Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Machtkampf in der Linkspartei spitzt sich zu

Zwei Frauen gegen Dietmar Bartsch

Die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen (links) und Bundesvize Katja Kipping
Die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen (links) und Bundesvize Katja Kipping (picture alliance / dpa / Soeren Stache / Jens Wolf)

<papaya:link href="http://www.facebook.com/deutschlandfunk/posts/373891862667532" text="" title="" target="_blank" />Personalfragen wollte die Linke eigentlich vermeiden, um in der Wählergunst nicht noch weiter abzustürzen. Nun tobt aber ein offener Machtkampf um die Parteiführung. Dietmar Bartsch besiegte zwar Oskar Lafontaine, soll aber nicht kandidieren dürfen. Eine weibliche Doppelspitze fordert ihn heraus.

Die Linken befürchten ein Auseinanderbrechen ihrer Partei und doch setzen sie auf eine Kampfabstimmung um die Parteispitze. Nachdem Oskar Lafontaine freiwillig aus dem Ring stieg, bleiben zunächst sein Gegner Dietmar Bartsch und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann übrig. Bartsch solle sich nach einem erbitterten Kräftemessen zurückziehen, fordert Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow. Tut Bartsch dies, entscheiden Frauen die Führungsfrage unter sich.

So kandidieren die stellvertretende Linke-Vorsitzende Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen für eine weibliche Doppelspitze. Sollten auch Bartsch und Zimmermann antreten, beantworten die Führungsfrage die Delegierten auf dem Göttinger Parteitag am 2. und 3. Juni.

Erfahrung oder Generationenwechsel

Wagt er sein Comeback in der Bundespolitik? Oskar Lafontaine, Linke"Napoleon von der Saar": Oskar Lafontaine arbeitet jetzt weiter als Fraktionschef im Saarbrücker Landtag (picture alliance / dpa / Oliver Dietze)Bei den Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sind die Linken aus dem Landtag geflogen; herbe Verluste im Saarland steckte sie unter Lafontaine ein, der das kleinste Bundesland als SPD-Ministerpräsident regiert hatte. Nach den drei Wahldebakeln ist der Druck auf den neuen Vorsitz nun dementsprechend hoch.

Einen "Aufbruch in Richtung einer neuen, nicht-autoritären Linken", forderten Kipping und Schwabedissen in einer gemeinsamen Erklärung. Die Schrift trägt den Titel "Weil das Wünschen nicht geholfen hat" und wird auch von vier weiteren Linken unterstützt. Sie hätten lange für einen Konsens geworben, schreiben sie. "Die Polarisierung droht mittlerweile die Partei zu zerreißen. Wir weigern uns, dieser Logik zu folgen und stellen uns jetzt zur Wahl für den Parteivorstand."

Kipping ist Ende letzten Jahres Mutter geworden; die 34-Jährige hat ihre Babypause gerade erst hinter sich. Schwabedissen ist fünf Jahre älter; die Spitzenkandidatin in NRW wollte nach dem Scheitern eigentlich wieder in den Krankenschwesterberuf zurückkehren. "Wir haben sehr verschiedene Biographien und sind in vielen politischen Fragen durchaus nicht immer einer Meinung", heißt es in ihrer Erklärung. Diese Widersprüche verstehen sie als Gewinn. "Wir wollen in der langen Erzählung der Linken ein neues Kapitel aufschlagen."

Weder Sieger noch Besiegte

Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer der LinksparteiDietmar Bartsch, Linke-Fraktionsvize im Bundestag (AP Archiv)Es dürften weder Sieger noch Besiegte zurück bleiben, sagte Ramelow der "Berliner Zeitung". Er legte Dietmar Bartsch, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag, nahe, auf die Kandidatur für den Parteivorsitz zu verzichten und sich für den Posten des Bundesgeschäftsführers zu bewerben. Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Ulrich Maurer, sagte im Deutschlandfunk: "Also ich werde alles wählen und alles gut finden, was jung ist, was vornehmlich weiblich ist, weil ich finde, die Böcke haben in dieser Partei jetzt schon genug Schaden angerichtet und sollten sich vom Acker machen (...) Wir brauchen jetzt einen Neuanfang, wir brauchen auch früher als gedacht einen Umbruch in den Generationen".

Bartsch hält partout an seiner Bewerbung fest. "Ich habe vor sechs Monaten meine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt und rücke davon auch nicht ab", sagte er, "es sei denn, es gibt völlig neue Bedingungen oder es trifft mich ein Ziegelstein". Der 54-Jährige will sich für eine "Veränderung der Gesellschaft hin zum demokratischen Sozialismus" einsetzen.

"Westausdehnung beendet"

Lafontaine sagte, er habe seine Kandidatur zurückgezogen, weil "die Konflikte weiter eskaliert sind". Besonders in den ostdeutschen Landesverbänden war eine mögliche Rückkehr des 68-Jährigen kritisch gesehen worden. Mit seinem Rückzieher ist nun nach Ansicht des saarländischen SPD-Chefs Heiko Maas die "Westausdehnung der Linken damit beendet".

Die Linkspartei wurde am 16. Juni 2007 gegründet. In ihr vereint sind zwei linke Parteien: die WASG im Westen und den mitgliederstärksten Flügel der SED-Nachfolgepartei PDS im Osten. Die aktuelle Führungsdebatte nahm mit dem Rücktritt von Gesine Lötzsch als Parteichefin neben Klaus Ernst ihren Lauf.


Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite über Lafontaines Rückzug: Was verbinden Sie mit dem Mann, der Kanzler werden wollte, es nicht geschafft hat - und doch seit mehr als dreißig Jahren Deutschland mitgeprägt hat?

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

RusslandAbrechnung mit alter Heimat

Yuriy Gurzhy (l) und der Autor Wladimir Kaminer haben die Reihe Russendisko gegründet.

Handelsbeschränkungen hätten noch nie etwas zum Positiven in der Welt gewendet, kritisiert der russischstämmige Autor Wladimir Kaminer. Die Katastrophe in der Ukraine sei einer "Kette von politischen Fehlentscheidungen" Putins geschuldet.

SiemensEin Riese vor dem Umbau

Schild mit Aufschrift "Siemens" auf einem Gebäude

Siemens steht vor einem massiven Umbau. Vorstandschef Joe Kaeser will die Struktur des Industriekonzerns zerschlagen, das Unternehmen schlanker machen, das angekratzte Image aufbessern. Doch die Mitarbeiter sind verunsichert. Denn von dem Umbau sollen laut IG Metall Tausende Stellen betroffen sein.

Katharina Wagner"Kann ich nicht kommentieren"

Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, bei einer Pressekonferenz vor Beginn der Bayreuther Festspiele im vergangenen Jahr.

Wie fast jedes Jahr sorgen die Bayreuther Festspiele für kontroverse Diskussionen. Die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Katharina Wagner, zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt und reagiert gelassen auf persönliche Vorwürfe.

PolenStreit über Kulturboykott gegen Russland

Der polnische Premier Donald Tusk (r) und der damalige Ministerpräsident Russlands, Wladimir Putin, während einer Pressekonferenz am 1.9.2009

Die Absage des polnischen Kulturjahres 2015 in Russland hat in Polen eine Debatte über die Sinnhaftigkeit eines Kulturboykotts ausgelöst. Rechtskonservative zeigen sich mit dem Schritt zufrieden, linksliberale Kritiker sehen darin ein Eigentor der Polen.

Frage des TagesBringt das Netz den deutschen Antisemitismus ans Licht?

Ein Hakenkreuz und ein durchgestrichener Davidstern sind am 09.06.2013 an einer Gedenkstätte am Nordbahnhof in Berlin zu sehen.

In Online-Foren hierzulande sorgt der israelische Gazafeldzug für Aufregung. Artikel darüber werden heftig diskutiert, häufig gemischt mit Israel-Hass und Antisemitismus. Die Linguistin Monika Schwarz-Friesel erforscht das Phänomen.

DDR-MusikVon AG.Geige bis Zwitschermaschine

Die Schallplatte "Silly - Bataillon D'Amour" des VEB Deutsche Schallplatten Berlin "Amiga", erschienen 1986

Bands wie Karat, Silly oder Pankow sind auch heute noch vielen Menschen ein Begriff, auch einigen, die nicht in der DDR aufgewachsen sind. Wer es genauer wissen will, kann in Götz Hintzes "Rocklexikon der DDR" nachschlagen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ukraine-Konflikt: G 7-Staaten  drohen Russland mit weiteren Sanktionen | mehr

Kulturnachrichten

Reporter ohne Grenzen:  Russland behindert mit Internetgesetz Medien | mehr

Wissensnachrichten

Pilotprojekt  Briten können ab 2015 fahrerlose Autos testen | mehr