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Man hasste oder man liebte sie

Die "Eiserne Lady" ist tot

Von Jochen Spengler, Studio London

Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher ist tot. (Aufnahme von Februar 2008) (picture alliance / dpa / PA Nicholson 5611921)
Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher ist tot. (Aufnahme von Februar 2008) (picture alliance / dpa / PA Nicholson 5611921)

Überraschend kam ihr Tod nicht. Seit elf Jahren hatte sich Margaret Thatcher aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sie war gesundheitlich angegriffen, litt an Demenz und musste mehrere kleine Schlaganfälle verkraften. Heute Morgen starb die Baroness im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines erneuten Schlaganfalls.

Wie vermutlich kein anderer Politiker hat die Konservative Großbritannien verändert. Als erste und bislang einzige Frau regierte Margaret Thatcher von 1979 bis 1990 - so lange wie kein anderer Premierminister im letzten Jahrhundert. Dreimal hintereinander gewann die Kaufmannstocher und Chemikerin die Unterhauswahlen.

""Where there is discord may we bring harmony, where there is error may we bring truth, where there is doubt may we bring faith.""

Doch das, was sie hier am Beginn versprach, Harmonie, Wahrheit und Vertrauen - das löste sie nicht ein. Man hasste oder man liebte sie.

Bis heute verehren die konservativen Anhänger ihre Ikone dafür, dass sie den Sozialstaat zusammenstrich, die Macht der ständig streikenden Gewerkschaften brach und die Marktkräfte mit der Deregulierung entfesselte.

Für Gewerkschaftsführer und Labour-Linke aber war und ist Frau Thatcher Inbegriff sozialer Kälte und Ungerechtigkeit; sie machen sie verantwortlich für die Privatisierungswelle und den Niedergang der britischen Schwerindustrie. Nur knapp entging Lady Thatcher 1984 einem Bombenanschlag der IRA-Terroristen. Doch nachgeben oder vom Kurs abrücken - das war ihre Sache nicht.

The Lady's not for turning

Auch außenpolitisch setzte die eiserne Lady auf Härte. Gemeinsam mit dem befreundeten US-Präsidenten Ronald Reagan ging sie auf Konfrontationskurs zur Sowjetunion; und entgegen dem Rat ihrer Mitstreiter riskierte sie vor 31 Jahren den Krieg um die Falklandinseln; sie gab - ohne Not - den Befehl zur Versenkung eines argentinischen Kriegsschiffes und ließ sich später als Siegerin feiern. Zurückhaltend bleib sie gegenüber der europäischen Einigung: "It is asking the community to have our own money back."

Mit der Forderung, sie wolle Ihr Geld zurück, setzte die Frau mit der Handtasche den Britenrabatt durch und ihre Antwort auf "mehr Europa" lautete: "No, no, no."

Insbesondere den Deutschen misstraute Margaret Thatcher nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges. Mit Helmut Kohl wurde sie nie warm - sie hielt ihn für einen Provinzpolitiker und versuchte vergeblich, die deutsche Wiedervereinigung hinauszuzögern. Zur selben Zeit geriet sie wegen der Absicht, eine neue Kopfsteuer einzuführen, in den eigenen Reihen so unter Druck, dass sie im November 1990 nach elf Jahren Amtszeit zurücktreten musste.

Eine große Premierministerin

Einen guten Draht zur Königin soll Frau Thatcher nie gefunden haben; die Queen erklärte heute ihre Trauer über den Tod der Politikerin. Premierminister David Cameron, der sich als politischer Erbe Thatchers versteht, sagte:

"Heute ist ein wirklich trauriger Tag für unser Land. Wir haben eine große Premierministerin verloren, eine große Führerin, eine große Britin. Ich glaube, sie wird in die Geschichte als größter Premierminister in Friedenszeiten eingehen."

Doch das dürften andere anders sehen - bis heute spaltet Baroness Thatcher Großbritannien - ein Staatsbegräbnis ist nicht vorgesehen.

Dieser Beitrag wurde am 08.04.2013 um 17.11 Uhr im Deutschlandradio Kultur gesendet.



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Letzte Änderung: 21.10.2013 11:33 Uhr

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