Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Marcel Reich-Ranicki ist tot

Literaturkritiker starb in Frankfurt am Main

Marcel Reich-Ranicki (picture alliance / dpa)
Marcel Reich-Ranicki (picture alliance / dpa)

Deutschlands berühmtester Literaturkritiker ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Marcel Reich-Ranicki war eine Institution im literarischen Leben der Bundesrepublik - er galt als "Literaturpapst". Sein Buch "Mein Leben" war ein Bestseller.

<p>Marcel Reich-Ranicki galt als "Literaturpapst". Er war über Jahrzehnte der wohl einflussreichste deutsche Literaturkritiker der Gegenwart - und ein wichtiger Zeitzeuge der Judenverfolgung. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte er im Januar 2012, als er anlässlich des Holocaust-Gedenktages im Bundestag eine Rede hielt. Nun ist Marcel Reich-Ranicki im Alter von 93 Jahren gestorben.<br /><br />Der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, twitterte gestern Nachmittag:<br /><blockquote class="twitter-tweet"><p>Wir trauern alle. Noch vor 2 Stunden habe ich ihn besucht.</p>— frankschirrmacher (@fr_schirrmacher) <a href="https:twitter.com/fr_schirrmacher/statuses/380331272221888512">September 18, 2013</a></blockquote><script async src="https:platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script>Reich-Ranicki war viele Jahre bei der FAZ für das Ressort Literatur und literarisches Leben zuständig. <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="262049" text="&quot;Dieser Mann lebte aus Literatur und in Literatur&quot;" alternative_text="&quot;Dieser Mann lebte aus Literatur und in Literatur&quot;" />, sagte Schirrmacher im Deutschlandfunk.<br /><br />Marcel Reich-Ranicki, der aus einer deutsch-polnischen Familie stammte und als Jude in Berlin aufwuchs, hatte das Warschauer Ghetto überlebt. 1958 kehrte er nach Deutschland zurück. Im März 2013 hatte Reich-Ranicki, der in Frankfurt lebte, seine Krebserkrankung öffentlich gemacht.<br /><br />Einem großen Publikum wurde der Kritiker mit der ZDF-Sendung "Das Literarische Quartett" bekannt. Neben zahlreichen anderen Büchern veröffentlichte er 1999 seine Autobiografie "Mein Leben", die zum Bestseller wurde. Das Buch wurde nach Verlagsangaben mehr als 1,2 Millionen Mal verkauft.<br /><br /></p><p><strong>"Ein sehr jüdisches Schicksal"</strong></p><p><papaya:media src="3266863e22b63c4418f40b7f66a1ef3f" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Marcel Reich-Ranicki im Bundestag am 67. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau" popup="yes" />Zum 90. Geburtstag widmete das Jüdische Museum dem Kritiker eine Ausstellung. Reich-Ranicki habe "ein sehr jüdisches Schicksal gehabt", <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="54249" text="sagte Direktor Raphael Gross im Deutschlandfunk." alternative_text="sagte Direktor Raphael Gross im Deutschlandfunk." /><br /><br />Geboren wurde Marcel Reich-Ranicki am 2. Juni 1920 in dem polnischen Städtchen Wloclawek als Sohn einer jüdischen Familie, die 1929 nach Berlin übersiedelte. Dort wurden Bücher, Literatur und die deutsche Sprache zu seiner neuen Heimat, heißt es im <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="130825" text="Kalenderblatt." alternative_text="Kalenderblatt." /><br /><br />Prägend für den jungen Reich-Ranicki war die Zeit des Nationalsozialismus. Kurz vor der sogenannten Reichskristallnacht wurden die Polen ausgewiesen und in Waggons hinter die polnische Grenze verfrachtet. Marcel Reich-Ranicki ist einer der wenigen Überlebenden des Warschauer Gettos. Über diese Zeit berichtet er anschaulich in seiner Autobiografie "Mein Leben", aus der ein Teil <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="67032" text="für die ARD verfilmt wurde." alternative_text="für die ARD verfilmt wurde." /></p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 12:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Publizist Michael Naumann über Rassismus"Amerika hat sich seit Martin Luther King sehr langsam verbessert"

Michael Naumann (dpa / Robert Schlesinger)

In den USA gebe es noch immer einen "kulturellen Rassismus", sagt der Publizist und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann. Das Hauptproblem des Landes aber sei, dass auch dem US-Präsidenten Donald Trump "rassistische Attitüden" nachgewiesen werden können.

Henning Beck, NeurowissenschaftlerGeistesblitze – Wie tickt unser Gehirn?

"Kreativer Kopf" (imago/Ikon Images)

Wie entstehen Gedanken? Was passiert bei einem Geistesblitz? Wie kommt unser Gehirn immer wieder auf neue Ideen? – Diese Fragen faszinieren den Neurowissenschaftler Henning Beck.

Psychometrie in den Sozialen Medien"Den Menschen wird die Information eingespielt, die sie hören wollen"

(dpa)

Donald Trump sei auch durch den Einsatz sozialer Medien an die Macht gekommen, sagt Roman Maria Koidl. So könne man "heute eigentlich als Einzelkämpfer ohne eine Parteistruktur in höchste Ämter kommen". Koidl fürchtet, das könne in einer technokratischen Diktatur enden.

"Pelléas und Mélisande" in BochumGrandioser Auftakt der Ruhrtriennale

Barbara Hannigan als Mélisande und Leigh Melrose als Golaud (Ben van Duin/ Ruhrtriennale 2017)

Krzysztof Warlikowsky ist mit Claude Debussys Oper "Pelléas und Mélisande" eine großartige Eröffnung der Ruhrtriennale gelungen. Er zeigt die Tragödie mit radikaler Konsequenz und spannend wie einen Psychothriller.

BundestagswahlDie fiesen Tricks der Hacker

Eine Hand bedient eine Computermaus. (AFP / Robyn Beck)

Könnte es Hackern gelingen, die Bundestagswahl am 24. September zu stören oder zu manipulieren? Das haben Security-Spezialisten untersucht und gleich sieben Unsicherheitsfaktoren gefunden: Die Nutzung öffentlicher Leitungen und menschliche Nachlässigkeit sind nur zwei davon.

Vormarsch der künstlichen ExistenzMenschen könnten die neuen Affen sein

Menschenhand in Roboterhand am 24.04.2017 auf der Industriemesse in Hannover. (imago stock&people)

Viele Experten sind sich einig: Bald sind Roboter und Computer so weit entwickelt, dass sie die menschliche Intelligenz übertrumpfen könnten. Wir Menschen wären dann im Vergleich zu der intelligenten Technologie quasi auf dem Stand von Schimpansen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Madrid  Festgenommener Autor Akhanli kommt wieder frei | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller Akhanli kommt unter Auflagen frei  | mehr

 

| mehr