Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Löw stachelt deutsche Elf mit Wutrede an

Bundestrainer erwartet "Hitzeschlacht" gegen Niederlande

Fußball-Bundestrainer Joachiam Löw bei der Europameisterschaft (dpa / Marcus Brandt)
Fußball-Bundestrainer Joachiam Löw bei der Europameisterschaft (dpa / Marcus Brandt)

Vor dem Fußballklassiker Deutschland gegen die Niederlande hat Bundestrainer Joachim Löw hat die Einstellung einiger Spieler in einer Wutrede beim Abschlusstraining stark kritisiert. Die gezeigte Leistung gegen Portugal (1:0) sei alles andere als europameisterlich. Anpfiff des Spiels in der ukrainischen Stadt Charkiw ist um 20:45 Uhr.

Entscheiden über Sieg oder Niederlage wird die Kondition: Zum Anpfiff (auch im Radio) wurden schwüle Temperaturen um die 30 Grad erwartet. Den Spielern der Fußball-Nationalmannschaft werde beim EM-Spiel gegen die Niederlande in der ukrainischen Stadt Charkiw körperlich alles abverlangt, meint Bundestrainer Joachim Löw. "Vielleicht wird es auch eine Hitzeschlacht, wir müssen an die Schmerzgrenze gehen."

Löw sorgt sich aber nicht nur um die Kondition. Die Einstellung einiger Spieler, die Mannschaftsleistung beim glanzlosen 1:0-Sieg gegen Portugal machen den 52-Jährigen wütend: "80 Prozent reichen nicht", raunzte der Bundestrainer seine Spieler beim Abschlusstraining an. "So geht das nicht. Wenn Ihr morgen wieder nur 80 Prozent gebt, kriegen wir Probleme. Ihr müsst spielen wie in Hamburg!"

Mit "Siegerelf" gegen Niederlande

Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger (dpa / Marcus Brandt)Den Sieg im Blick: Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger (dpa / Marcus Brandt)Hamburg ist sieben Monate her. Im Vergleich zu damals wirkt die deutsche Elf heute wie ausgewechselt. Sie fegten die Niederländer im vergangenen November mit 3:0 vom Platz. Gegen die laut Löw "Weltklasse-Offensive" in Orange läuft die Siegerelf des Portugal-Spiels auf. Mario Gomez, der beim 1:0 gegen Portugal das entscheidende Tor erzielt hatte, erhält im Angriff erneut den Vorzug gegenüber Miroslav Klose. Mit einem weiteren Sieg würde die deutsche Elf dem Viertelfinale einen Schritt näher kommen. "Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können", sagte Spielmacher Bastian Schweinsteiger.

Die deutsche Aufstellung: Neuer - Boateng, Hummels, Badstuber, Lahm - Khedira, Schweinsteiger - Müller, Özil, Podolski - Gomez

Auch für Franz Beckenbauer muss sich das Team noch steigern. "Wenn das Team den Rhythmus findet und sich stabilisiert, wird es sein Ziel erreichen und ins Finale einziehen", sagte Beckenbauer dem Sender Sky Sport News. Für Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann ist dagegen die deutsche Elf reif für den EM-Titel. "Das Potenzial, die spielerische Klasse" spreche für das Team, sagte Klinsmann der "Sport Bild". "Das Wichtigste ist nun, diesen Hunger auf Erfolg zu entwickeln, hartnäckig zu sein. Man braucht ein Stück Leidensfähigkeit."

Fans heiß auf EM-Klassiker

Boris Becker bei seinem Wimbledon-Sieg 1985 (AP Archiv)Boris Becker bei seinem Wimbledon-Sieg 1985 (AP Archiv)Das Stimmungsspiel der Fans haben die Niederländer für sich entschieden. Tausende tauchten Charkiw in "Oranje". Ein Fan in schwarz-rot-gold sagte: "Das ist wie ein Auswärtsspiel". Boris Becker schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Heute Abend ist Familienkrieg! Deutschland gegen Holland .... Bitte Jogi, nominiere die RICHTIGEN Spieler! Wir dürfen heute NICHT verlieren...." Beckers Ehefrau Sharlely wurde in Rotterdam geboren.

Schicksal von Timoschenko

Während tausende Niederländer ein Wohnwagendorf aufbauten, reisten viele deutsche Fans erst kurzfristig an. Ein Anhänger der deutschen Elf begründete das mit der "Panikmache über die Städte in der Ukraine", gerade im Kontext der in Charkiw inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte deutsche Fans, Timoschenkos Schicksal nicht zu vergessen.

Die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko (picture alliance / dpa / Sergey Dolzhenko)Ukraines Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko verbüßt in Charkiw eine Haftstrafe (picture alliance / dpa / Sergey Dolzhenko)Unter den Last-Minute-Anreisenden war auch eine Gruppe der Grünen. Sie wollte Timoschenko während des Spiels im Gefängnis besuchen. Auf halber Strecke kehrte die Lufthansa-Maschine von Frankfurt nach Kiew um; sie sei "angeblich auf halber Strecke vom Blitz getroffen" worden, sagte der Grünen-Europaparlamentarier Werner Schulz. "Da stellt sich mir die Frage, warum wir die halbe Strecke wieder zurückgeflogen sind, statt die zweite Hälfte zu absolvieren. Das wäre doch genauso weit gewesen." Andere EU-Abgeordneter aus beiden Ländern guckten das Spiel demonstrativ gemeinsam.

Die Stimmung in der Stadt war von Krawallen wie am Vorabend in Warschau rund um das Spiel zwischen Polen und Russland (1:1) weit entfernt: Dort nahm die Polizei nach eigenen Angaben 184 Hooligans fest - 180 Menschen wurden verletzt. Polens Innenminister Jacek Cichocki sprach vom "bislang größten Sicherheitsproblem" bei der Europameisterschaft.

Auch die deutsch-niederländischen Beziehungen bergen Brisanz. Bei vielen Niederländern ist die Erinnerung an die Besatzung der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg präsent. Bundespräsident Joachim Gauck hatte kürzlich an dieses Kapitel der Geschichte erinnert. Heute, bei Temperaturen über 30 Grad, teilen sich die Fans beider Nationen in der Ukraine zumindest die Sonnenmilch.


Programmhinweise:
- Ex-Nationalspieler Thomas Hitzelsperger morgen gegen 8:40 Uhr im Interview auf Deutschlandradio Kultur.
- In unserem Livestream können Sie das Spiel Deutschland gegen die Niederlande ab 20:40 Uhr mitverfolgen. Weitere Informationen auf dem Portal UEFA EM 2012.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Rock et cetera

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Interpretationen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

SPD-Parteitag in Dortmund"Überdruss an der Großen Koalition"

Der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende, Martin Schulz (r), besichtigt am 24.06.2017 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) zusammen mit SPD-Generalsekretär Hubertus Heil die Westfalenhalle für den SPD-Parteitag. Die Sozialdemokraten wollen am 25.06.2017 auf dem Parteitag ihr Wahlprogramm für die Bundestagswahl beschließen. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Die SPD müsse wieder die spezifisch sozialdemokratischen Politikangebote in den Vordergrund rücken, sagte der Historiker Peter Brandt mit Blick auf den heutigen Parteitag. Bei den Anhängern der SPD und in der Bevölkerung sehe er gleichermaßen ein starkes Bedürfnis nach einem Ende der Großen Koalition.

"Die Temperatur des Willens" beim Filmfest MünchenLegionäre Christi mit Führungsproblemen

(picture alliance / dpa / Mauro Paola)

"Die Temperatur des Willens" bietet Einblicke in das Leben des Ordens der Legionäre Christi. Regisseur Peter Baranowski berichtet von einer Welt, die mit der Aufdeckung zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs durch den Ordensgründer tief erschüttert wurde.

Rätseln Sie mitEin betagter Herr

Geschäftsmann auf einer Treppe schaut durch ein Fernrohr auf Vögel in einem Fragezeichen. (imago)

Das gesuchte Wort hat sechs Buchstaben, drei Silben und bezeichnet eine Ägyptische Gottheit aus der Zeit der Pyramiden. Der Herr, um den es hier geht, hat also schon ein paar Tausend Jahre auf dem Buckel.

documenta 14"So etwas gab es in Griechenland noch nie zuvor"

Ausstellung von Andreas Angelidakis bei der documenta 14 in Athen: graue Blöcke sind in einem Raum gestapelt (dpa / Alexia Angelopoulou)

Mit der documenta 14 in Athen habe die griechische zeitgenössische Kunst plötzlich die internationale Bühne betreten, sagte die Leiterin des Athener documenta-Büros, Marina Fokidis, im Dlf. Sie hatte die "Kunsthalle Athena" zum Klimax der griechischen Finanzkrise initiiert, begleitet von der Wut auf Deutschlands Spardiktat - denn: "Künstler werden stärker in Zeiten der Krise".

Rolf Peter Sieferle und sein "Finis Germania"Eine "fahrlässige und hysterische" Debatte

(picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Die Schrift "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle hat eine Phalanx von Kritikern auf den Plan gerufen. Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski verteidigt den Autor, auch wenn er dessen Positionen nicht teilt - und kritisiert die Kritiker scharf.

HIV-Infektionen in ChinaGefahr im Goldenen Dreieck

(picture alliance / dpa)

Ein Viertel der neuen HIV-Infektionen in China wird aus Yunnan im Südwesten des Landes gemeldet. Die Provinz grenzt an das berüchtigte Goldene Dreieck: eine Region, die als größte Produktionsstätte für Heroin gilt. Die Bewohner wissen kaum etwas über die Ansteckungsgefahr durch das Virus, nur wenige Betroffene erhalten Hilfe.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

SPD-Parteitag  Delegierte billigen Wahlprogramm | mehr

Kulturnachrichten

"OST"-Zeichen auf Volksbühne ist weg  | mehr

 

| mehr