Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Männer, Macht und Frauenquoten

Der berufliche Geschlechterkampf steht vor einer neuen Runde

Von Brigitte Scholtes

Armdrücken zwischen Mann und Frau (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)
Armdrücken zwischen Mann und Frau (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)

Fast 1000 Männern in deutschen Vorstandsetagen stehen 29 Frauen gegenüber. Die Politik fordert eine Frauenquote per Gesetz, um das Ungleichgewicht zu ändern. In deutschen Unternehmen findet bereits ein Umdenken statt - wenn auch nur mit sehr kleinen Schritten.

Es geht aufwärts für die Frauen in der Wirtschaft – aber nur mit sehr kleinen Schritten. 3,2 Prozent der Vorstandssitze in den 200 größten deutschen Unternehmen hatten sie im vergangenen Jahr inne. 2,5 Prozent waren es 2009. So steht es in der jüngsten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das seit einigen Jahren diese Zahlen erhebt. Konkret sind das immer noch nur 29 von 906 Vorstandsposten, die in weiblicher Hand sind. Betrachtet man die großen DAX-30-Konzerne, so sinkt die Quote sogar auf 2,2 Prozent. Eine dieser Vorstandsfrauen ist Brigitte Ederer, die im Juli vergangenen Jahres im Siemens-Vorstand die weltweite Personalverantwortung übernommen hat. Einige Wochen nach Amtsantritt beschrieb sie im Bayerischen Rundfunk, welche Fähigkeiten eine Frau für einen Aufstieg ins Topmanagement mitbringen muss.

"Das hat was damit zu tun, dass man ungefähr selber weiß, wohin man will. Das hat damit was zu tun, dass man letztendlich diesen Weg auch konsequent beschreitet und nicht ablässt von dem Weg, und der Mut, so lange zu fragen, bis man es verstanden hat."

Die Unternehmen als auch Unternehmensberater geben sich auffällig einsilbig, wenn es um die Frage nach Frauen in Führungspositionen geht. Immerhin hatte im Frühjahr vergangenen Jahres die Deutsche Telekom eine Frauenquote eingeführt. Inzwischen seien sechs statt wie zuvor nur zwei Frauen im Managementteam, unterhalb des Konzernvorstands vertreten, dem aber insgesamt 60 Mitglieder angehören. Ganz oben aber wird eben die Luft dünn. Und das hat einen wesentlichen Grund, meint Heiner Thorborg, Headhunter aus Frankfurt.

"Es kann nicht sein, dass ein Chef sagt, ich richte jetzt eine Diversity-Abteilung ein und setze da eine Frau drauf, die kümmert sich dann darum, dass wir hier Geschlechtervielfalt kriegen, und sich dann nicht mehr drum zu kümmern. Der Chef muss sich selbst kümmern, nur dann wird es funktionieren. Aber dann funktioniert es auch!"

Denn nur der Chef kann etwa auch seine Personalabteilung davon überzeugen, dass die Lebensläufe von Männern und Frauen eben unterschiedlich zu beurteilen sind. Brüche wegen Kindererziehung gibt es häufig nur bei den Frauen. Mehr Frauen in den oberen Managementetagen aber würde sich lohnen. Studien zeigen, dass Unternehmen, in denen der Vorstand gemischt zusammengesetzt ist, kreativer, erfolgreicher und profitabler sind. Das hätten inzwischen auch viele, gerade große Konzerne begriffen, meint der Headhunter.

"Sie haben leider die letzten zehn Jahre sehr wenig getan, das hat dann auch den Unmut natürlich verursacht. Ich sage Ihnen, in fünf Jahren sieht die Welt in Deutschland schon ganz anders aus. Die Unternehmen haben es begriffen, und die es noch nicht begriffen haben, werden es jetzt in nächster Zeit auch begreifen."

Zum Thema Frauenquote auf dradio.de:

"Ich weiß es, Frauen haben nicht die gleichen Chancen" - Renate Künast wirft Ursula von der Leyen Trittbrettfahrerei vor

Koch-Mehrin plädiert für gesetzliche Frauenquote in Unternehmen

"Ohne gesetzliche Regelung werden wir da leider nicht weiterkommen" - Geschäftsführerin des Verbands deutscher Unternehmerinnen zu Frauenquote in Aufsichtsgremien

"Die große Streitfrage" - CSU-Parteitag votiert für Frauenquote

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Rang 1

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Per Molander: "Die Anatomie der Ungleichheit"So entsteht Armut - und setzt sich fort

Vordergrund: Buchcover von Per Molanders "Die Anatomie der Ungleichheit". Hintergrund: Ein Mann kniet auf einem belebten Bürgersteig und bettelt. (Westend Verlag, dpa picture alliance/ Markus C. Hurek)

Je ungleicher eine Gesellschaft ist, desto ineffizienter ist sie auch. Diese These kann der Mathematiker Per Molander in "Die Anatomie der Ungleichheit" eindrucksvoll belegen. Und hat auch Vorschläge, wie sich der Mangel reduzieren lässt.

Sexismus-Debatte"Wir reden über Sexismus ja schon seit 50 Jahren"

Ein Smartphone mit dem Hashtag "#MeToo" (dpa-Zentralbild)

Kompliment oder sexistische Bemerkung? Der Fall der Staatssekretärin Sawsan Chebli hat eine erneute Sexismus-Debatte in Gang gesetzt. Die Soziologin Sabine Hark sagte im Dlf, noch immer werde nur Männlichkeit mit Kompetenz konnotiert - Weiblichkeit jedoch nicht. Auf diese Zuschreibungen habe auch die Sprache Einfluss.

Kunstauszeichnung in BerlinAgnieszka Polska bekommt Preis der Nationalgalerie

(© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy Zak Branicka Galerie, Berlin and OVERDUIN & CO., LA)

Der Preis der Nationalgalerie 2017 geht an die in Berlin lebende polnische Künstlerin Agnieszka Polska. Unser Kunstkritiker Carsten Probst begrüßt die Entscheidung: Polska habe als einzige der Nominierten einen völlig eigenständigen künstlerischen Stil hervorgebracht.

Nach der Wahlschlappe der UnionKanzlerin fernab ihres Volkes

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Hände zu einer Raute geformt. (dpa picture alliance/ Michael Kappeler)

Die CDU muss sich erneuern. Das habe nicht zuletzt der Rücktritt von Sachsens Ministerpräsident Stanislav Tillich gezeigt, kommentiert unser Hauptstadtkorrespondent Volker Finthammer. Aber ist Angela Merkel dafür die richtige Vorsitzende?

Eine Lange Nacht über die Gruppe 47Das Wirtschaftswunder der Literatur

Heinrich Böll, Ilse Aichinger und Günther Eich 1952 während der Tagung der Gruppe 47 (v.lks).  (picture alliance / dpa)

Die Gruppe 47 ist ein Mythos geworden. Autoren wie Günter Grass oder Hans Magnus Enzensberger wurden durch sie berühmt und bestimmten die gesellschaftspolitische Diskussion.

Sondierungsgespräche"An der Union wird Jamaika nicht scheitern"

Der CDU-Europaabgeordnete Daniel Caspary. (Europäische Union / Fabry)

Am Freitag fanden die ersten Sondierungsgespräche von Union, FDP und Grünen statt. Der CDU-Europapolitiker Daniel Caspary zeigte sich im Dlf zuversichtlich, dass die Verhandlungen erfolgreich enden können. "Rumpeln" werde es vor allem bei Wirtschaftsthemen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Spanien  Rajoy leitet Entmachtung der katalanischen Regierung ein | mehr

Kulturnachrichten

Tanzschritte sollen Weltkulturerbe werden | mehr

 

| mehr