Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mailanbieter zur Verschlüsselung macht dicht

Snowden soll über Lavabit kommuniziert haben

Über 400.000 Nutzer zählt der E-Mail-Dienst Lavabit. Edward Snowden soll einer von ihnen sein (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
Über 400.000 Nutzer zählt der E-Mail-Dienst Lavabit. Edward Snowden soll einer von ihnen sein (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

In den letzten Wochen soll der Whistleblower Edward Snowden den Anbieter Lavabit zur Verschlüsselung seiner Mails genutzt haben. Gestern schloss Lavabit überraschend seinen Dienst - offenbar wegen massiven Drucks von US-Behörden.

<p>Laut der Nachrichtenagentur Reuters nutzte Snowden während seines mehrwöchigen Aufenthaltes auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo Lavabit zur Kommunikation. Nun macht Lavabit überraschend dicht. Besitzer Ladar Levison veröffentlichte auf der Homepage des E-Mail-Dienstes <papaya:link href="http://lavabit.com/" text="eine Mitteilung" title="eine Mitteilung" target="_blank" />. "Ich sehe mich gezwungen, eine schwierige Entscheidung zu fällen – entweder mitschuldig an Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu werden oder zehn Jahre harte Arbeit aufzugeben und Lavabit zu schließen", so Levison. <br /><br />Lavabit entschied sich für die Schließung. Allerdings dürfe er nichts über die Ereignisse der vergangenen sechs Wochen sagen, die ihn zu diesem Entschluss geführt hätten, so Levison. Dieser Zeitraum deckt sich mit dem Moment, in dem der Whistleblower Edward Snowden seine Informationen über das breite Überwachungsprogramm des US-Geheimdienstes NSA enthüllte. Dass ein US-Unternehmen lieber seine Dienste einstelle, als Informationen an Behörden weiterzugeben, sei ein seltener, vielleicht sogar ein einzigartiger Fall, sagte der Anwalt Kurt Opsahl, der die Bürgerrechtsgruppe Electronic Freedom Foundation in San Francisco vertritt.<br /><br />Lavabit bietet seinen Nutzern eine Verschlüsselung ihrer E-Mails an. Ein Zugriff auf die Nachrichten soll nur mit einem Passwort möglich sein. Die Erklärung zur Schließung auf der Lavabit-Homepage legt eine Vermutung nahe: Möglicherweise versuchten die US-Behörden, auf die E-Mails von Edward Snowden beziehungsweise Schlüssel zu seinem Postfach zuzugreifen. Möglicherweise ging es den Behörden auch um einen Zugang zu den gesamten Daten der rund 400.000 Lavabit-Kunden.<br /><br /></p><p><strong>Auch zweiter verschlüsselter E-Mail-Anbieter schließt seinen Dienst</strong></p><p>Lavabit-Besitzer Levison sprach in seiner Mitteilung von einer "wichtigen Lektion", die ihm die jüngsten Erfahrungen erteilt hätten: Solange der US-Kongress und die Justiz nicht reagieren, könne er nur jedem dringend davon abraten, seine privaten Daten einem Unternehmen anzuvertrauen, das direkte Beziehungen zu den USA habe.<br /><br />Was die Schließung von Lavabit für andere ähnliche Dienste bedeutet, wurde noch am Donnerstagabend deutlich. Das Unternehmen Silent Circle kündigte an, dass es seine E-Mail-Dienste einstellen werde. Zwar habe es bis jetzt keinerlei Druck von Behörden gegeben. Doch "die Gründe sind offensichtlich: Je weniger wir von Ihren Informationen besitzen, desto besser ist es für Sie und für uns", schrieb Silent Circle <papaya:link href="https:silentcircle.com/?lang=de" text="auf seiner Webseite." title="auf seiner Webseite." target="_blank" /><br /><br /><blockquote class="twitter-tweet"><p>We made the business decision to end our Silent Mail Service - See our Blog post by CTO Jon Callas for more details <a href="http://t.co/8Ed8rRA6rX">http://t.co/8Ed8rRA6rX</a></p>— Silent Circle (@Silent_Circle) <a href="https:twitter.com/Silent_Circle/statuses/365663725530787840">August 9, 2013</a></blockquote><br /><script async src="platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br /><br /></p><p><strong>"Extrem bemerkenswert und achtenswert"</strong></p><p> <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="257247" text="Im Deutschlandfunk bezeichnete der FDP-Netzexperte Jimmy Schulz" alternative_text="Im Deutschlandfunk bezeichnete der FDP-Netzexperte Jimmy Schulz" /> das Verhalten des Lavabit-Chefs als "absolut ehrenhaft". Zugleich rief er alle Nutzer dazu auf, ihre E-Mails selbst zu verschlüsslen. Erst dann könne ein Provider nicht mehr unter Druck gesetzt werden, etwas herauszugeben. <br /><br /></p><p><strong>Steigende Nachfrage</strong></p><p>Seit den Enthüllungen über die Ausspähung durch die NSA ist das Interesse an Programmen zur Verschlüsselung von E-Mails deutlich gestiegen. So verschlüsseln immer mehr Nutzer ihre Nachrichten mit dem PGP-Standard (Pretty Good Privacy), berichtet <papaya:link href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/nsa-ueberwachung-verschluesseln-sie-doch-selbst-wie-millionen-andere-a-915647.html" text="Spiegel Online" title="Spiegel Online" target="_blank" />. Für den Zeitraum vom 1. Juni bis zum 8. August 2013 sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Verdreifachung zu verzeichnen.<br /><br /></p><p><strong>Die NSA surft mit</strong></p><p>Auch das Interesse an Techniken zur Anonymisierung des Surfverhaltens sei gestiegen, schreibt die Informatikerin Constanze Kurz in der <papaya:link href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/aus-dem-maschinenraum/verschluesselung-angriff-auf-die-anonymitaet-im-netz-12452293.html" text="&quot;Frankfurter Allgemeinen Zeitung" title="FAZ" target="_blank" />. "Tor" sei ein Anonymisierungsnetzwerk, das Diensten und Strafverfolgern ein besonderer Dorn im Auge sei, so Kurz. "Tor" ermögliche es selbst technisch wenig versierten Nutzern ihre Wege durch das Netz zu verschleiern. Das Verfahren erlaubt auch, die Standorte von Servern unkenntlich zu machen. Vergangene Woche reagierte das FBI – vermutlich mit Unterstützung der NSA, wie Constanze Kurz glaubt. "Freedom Hosting", ein Anbieter, der viele verborgene Server enthielt, war zeitweise offline. Als die Internetseiten wieder ans Netz gingen, waren sie mit einer kleiner Schadsoftware versehen - die betroffenen Nutzer waren damit enttarnt.<br /><br /><div style="margin:0 10px 10px 0; padding: 1em; background-color: #D3D4CF; text-align:left"><strong>NSA entlässt Großteil seiner Systemadminstratoren</strong><br /><br />Nach den Enthüllungen des US-Whistleblowers Edward Snowden greift der amerikanische Geheimdienst NSA zu drastischen Mitteln. Wie der US-Fernsehsender CNBC berichtet, sollen 90 Prozent aller Systemadministratoren entlassen werden. Das habe NSA-Chef Keith Alexander auf einer Sicherheitskonferenz in New York gesagt. Derzeit beschäftigt die NSA rund 1.000 Systemadministratoren. Weil die NSA unbedingt einen zweiten Fall Edward Snowden verhindern möchte, sollen die Aufgaben so weit wie möglich automatisiert werden. Das Ziel dabei ist: Künftig sollen deutlich weniger Mitarbeit Zugang zu sensiblen Daten haben. <br /><br />Systemadministratoren sind für die Verwaltung von Computernetzwerken zuständig. Der IT-Spezialist Edward Snowden hatte einen weitreichenden Zugriff auf sämtliche Daten, die über die Netzwerke der NSA liefen, viel breiter als ein "durchschnittlicher Angestellter", wie Snowden der Zeitung "The Guardian" gesagt hatte. Erst durch diesen Gesamtblick habe er erkannt, dass einige der Aktivitäten einen Missbrauch darstellen.</div></p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:30 Uhr Forschung aktuell

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Röttgen zu Trump "Der Westen kommt in seinem Denken nicht vor"

Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages (CDU).  (dpa / picture alliance / Karlheinz Schindler)

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen erkennt in den Interview-Äußerungen des künftigen US-Präsidenten Donald Trump vor allem eines: Protektionismus. Darin liege eine Gefahr, sagte Röttgen im DLF. Denn ein Resultat sei außenpolitischer Rückzug. Die gegen deutsche Unternehemen ausgesprochenen Drohungen seien durchaus ernstzunehmen.

Philosoph Carlo StrengerFreiheit ist ein Abenteuer, das auch weh tut

Blick auf die Freiheitsstatue vor dunklen Wolken. (picture alliance / dpa / Klaus Nowottnick)

Der Psychologe und Philosoph Carlo Strenger wirft immer wieder einen kritischen Blick auf die westliche Welt. Seine Überzeugung: Wir sind zu satt und zu bequem. Seine Antwort: das Leben in seiner "tragischen Struktur" begreifen - und bewusst gestalten.

Wohntrend "Hygge"Die neue Gemütlichkeit

In Köln startet die Internationale Möbelmesse imm. Der Blick in die Kristallkugel der Wohntrends zeigt: Angesagt ist gerade vor allem ein ganz bestimmtes Wohnkonzept aus Dänemark: Hygge (sprich: Hühge).      

DGB im Wahljahr"Der soziale Zusammenhalt steht auf dem Spiel"

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann (Imago)

DGB-Chef Reiner Hoffmann hat eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer und höhere Steuern auf große Einkommen gefordert. "Arm bleibt arm, reich wird reicher" - gegen diesen Trend müsse etwas getan werden, sagte Hoffmann im Deutschlandfunk.

Kongress europäischer RechtspopulistenIm Abwehrkampf gegen die freie Presse

Beatrix von Storch beugt zu Marcus Pretzell herüber. (dpa / EPA / Patrick Seeger)

Von einer Konferenz der europäischen Rechtspopulisten sollen nur ausgesuchte Journalisten berichten, kritischen Geistern wird der Zutritt verweigert. Das habe mit Demokratie und freier Presse nicht mehr viel zu tun, kritisiert der SWR-Journalist Georg Link.

25 Jahre Friedensschluss in El SalvadorEin Vertrag ohne Versöhnung

Flagge von El Salvador, 30.01.2007 - EPA/RPBERTO ESCOBAR (picture alliance / dpa / EPA/RPBERTO ESCOBAR)

Über zehn Jahre lang kämpfte in El Savador die linksgerichtete Guerilla-Bewegung FMLN gegen das Militär-Regime. 1992 beendete ein Friedensvertrag die Kämpfe, die Ursachen der Gewalt aber beseitigte er nicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Verteidigung  Wagenknecht (Linke) für Sicherheitssystem mit Russland | mehr

Kulturnachrichten

Maxim Biller kehrt "Literarischem Quartett" den Rücken  | mehr

Wissensnachrichten

Astrophysik  Alter Stern macht auf jugendlich | mehr