Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mainzer Kommunalwahlkampf am Frankfurter Flughafen

OB-Kandidat der Grünen demonstriert gegen Landebahn

Von Ludger Fittkau, Landeskorrespondent Rheinland-Pfalz

Erstlandung auf der neuen Startbahn Nordwest des Frankfurter Flughafens (picture alliance / dpa / Thomas Lohnes)
Erstlandung auf der neuen Startbahn Nordwest des Frankfurter Flughafens (picture alliance / dpa / Thomas Lohnes)

Am 11. März wird in Mainz ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Das wichtigste Thema ist die Lärmbelastung durch die neue Nord-West-Landebahn des Frankfurter Flughafens. Mit Demonstrationen vor Ort verlegt der Grüne Günter Beck seinen Kommunalwahlkampf ins hessische Frankfurt.

Sie machen einen Höllenlärm. Die rund 4000 Demonstranten, die gestern Abend wieder zu ihrer regelmäßigen Montagsdemo in das Terminal 1 des Frankfurter Flughafens geströmt sind. Mit Sprechchören, Trommeln und Rasseln protestieren Menschen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet gegen der Fluglärm, den ihnen die neue Nord-West-Landebahn des Frankfurter Flughafens beschert. Ganz nahe am Megafon steht ein Mann, der an einer Holzlatte ein Ortsschild befestigt hat: Landeshauptstadt Mainz ist schwarz auf gelb zu lesen. Der Schildträger ist der amtierende Mainzer Bürgermeister Günter Beck. Der Grüne hat das Amt nach dem Rücktritt des skandalbelasteten Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) kommissarisch übernommen. Am 11. März sind Neuwahlen - bis dahin wird Günter Beck wohl jeden Montagabend im Frankfurter Flughafen demonstrieren:

"Es ist nicht das erste Mal, das ich hier bin. Ich habe das schon gemacht, da war noch gar kein OB-Wahlkampf angesagt. Ich bin auch heute nicht als OB-Kandidat da, sondern in meiner Eigenschaft als Bürgermeister der Stadt Mainz."

Michael Ebling ist Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium - doch in dieser Funktion ist der Sozialdemokrat nicht bei der Demo im Frankfurter Flughafen. Sondern als Mainzer Oberbürgermeister-Kandidat seiner Partei. Michael Ebling gibt zu, dass es schon ein bisschen merkwürdig ist, den Kommunalwahlkampf auf dem Boden der Nachbarstadt zu führen:

"Ich gebe ihnen zu, das ist ungewöhnlich, aber eine besondere Belastung erfordert auch besondere Maßnahmen."

Lukas Augustin soll auch da sein - doch der CDU-Kandidat für das Mainzer Oberbürgermeisteramt ist an diesem Abend unter den mehreren Tausend im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens nicht zu finden. Doch auch Lukas Augustin hat bei den vielen Mainzern, die hier gegen den Fluglärm demonstrieren, Sympathien. Zum Beispiel bei Maria Huch:

"Ich hoffe, dass der Herr Augustin als Oberbürgermeister kommen wird, weil das ein ruhiger Kandidat ist und er ist sehr fair in allen Sachen."

Dass alle drei aussichtsreichen Kandidaten für das Mainzer Oberbürgermeisteramt bei den Montagsdemos gegen den Fluglärm anwesend sind, wird wohl von einer Mehrzahl der Mainzer geradezu erwartet. Denn die Belastungen durch die neue Nord-West-Landebahn sind in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt das Thema Nummer Eins. Jochen Strauss, Vorsitzender der 2000 Mitglieder zählenden Bürgerinitiative in der Mainzer Oberstadt:

"Selbst mit Ohrenstöpseln wirst du aus dem Bett geholt. Das ist eine unglaubliche Situation und auch absolut untragbar. Insofern ist die Forderung ganz klar: Nicht nur Fluglärmreduzierung, sondern tatsächlich die Stilllegung der Landebahn."

Der Grüne Mainzer Oberbürgermeisterkandidat Günter Beck lächelt, als er diese Forderung hört:

"Also die Schließung des Flughafens halte ich für eine sehr weitgehende Forderung ...

Reporter: Die Landebahn.

Beck: Die Landebahn, ja. Da hätte man ein bisschen früher mit anfangen müssen."

Sein SPD-Konkurrenz Michael Ebling klingt an diesem Punkt ein bisschen anders:

"Ich weiß nicht, ob die Forderung unrealistisch ist, ich glaube, es liegt im Moment in sehr hohem Maße auf der Seite von Fraport und der hessischen Landesregierung auf diesen Protest eine Antwort zu finden, die einen vernünftigen Dialog möglich macht. Ansonsten wird es weitergehen und dann halte ich es nicht mehr für unrealistisch, sondern für relativ greifbar, dass die gesamte Region sagt: Dann bleibt wohl tatsächlich nur noch die Schließung der Landebahn."

Maria Huch, die sich für CDU-Mann Lukas Augustin als neuen Mainzer Oberbürgermeister ausspricht, erwartet von ihrem Kandidaten nicht die Schließung der neuen Nord-West-Landebahn des Frankfurter Flughafens. Aber:

"Also mindestens das Nachtflugverbot müsste man erreichen. Alles andere ist nicht realisierbar - und das vor allem keine nächste Bahn gebaut wird."

An diesem Punkt sind sich alle Mainzer Oberbürgermeister-Kandidaten wieder einig. Aus ihrer Sicht muss Schluss sein mit dem weiteren Ausbau des Rhein-Main-Flughafens. Deshalb wird der Mainzer Kommunalwahlkampf auf Frankfurter Boden weitergehen - bis zum Wahltermin, am 11. März. Und zu den Amtspflichten des neuen Mainzer OB wird auch nach der Wahl gehören, regelmäßig zur Demo nach Frankfurt zu fahren, vermutet der SPD-Kandidat Michael Ebling:

"Im Moment sind jeden Montag mehrere Tausend Menschen auf den Beinen, ich kann mich nicht erinnern, dass das in den letzten Jahren hier der Fall war. Also, hier ist eine hohe Mobilisierung, dass auch auf Dauer."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:10 Uhr Interview der Woche

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Internationaler Karlspreis 2017 Historiker Garton Ash ausgezeichnet

Der britische Historiker Timothy Garton Ash (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Der Aachener Karlspreis geht in diesem Jahr an den britischen Historiker Timothy Garton Ash. Er biete den Populisten und Vereinfachern unserer Zeit die Stirn und entwickele Ideen, wie wir uns in der globalisierten Welt verhalten sollten, hieß es in der Begründung.

Social BotsWahlkampf der Algorithmen

Hande über einer beleuchteten Computertastatur (dpa / picture alliance / Silas Stein)

Donald Trump hat gezeigt, wie es geht: Der Weg an die Macht führt neuerdings über Social Bots. Die Computerprogramme agieren in sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer. Mit Hilfe von Big-Data-Algorithmen finden sie das richtige Publikum für ihre Botschaften. Wird diese Art des Wahlkampfes nun auch die bundesdeutsche Wahl entscheiden?

Japan Projektionen (3/3)Das "wahre" Japan in der Fotografie

Vier japanische Tänzerinnen auf einer Fotografie von Kimbei Kusakabe (1841-1932) (Kimbei Kusakabe)

In den 1860er-Jahren schuf der europäische Fotograf Felice Beato erste Bilder von Japan, die dokumentarischen Charakter hatten. Gleichzeitig etabliert er aber sogenannte Costumes: Er inszenierte Fotografien von Geishas, Samurai, Ringern und Lastenträgern in landestypischer Kleidung.

Biografien über Kracauer und KerrAuf der Suche nach der biografischen Wahrheit

Der Theaterkritiker Alfred Kerr (1867-1946) in einer undatierten Karikatur (dpa / picture alliance)

Jüdisch, kriegsbegeistert, im Exil - Siegfried Kracauer und Alfred Kerr haben einige Gemeinsamkeiten. Nun erschienen fast zeitgleich erste große Biografien über den Filmsoziologen und den Theaterkritiker. Doch wie wird man einem vergangenen Leben gerecht?

Die AntilopengangPunk, Politik und Atombomben auf Deutschland

Die drei Jungs von der Antilopengang singen über Beate Zschäpe, Gotteskrieger und Pizza. Die Gang gilt als eine der politischsten Rap-Bands in Deutschland - auch wenn ihnen das gar nicht immer so recht ist.

Sundance-Filmfestival eröffnetWeltpremiere von Helene Hegemanns "Axolotl Overkill"

Jasna Fritzi Bauer als Mifti in "Axolotl Overkill" von Helene Hegemann (© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Lina Grün)

Das Sundance Filmfestival in Utah ist eröffnet. Gleich zu Beginn war dort "Axolotl Overkill" von Helene Hegemann als deutscher Beitrag im internationalen Wettbewerb zu sehen. Wir waren bei der Premiere.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kasachstan  Neuer Anlauf für Frieden in Syrien | mehr

Kulturnachrichten

Spanische Polizei deckt Kunstschmugglerring auf  | mehr

Wissensnachrichten

Navigation  Ameisen finden den Weg auch rückwärts | mehr