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Lothar Bisky gestorben

Früherer Linkspartei-Chef wurde 71 Jahre alt

Lothar Bisky führte die Partei bis 2010. (AP)
Lothar Bisky führte die Partei bis 2010. (AP)

Niemand hat die PDS und die Linke so lange geführt wie er: Der Gründungsvorsitzende der Partei Die Linke, Lothar Bisky, ist tot. Das teilte Linken-Fraktionschef Gregor Gysi in Berlin mit.

<p>Bisky sei im Alter von 71 Jahren gestorben, sagte Gysi. Zugleich drückte er seine "tiefe Trauer" über den Tod seines Weggefährten aus. Bisky war von 2007 bis 2010 zusammen mit Oskar Lafontaine Gründungsvorsitzender der Partei. Bis 2012 war er Mitglied im Europäischen Parlament und dort Vorsitzender seiner Fraktion. Die genaue Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben.<br /><br />Seine politische Laufbahn begann 1963 mit dem Eintitt in die SED. Er hatte die Nachfolgepartei PDS jahrelang angeführt und die Vereinigung mit der WASG vorangetrieben.<br /><br />Bisky galt als pragmatisch. In einem seiner letzten großen Interviews im Februar rief er seine Partei in der "Zeit" auf, nach der Bundestagswahl im September ein Bündnis mit SPD und Grünen einzugehen und dafür bestimmte Positionen zu überdenken. Ein rot-rot-grünes Bündnis wäre "eine Chance für die Linke, aus ihrer Enge herauszukommen", hatte Bisky argumentiert.<br /><br /></p><p><strong>Brückenbauer und Mahner</strong></p><p>Parteiübergreifend rief der Tod Betroffenheit aus. Der Vorsitzende des Europaparlaments, der SPD-Politiker Martin Schulz, nannte Bisky via Twitter einen menschlich großartigen Kollegen:<br /><blockquote class="twitter-tweet"><p>Tief bestürzt über Tod von Lothar Bisky, einen menschlich großartigen Kollegen. Schwerer Verlust für die pragmatische Linke Europas.</p>— Martin Schulz (@MartinSchulz) <a href="https:twitter.com/MartinSchulz/statuses/367294570897616896">August 13, 2013</a></blockquote><br /><script async src="https:platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>"Wir trauern um einen von uns geschätzten Kollegen, dem es als Vorsitzender der PDS und später der Linkspartei am Herzen lag, mit seinem Politikstil Brücken zu bauen", erklärten die beiden Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, "auch wenn wir für unterschiedliche politische Ziele eingetreten sind, habe ich an Lothar Bisky seine Kollegialität, seine Verbindlichkeit und seine Liebe zur Kultur geschätzt". Linken-Politiker Dietmar Bartsch lobte Bisky <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="257775" text="im Deutschlandfunk" alternative_text="im Deutschlandfunk" /> als einen "feinen Menschen", der ein "unheimlich toller Ratgeber" gewesen sei.<br /><br /></p><p><strong>In armen Verhältnissen aufgewachsen</strong></p><p>Lothar Bisky wurde am 17. August 1941 in Zollbrück im Kreis Rummelsburg/Hinterpommern geboren. 1947 mit seiner Familie vertrieben, wuchs er als Flüchtlingskind unter ärmlichen Verhältnissen in Schleswig-Holstein auf. Sein Vater war Hilfsarbeiter, seine Mutter Putzfrau. Als 18-Jähriger ging er 1959 in die DDR, weil er sich dort eine bessere Zukunft versprach. Bisky studierte Philosophie und Kulturwissenschaften, später promovierte und habilitierte er. 1986 erhielt er einen Ruf auf die Professur für Film- und Fernsehwissenschaft an der Hochschule Potsdam und übernahm deren Leitung als Rektor.<br /><br />Bisky war stets ein Mittler zwischen den Flügeln seiner Partei. Er galt als kultivierter, kluger Mann, schlechter Redner, guter Zuhörer und bekennender Marxist - warmherzig und stur. Lange genug habe er "das Leben eines Vorsitzenden geführt, es genossen und verflucht", sagte er vor seinem Abschied. Den erbitterten Machtkampf im vergangenen Jahr analysierte er mit den Worten, seine Partei sei "von einer Art ideologischer Schweinegrippe befallen". Nach seinem Abgang als Parteichef blieb Bisky zunächst Fraktionschef der Linken im Europaparlament. Im März 2012 gab er auch diesen Posten auf. Er sei in einem Alter, in dem er nicht mehr die Zukunft verkörpere, sagte er damals zur Begründung. Und: "Meine Gesundheit wird nicht besser."<br /><br /><a class="twitter-timeline" href="https:twitter.com/search?q=Bisky" data-widget-id="367557535357599745">Tweets über "Bisky"</a><br /><script>!function(d,s,id){var js,fjs=d.getElementsByTagName(s)[0],p=/^http:///.test(d.location)?'http':'https';if(!d.getElementById(id)){js=d.createElement(s);js.id=id;js.src=p+":platform.twitter.com/widgets.js";fjs.parentNode.insertBefore(js,fjs);}}(document,"script","twitter-wjs");</script><br /><br /><em>Äußerungen von Lothar Bisky auf dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="124481" text="Lothar Bisky sieht keine Annäherung an SPD" alternative_text="Lothar Bisky sieht keine Annäherung an SPD" /> - Linke-Chef in Interview der Woche des Deutschlandsfunks<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="69092" text="&quot;Bis heute sind Fehler da, die ich nicht akzeptieren kann&quot;" alternative_text="&quot;Bis heute sind Fehler da, die ich nicht akzeptieren kann&quot;" />- Der ehemalige Linke-Chef fordert eine differenziertere Sicht auf die DDR<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="99068" text="Wächst zusammen, was eigentlich zusammengehört?" alternative_text="Wächst zusammen, was eigentlich zusammengehört?" />- Das schwierige Verhältnis der Linken in Deutschland</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

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