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Literaturnobelpreis geht an Tomas Tranströmer

Schwedischer Lyriker erhält wichtigste Literaturauszeichnung

Der 80-jährige schwedische Lyriker Tomas Tranströmer. Er erhält den Literaturnobelpreis 2011. (picture alliance / dpa / Jurek Holzer)
Der 80-jährige schwedische Lyriker Tomas Tranströmer. Er erhält den Literaturnobelpreis 2011. (picture alliance / dpa / Jurek Holzer)

Der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer erhält den Literaturnobelpreis. Das teilte die Schwedische Akademie in Stockholm mit. Der Preis ist mit 10 Millionen schwedischen Kronen dotiert.

Der 80-jährige Tranströmer ermögliche durch seinen "verdichteten und lichtdurchlässigen Bilder einen neuen Zugang zur Realität", begründete die Jury ihre Entscheidung.

In Schweden und bei den Weggefährten Tranströmers herrscht große Freude über die Entscheidung des Nobel-Komitees. So hält der schwedische Schriftsteller Aris Fioretos die Ehrung Tranströmers für einen "Triumph der Poesie". Im Deutschlandradio Kultur sagte Fioretos:

"Er ist in seinem 80. Lebensjahr, seit 20 Jahren spricht er nicht mehr, er schreibt sehr wenig, wenn überhaupt mehr, und vielleicht hätte man doch gedacht, der Zug wäre schon längst weg. Und jetzt ist er doch Nobelpreisträger, und wir können uns, glaube ich, mit ihm sehr, sehr freuen. Aber was das für die schwedische Literatur betrifft oder bedeutet, das wage ich nicht zu sagen. Ich glaube, es ist eher ein Gewinn für die Literatur überhaupt und vor allem für die Poesie."

Hanser Verlag machte Tranströmer in Deutschland bekannt

Bereits seit langem galt Tranströmer als einer der hoffnungsvollsten Kandidaten auf den Literaturnobelpreis. 1931 in Stockholm geboren, fand Tranströmer mit "17 dikter" ("17 Gedichte"), seinem lyrischen Auftakt im Jahr 1954, nicht nur Eingang in die schwedische Moderne, sondern in die moderne Lyrik überhaupt.

In Deutschland hat sich vor allem der Hanser Verlag um die Verbreitung seines Werkes verdient gemacht. Bereits seit 1981 verlegt Hanser die Werke Tranströmers in Deutschland, so zum Beispiel 2005 den Band "Das große Rätsel".

Hanser-Geschäftsführer Michael Krüger hat Tranströmer als "Autor der Stille" gewürdigt. Im Deutschlandfunk sagte Krüger, er habe die ersten Gedichte von Tranströmer 1969 gelesen. "Die ganze Welt war damit beschäftigt, die Revolution auszurufen und in diesen Lärm kam der Autor der Stille: Tomas Tranströmer." Ähnlich äußerte sich Krüger auch in einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur: Die eigentümlichen Bilder des Schweden hätten ihn von Anfang an fasziniert.

Hanns Grössel hat seit Jahrzehnten Tranströmers Werke ins Deutsche übersetzt. Nachdem der schwedische Lyriker bereits mehrfach für den Preis im Gespräch gewesen sei, habe er nicht mehr mit der Auszeichnung gerechnet, sagt Grössel im Deutschlandfunk.

Auch dem US-amerikanischen Rockpoeten Bob Dylan, dem syrisch-libanesischen Lyriker Adonis, dem japanischen Romancier Haruki Murakami und die Algerierin Assia Djebar waren vor der Bekanntgabe des Preisträgers Chancen eingeräumt worden. Seit Jahren wird auch der amerikanische Schriftsteller Philipp Roth als potenzieller Nobelpreis-Kandidat gehandelt.

Im vergangenen Jahr hatte der Peruaner Mario Vargas Llosa den Preis erhalten. 2009 war die deutsche Schriftstellerin Herta Müller die Preisträgerin.

Der Literaturnobelpreis wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht - dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.


Links auf dradio.de:

"Unbedingt verdient" - Der schwedische Schriftsteller Aris Fioretos zur Verleihung des Literaturnobelpreises an Tomas Tranströmer

"Fazit" vom 6.10.2011: "Er steht meinem Herzen so nah wie kaum einer" - Michael Krüger, Geschäftsführer des Hanser-Verlags über den Nobelpreis für seinen Freund Tomas Tranströmer

"Büchermarkt" vom 6.10.2011: Der Zugang zu Tranströmer ist nicht schwer - Deutscher Übersetzer über den schwedischen Literatur-Nobelpreisträger

Kommentar vom 6.10.2011: Ein großer Tag für Schweden, ein guter Tag für die Literatur

"Kritik" vom 11.7.2005: Entführung in sinnliche Gefilde - Tomas Tranströmer: "Das große Rätsel"


Die in Deutschlandradio Kultur besprochenen Autoren finden Sie in unserer Autoren-Datenbank

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

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