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Linkspartei nominiert Beate Klarsfeld

Publizistin tritt bei Präsidentenwahl gegen Joachim Gauck an

Beate Klarsfeld kandidiert für die Linkspartei bei der Bundespräsidentenwahl. (Mario Vedder/dapd)
Beate Klarsfeld kandidiert für die Linkspartei bei der Bundespräsidentenwahl. (Mario Vedder/dapd)

Joachim Gauck bekommt bei der Wahl des Bundespräsidenten am 18. März eine Gegenkandidatin. Die Linkspartei stellt Beate Klarsfeld auf. Die Publizistin wurde durch die Aufarbeitung von Nazi-Verbrechen bekannt.

Die Entscheidung des Parteivorstands der Linken für die 73-jährige Klarsfeld fiel einstimmig. Das teilte Parteichefin Gesine Lötzsch in Berlin mit. Klarsfeld sei eine Kandidatin, "die nicht in jedem Punkt mit uns übereinstimmt, aber eine echte Alternative zu Joachim Gauck darstellt", sagte der Ko-Vorsitzende Klaus Ernst. In der Linkspartei war Klarsfeld wegen ihrer Solidarität mit Israel umstritten. In einer ersten Reaktion äußerte sie sich dann auch zufrieden darüber, dass die Entscheidung der Linken-Spitze einstimmig fiel. Sie hoffe, dass sie am 18. März auch aus den Reihen von CDU und CSU einige Stimmen bekommen könne.

Beate Klarsfeld beschimpft 1968 im Bundestag Kanzler Kiesinger als "Nazi" und Verbrecher" (picture alliance / dpa)Beate Klarsfeld beschimpft 1968 im Bundestag Kanzler Kiesinger als "Nazi" und Verbrecher" (picture alliance / dpa)Bekannt wurde die Publizistin 1968, als sie den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wegen seiner NSDAP-Mitgliedschaft ohrfeigte und ihm zurief "Tritt zurück, Nazi!". Das Aufdecken ungeahndeter Nazi-Verbrechen hatte sie schon früh zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Es war unter anderem ihr zu verdanken, dass der ehemalige Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, 1983 von Bolivien ausgeliefert und in Frankreich verhaftet wurde.

Zunächst war neben Klarsfeld auch die Linken-Abgeordnete Luc Jochimsen und der Politologe Christoph Butterwegge als Kandidat für die Linkspartei im Gespräch. Er habe aber nicht gegen Klarsfeld antreten wollen, erklärte Butterwegge im Deutschlandfunk: "Ich bin gefragt worden und habe ja gesagt in der Annahme, dass niemand diese Kandidatur anstrebt und insbesondere nicht eine Frau und eine so anerkannte Antifaschistin, wie Beate Klarsfeld das ist."

Gauck tourt durch Parteizentralen

Der Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen, Joachim Gauck, stellte sich unterdessen heute in Berlin bei mehreren Parteien vor. Zunächst nahm der frühere DDR-Bürgerrechtler an einer Sitzung des CDU-Bundesvorstandes teil, anschließend wurde er bei den Sozialdemokraten erwartet. Am Samstag hatte Gauck den Landesverband der CDU in Nordrhein-Westfalen besucht. An dem Treffen in Hamminkeln am Niederrhein nahmen auch Europa- und Bundespolitiker teil, darunter Kanzleramtschef Ronald Pofalla und Bundestagspräsident Norbert Lammert. Umweltminister Norbert Röttgen sagte anschließend, Gauck habe überzeugt und werde breit unterstützt.

Steinmeier: Thema Integration sollte Schwerpunkt bleiben

Die Integration von Migranten sollte nach Auffassung von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auch für einen künftigen Bundespräsidenten Gauck ein zentrales Thema sein. "Das war ein Thema, ein richtiges Thema von Christian Wulff, und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein anderer Bundespräsident, und erst recht nicht Joachim Gauck, dieses Thema liegen lässt", sagte Steinmeier im Interview der Woche des Deutschlandfunks. Anlass für Änderungen am System der Bundespräsidentenwahl gibt es nach Steinmeiers Ansicht nicht. Er halte nichts von kurzatmigen Reaktionen wie der Einführung einer Direktwahl. Gerade die Verständigung auf den Kandidaten Gauck habe doch gezeigt, dass das Amt nicht völlig von den Parteien dominiert werde, sondern auch ein Bewerber außerhalb der Politik möglich sei. Er sei zudem sicher, dass sich die Debatte lege, wenn das neue Staatsoberhaupt im Amt sei.

Kommentar zu Kritik an Gauck

"Joachim Gauck sollte es keinem recht machen", empfiehlt Norbert Seitz in den "Themen der Woche" im Deutschlandfunk. "Dass er schon heute eine Welle an polemischer Erregung provoziert, obwohl er noch gar nicht gewählt wurde, spricht eher für den Kandidaten."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:48 Uhr

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