmilizen südlich von Bengasi (AP)

Erfolge der Oppositionsmilizen

Unterstützt durch die Luftangriffe der westlichen Alliierten kämpfen sich die libyschen Oppositionsmilizen nach Westen vor. Nach Medienberichten haben sie inzwischen die Hafenstädte Brega und Ras Lanuf erobert (Audio-Datei). Bereits am Samstag hatten die Aufständischen die rund 160 Kilometer südlich von Bengasi gelegene Küstenstadt Adschdabija eingenommen. Am Abend beschossen französische Kampfflugzeuge Stellungen der libyschen Streitkräfte bei Misrata. Außerdem soll es in Tripolis und Sirte, der Geburtsstadt von Machthaber Muammar al-Gaddafi, Luftangriffe gegeben haben. Nachrichtenagenturen berichten, in Sirte seien mehrere schwere Explosionen zu hören gewesen. Die Lage in der Stadt ist unklar. Die Aufständischen geben an, sie hätten Sirte unter ihre Kontrolle gebracht. Dies wird jedoch von anderer Seite nicht bestätigt.

USA: Gaddafi inszeniert zivile Verluste

US-Verteidigungsminister Robert Gates warf Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi vor, Leichen an Orten zu platzieren, die von der internationalen Militärkoalition bombardiert wurden. Auf diese Weise sollten zivile Opfer vorgetäuscht werden. Das Regime in Tripolis forderte erneut eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates und beschuldigte die westliche Allianz, durch stundenlange nächtliche Luftangriffe zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet zu haben.

Frattini: Gaddafi ins Exil

Italiens Außenminister Franco Frattini brachte unterdessen ein Exil für Gaddafi ins Gespräch. In Europa und der UNO herrsche Einigkeit darüber, dass Gaddafi als Gesprächspartner nicht mehr akzeptabel sei. Eine Lösung, bei der er an der Macht bleibe, sei daher nicht vorstellbar, sagte Frattini in einem Interview mit der Zeitung "Repubblica" (ital.). Frattini kündigte einen gemeinsamen Plan Italiens und Deutschlands zur Beilegung des Libyen-Konflikts an.

Linktipps:
Der arabische Aufstand - Sammelportal
Deutschlands Entscheidung ist "nicht einfach zu verstehen" - Ehemaliger NATO-Stabschef hätte sich bei UN-Resolution Zustimmung gewünscht (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Britische LiteraturZu Besuch bei Graham Swift

Graham Swift in einer Aufnahme vom Juni 2016. (imago/Leemage)

Graham Swift ist einer großen britischen Gegenwartsautoren. Sein aktueller Roman "Mothering Sunday - in der deutschen Ausgabe "Ein Festtag" - wurde gerade mit einem der renommiertesten britischen Literaturpreise ausgezeichnet. Ein Besuch bei Swift in London.

Wassermusik-FestivalGänsehautmomente an der Spree

Die Musikerin Oumou Sangaré aus Mali bei einem Auftritt in London im Juli 2017 (Bild: imago stock&people)  (imago stock&people)

Zum zehnjährigen Jubiläum von Wassermusik, dem Weltmusik-Festival aus Berlin, kommen Bands, die entweder noch nie dabei sein konnten oder nachhaltig Eindruck gemacht haben. "Eigentlich würde ich gerne das Doppelte an Künstlern einladen", sagte Detlef Diederichsen vom Haus der Kulturen der Welt im Corsogespräch.

Jüdische Einwanderung nach PalästinaWarum aus Akademikern Landwirte wurden

Ein jüdischer Landwirt auf einer Fotografie aus den Dreißigern (imago / United Archives)

Mit wenig mehr als ein paar Habseligkeiten und der Hoffnung auf ein besseres Leben, erreichten in den 1930er Jahren die sogenannten Jeckes, deutschsprachige Juden, Palästina. Aus Akademikern wurden Landwirte, die versuchten den kargen Wüstenboden fruchtbar zu machen.

Deutsch-türkisches VerhältnisSchäuble vergleicht Türkei mit DDR

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht auf einer Kundgebung in Istanbul zu Unterstützern. (dpa-Bildfunk / Presidential Press Service / Kayhan Ozer)

Die Bundesregierung hat angekündigt, ihre Türkei-Politik neu auszurichten. Auch der Ton wird schärfer. Nun hat Bundesfinanzminister Schäuble das Land mit der DDR verglichen. Die Grünen fordern weitergehende Konsequenzen.

Jan Philipp Reemtsma über Laozi Neue Chinesische Weisheiten

Ein Besucher steht vor der weltgrößten Kalligrafie des Daodejing von Laozi des chinesischen Kalligrafen Luo Sangui - 10 Meter hoch und 100 Meter lang, aufgenommen 2014 auf der Grand Art Exhibition in Nanjing (picture alliance / dpa / Wang Qiming)

Das Daodejing des Laozi ist eins der ältesten Weisheitsbücher der Menschheit. Es versammelt Texte zur Lebenspraxis, zur Staatslehre bis hin zur Kosmologie. Der Germanist Jan Philipp Reemtsma hat jetzt seine eigene Fassung des Buches geschrieben - obwohl er selbst nie Chinesisch gelernt hat.

Tod von Linkin-Park-Sänger BenningtonEiner, der sich nie einen Stempel aufdrücken ließ

Chester Bennington während eines Konzerts von Linkin Park 2015. (ITAR-TASS, Vyacheslav Prokofyev, dpa)

Rihanna nennt ihn das beeindruckendste Talent, das sie je gesehen habe: Er sei ein "stimmliches Biest". Nun ist der Linkin-Park-Sänger Chester Bennington im Alter von 41 Jahren gestorben.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Polen  Senat votiert für Justizreform | mehr

Kulturnachrichten

Gericht vertagt Entscheidung zu Konzerthaus-Klage | mehr

 

| mehr