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Marsch der Millionen

El Baradei: Mubarak muss Ägypten verlassen

Ein Demonstrant hält ein Anti-Mubarak-Plakat in die Kamera. (AP)
Ein Demonstrant hält ein Anti-Mubarak-Plakat in die Kamera. (AP)

Hunderttausende haben sich in Ägyptens Hauptstadt Kairo zu einer Massenkundgebung gegen Staatsoberhaupt Hosni Mubarak versammelt. Die Opposition will mit der landesweiten Mobilisierung des Protestes den ungeliebten Präsidenten zum Rückzug zwingen. Der Friedensnobelpreisträger Mohamed El Baradei hat Mubarak aufgefordert, bis spätestens Freitag zurückzutreten und das Land zu verlassen.

Das Militär hat Kontrollpunkte an den Zugängen zum Tahrir-Platz errichtet, hindert aber niemanden daran, an der Demonstration teilzunehmen. Die Führung der ägyptischen Armee hatte gestern Abend klargestellt, dass man auf friedliche Demonstranten nicht schießen werde. Für die Forderungen nach einem Rücktritt von Präsident Mubarak habe man Verständnis, diese seien legitim.

Die Stimmung in Kairo am von der Opposition ausgerufenen Tag der Entscheidung für Ägypten ist sehr optimistisch, berichtet Christoph Burgmer. Die Oppositionsbewegung hatte den sogenannten Marsch der Millionen und einen Generalstreik angekündigt und vorbereitet. Vor der Großkundgebung waren alle Straßen, die in die Hauptstadt führen, gesperrt worden. Der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt.

Hoffnung auf Demokratisierung

Bundesaußenminister Westerwelle unterstützt die Forderung nach demokratischen Reformen in Ägypten. In der ARD bekräftigte er, dass Deutschland ein Interesse an der Stabilität des Landes habe. Die ägyptische Regierung müsse mit der Protestbewegung einen Dialog aufnehmen und dürfe die Demonstrationen nicht unterdrücken.

Demonstranten passieren auf dem Weg zum Tahrir-Platz in Kairo einen Panzer. (picture alliance / dpa)Demonstranten passieren einen Panzer. (picture alliance / dpa)Die FDP-Europaabgeordnete Alexandra Thein forderte eine klare Position der EU im Ägypten-Konflikt: "Wir sollten insgesamt eine stärkere Rolle als Europäische Union im Nahen Osten spielen." Es sei wichtig, Ägypten bei der Demokratisierung zu unterstützen und eine klare Position im derzeitigen Konflikt am Nil zu beziehen, sagte sie im Deutschlandfunk.

Publizist Peter Scholl-Latour rechnet damit, dass Mubarak recht bald die Macht in Ägypten abgeben werde, und erwartet nach dessen Ablösung keine Radikalisierung des Landes. In seinem Post-Mubarak-Szenario spielt Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei bestenfalls eine kurze Rolle, während die zurzeit noch abwartende Muslimbruderschaft aus seiner Sicht Chancen hat, die tiefgläubige islamische Landbevölkerung zu repräsentieren.

Ebenfalls keine Gefahr für eine islamistische Radikalisierung in Ägypten nach einem Sturz Mubaraks sieht der Islamwissenschaftler Thomas Bauer, der die einseitige Berichterstattung im Westen kritisierte. Die Muslimbrüder stellten kein Hindernis für die Errichtung eines demokratischen Systems dar, sagte er im Deutschlandfunk.

Der außenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Philipp Mißfelder, befürchet dagegen mit Blick auf die Muslimbruderschaft in Ägypten, "dass manche vielleicht im arabischen Raum unter Demokratie was ganz anderes verstehen als wir", und warnte im Deutschlandfunk bei der Ägypten-Krise vor voreiligen Schlüssen einer Demokratisierung im gesamten Vorderen Orient.

Kaum Gefahr für Exporte

Die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer (DAIHK) in Kairo rechnet auch nach politischen Veränderungen damit, dass Ägypten ein wichtiger Handelspartner für Deutschland bleibt. "Wir müssen mit jedem System auskommen", sagte der DAIHK-Geschäftsführer Rainer Herret, im Deutschlandradio Kultur, betonte allerdings: "In einem demokratischen Umfeld lässt es sich leichter arbeiten, das ist auch ganz klar." Für die deutsche Wirtschaft sei vor allem wichtig, dass Stabilität herrsche. Diese Stabilität sei im Augenblick nicht gegeben.

Ägyptische Soldaten stehen vor den Pyramiden in Gizeh auf einem gepanzerten Fahrzeug (AP)Ägyptische Soldaten stehen vor den Pyramiden in Gizeh auf einem gepanzerten Fahrzeug. (AP)

Reisehinweis der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat ihre Reise- und Sicherheitshinweise für Ägypten abermals verschärft. Das Auswärtige Amt (AA) rät von Reisen in das Land dringend ab und bezieht dies auch ausdrücklich auf die Touristengebiete am Roten Meer. Das gelte, auch wenn dort die Lage derzeit ruhig sei.

Wie und zu welchem Preis man Reisen nach Ägypten und in andere Länder des Nahen Ostens stornieren kann, erläuterte Eva Klaar von der Verbraucherzentrale Berlin im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

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