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Lötzsch sagt Teilnahme an Podiumsdiskussion ab

Linken-Vorsitzende debattiert nicht über "Wege zum Kommunismus", hält aber eine Rede

Gesine Lötzsch (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Gesine Lötzsch (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Nach dem Trommelfeuer der öffentlichen und parteiinternen Kritik verzichtet Gesine Lötzsch auf die Teilnahme an einer Diskussionsrunde u.a. mit der Ex-RAF-Terroristin Inge Viett und der DKP-Vorsitzenden. Erklären will sie sich dennoch.

Die Podiumsdiskussion mit dem Titel "Wo bitte geht's zum Kommunismus" findet am Samstag um 18 Uhr bei der Rosa-Luxemburg-Konferenz im Urania-Haus in Berlin statt. Gesine Lötzsch sitzt dort nicht auf dem Podium, hält aber am Abend eine Rede. Über die Absage und weitere Reaktionen zur Kommunismus-Diskussion berichtet Sabine Adler, Deutschlandradio Hauptstadtstudio. (Audio-Beitrag)

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat scharfe Kritik an der Linken-Vorsitzenden geübt. "Eine Partei, die solche Zweifel an ihrer demokratischen Grundorientierung zulässt, kommt als Partner für uns auf Bundesebene nicht in Frage", sagte Gabriel in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Wer glaube, den Kommunismus ausprobieren zu müssen, "dem kann wohl niemand mehr helfen".

Auslöser der Debatte war ein Beitrag der Linken-Vorsitzenden Gesine Lötzsch in der marxistischen Zeitung "Junge Welt". "Die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren, ob in der Opposition oder in der Regierung", heißt es in dem Text. Lötzsch bezeichnete die heftigen Reaktionen auf ihren Beitrag als "hysterisch". Mit dem Stalinismus habe die Partei bereits 1990 unwiderruflich gebrochen, sagte sie bei einem Parteitag der Hamburger Linken.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, erwartet von Lötzsch auf der Konferenz "klare Worte" zu Freiheit und Demokratie.Es müsse "ganz, ganz klar sein", dass Die Linke mit stalinistischen Methoden gebrochen habe, sagte Bartsch im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Der Linken-Politiker erinnerte an die Verbrechen, die im Namen des Kommunismus begangen wurden. Viele Menschen assoziierten den Begriff "mit Stalin, mit Pol Pot, und nicht mit der ursprünglichen Idee von Karl Marx, der eine gerechte, friedliche und von Ausbeutung freie Gesellschaft wollte".

Sachsen-Anhalts Linken-Spitzenkandidat Wulf Gallert nannte die Äußerungen der Parteivorsitzenden eine "unglückliche Formulierung". Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte Gallert: "Der Kommunismus ist weder ihr persönliches Ziel noch Ziel meiner Partei, wir sind demokratische Sozialisten und dabei bleibt es auch."

Führende Linken-Politiker distanzieren sich vom Kommunismus

Auch Linken-Fraktions-Chef Gregor Gysi distanzierte sich von den Äußerungen der Parteivorsitzenden. "Wir sind keine kommunistische Partei, und wir werden auch keine sein", sagte Gysi im Interview mit dem "Tagesspiegel". Der Begriff Kommunismus sei nicht geeignet, um die politischen Ziele der Linken zu erklären, daher werde er nicht im Parteiprogramm auftauchen, so Gysi.

Ähnlich äußerte sich auch der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine. "Wir sind eine reformsozialistische und keine kommunistische Partei", sagte Lafontaine im Gespräch mit "stern.de". Zugleich nahm Lafontaine seine Nachfolgerin Lötzsch in Schutz. Ihr Zeitungsbeitrag sei ein Bekenntnis zum Reformsozialismus. Lötzsch berufe sich darin auf Rosa Luxemburg, die sich "bekanntlich vom Kommunismus, den Lenin predigte, deutlich abgrenzte".

Links zum Thema:

Interview: "Ich bin nicht auf dem linken Auge blind" - Linken-Chefin Lötzsch distanziert sich von Verbrechen im Namen des Kommunismus

Kommentar: Ernst zu nehmende Anbiederung - Linken-Chefin Gesine Lötzsch und der Kommunismus

Interview: "Es gibt in dieser Gesellschaft ungeheuer viele Denkverbote" - Chefredakteur "Neues Deutschland" verteidigt Lötzsch

Beiträge: Kommunismus als Ziel - Linken-Parteichefin Gesine Lötzsch irritiert mit Essay

Interview: "Kommunisten haben bei uns in der Partei einen Platz, aber sie sind nicht mehrheitsfähig" - Linken-Politiker Liebich zum Richtungsstreit in seiner Partei

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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