Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Libyen: Verwirrung um Sirte

Weitere Luftangriffe der internationalen Allianz

Die Landesflagge aus der Zeit vor Gaddafi ist zum Symbol seiner Gegner geworden. (dpa)
Die Landesflagge aus der Zeit vor Gaddafi ist zum Symbol seiner Gegner geworden. (dpa)

Während libysche Rebellen behaupten, Sirte, die Heimatstadt Gaddafis, eingenommen zu haben, gibt es auch entgegengesetzte Aussagen. Demnach sollen die Aufständischen auf starken Widerstand der Regierungstruppen gestoßen sein.

Wie aus Medienberichten verlautete, hätten die Rebellen Sirte keinesfalls eingenommen, sondern befänden sich noch circa 120 Kilometer östlich der Stadt. Dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira zufolge haben die Aufständischen das Wadi-al-Ahmar-Tal westlich von Nofilia erreicht. Allerdings sei die Talsenke von Gaddafis Truppen mit Minen bestückt worden.

NATO übernimmt Kommando vollständig

Wie NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach einem Treffen der Bündnisstaaten in Brüssel mitteilte, koordiniert die NATO künftig auch die Luftangriffe zur Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen. Die Militäraktionen hatten vor einer Woche unter Führung der USA, Großbritanniens und Frankreichs begonnen. Ziel sei es, Zivilisten zu schützen, die von den Streitkräften des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi bedroht würden, so Rasmussen. Der Führungswechsel solle in den nächsten drei Tagen umgesetzt werden.

Am Dienstag kommen die Außenminister von mehr als 35 Ländern in London zusammen, um über eine diplomatische Lösung des Konflikts zu debattieren. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) wird erwartet.

Rebellen in Libyen südlich von Bengasi (AP)Oppositionsmilizen südlich von Bengasi (AP)

Erfolge der Oppositionsmilizen

Unterstützt durch die Luftangriffe der westlichen Alliierten kämpfen sich die libyschen Oppositionsmilizen nach Westen vor. Nach Medienberichten haben sie inzwischen die Hafenstädte Brega und Ras Lanuf erobert (Audio-Datei). Bereits am Samstag hatten die Aufständischen die rund 160 Kilometer südlich von Bengasi gelegene Küstenstadt Adschdabija eingenommen. Am Abend beschossen französische Kampfflugzeuge Stellungen der libyschen Streitkräfte bei Misrata. Dies wird jedoch von anderer Seite nicht bestätigt.

USA: Gaddafi inszeniert zivile Verluste

US-Verteidigungsminister Robert Gates warf Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi vor, Leichen an Orten zu platzieren, die von der internationalen Militärkoalition bombardiert wurden. Auf diese Weise sollten zivile Opfer vorgetäuscht werden. Das Regime in Tripolis forderte erneut eine Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrates und beschuldigte die westliche Allianz, durch stundenlange nächtliche Luftangriffe zahlreiche Soldaten und Zivilisten getötet zu haben.

Frattini: Gaddafi ins Exil

Italiens Außenminister Franco Frattini brachte unterdessen ein Exil für Gaddafi ins Gespräch. In Europa und der UNO herrsche Einigkeit darüber, dass Gaddafi als Gesprächspartner nicht mehr akzeptabel sei. Eine Lösung, bei der er an der Macht bleibe, sei daher nicht vorstellbar, sagte Frattini in einem Interview mit der Zeitung "Repubblica" (ital.). Frattini kündigte einen gemeinsamen Plan Italiens und Deutschlands zur Beilegung des Libyen-Konflikts an.

Linktipps:
Der arabische Aufstand - Sammelportal
Deutschlands Entscheidung ist "nicht einfach zu verstehen" - Ehemaliger NATO-Stabschef hätte sich bei UN-Resolution Zustimmung gewünscht (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:07 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

SchwerstbehinderungLeben mit einem sterbenskranken Kind

Der schwerstbehinderte Junge Tristan mit seiner Mutter im Porträt (Deutschlandradio / Nathalie Nad-Abonji)

Kinder wie Tristan und Mütter wie Rike trifft man nicht auf dem Spielplatz, nicht im Spaßbad und auch nicht in der Eislaufhalle. Denn Rikes Sohn Tristan ist schwerstbehindert – geistig und körperlich.

Le Pen und die Frauen"Es fehlen weibliche Rollenbilder bei den klassischen Parteien"

Marine Le Pen, Vorsitzende des rechtsextremen Front National, steht bei einem Kongress der Partei im südfranzösischen Frejus mit ausgebreiteten Armen auf der Bühne. (AFP / Franck Pennant)

Frauen seien in Frankreichs politischem Bild in den letzten Jahren kaum vorgekommen, sagte die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot im DLF. Marine Le Pen besetze Themen wie Lohngleichheit, Homo-Ehe und verspreche Frauen vor dem Islamismus zu schützen. Damit habe sie Erfolg - auch wenn ihre Politik sehr stark ins Emotionale und Symbolische gehe, so Guérot.

TierversucheGrausam, aber nötig?

Arvid Leyh ist Wissenschafts-Autor und Vegetarier. Früher war er überzeugter Tierversuchs-Gegner. Heute meint er: Wir müssen Tierversuche aushalten, weil wir sie brauchen.
 

EingebundenFliegende Blätter gefangen

Die Buchseiten eines Liebesromans sind in Herzform geklappt. (picture alliance / dpa / Susannah V. Vergau)

Was wäre die Menschheit ohne ihre Bücher oder deren Vorläufer? Wahrscheinlich noch immer ein Haufen Höhlenbewohner, die ihre Tage mit Sammeln und Jagen verbringen. Wort, Sprache und Schrift haben die Welt verändert – und jetzt im 21. Jahrhundert verändert sich das Buch.

Europa und USA"Die Rechten bieten sich heute als Schutzmacht der kleinen Leute an"

Mehrere tausend Pegida-Anhänger demonstrieren am 16.10.2016 auf dem Theaterplatz in Dresden (Sachsen).  (dpa / Oliver Killig)

Die politische Rechte in Europa und den USA habe vor allem in den unteren gesellschaftlichen Schichten Anhänger gefunden, sagte der Soziologe Sighard Neckel im DLF. Das liege unter anderem daran, dass sich die Rechten als Schutzmacht der kleinen Leute anbieten würden und die linken Parteien aus dieser Rolle ausgetreten seien.

Saudi-ArabienDie Zeit nach dem Öl

Blick auf die King Abdullah Economic City (KAEC) in der Nähe von Jeddah in Saudi-Arabien. (AFP PHOTO / Omar Salem)

In King Abdullah Economic City wohnen etwa 7.000 Menschen. Die Stadt soll auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten. Und sie steht für eine gesellschaftliche Modernisierung des Landes. Es gibt aber starke Kräfte, die das Projekt gefährden könnten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Frankreich-Präsidentenwahl  Erleichterung in Berlin und Brüssel | mehr

Kulturnachrichten

"Welttag des Buches": 100 Verlage öffnen ihre Tore  | mehr

 

| mehr