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Massenproteste gegen Erdogan erwartet

Private Preisverleihung stößt auf heftige Kritik

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (AP)
Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (AP)

Eine bessere PR hätte sich der Bochumer Medienberater Sascha Hellen für seinen Preis "Steiger Award" kaum wünschen können: Die Verleihung dieser Auszeichnung an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sorgt für heftige Proteste. Die Polizei rechnet mit mehr als 20.000 Demonstranten.

Seit 2005 wird der undotierte Medienpreis "Steiger Award" vergeben, dessen Name an die Tradition der Bergleute im Ruhrgebiet erinnern soll. Ins Leben gerufen hat ihn der freie Journalist und Medienberater Sascha Hellen, der in Bochum ein Unternehmen betreibt. Erdogan soll den Preis am Samstag in der Kategorie "Europa" verliehen bekommen, "stellvertretend für 50 Jahre deutsch-türkische Freundschaft", wie es hieß. Laudator sei Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Bundeskanzler Gerhard Schröder erscheint zur Präsidiumssitzung in der SPD-Parteizentrale in Berlin. (AP)Ex-Bundeskanzler Schröder will die Laudatio halten (AP)Doch inzwischen hat die Bochumer Polizei Hundertschaften aus anderen Städten zur Verstärkung angefordert. Die größte Kundgebung meldete der Dachverband alevitischer Gemeinden an. Die Demonstranten wollen sich am Nachmittag zunächst am Fußballstadion des VfL Bochum treffen und dann zum Bergbaumuseum ziehen. Dass sie in die Nähe der Jahrhunderthalle gelangen, wo die Preise vergeben werden, will die Polizei verhindern. Es gelte, die Veranstaltung zu schützen, erklärte ein Behördensprecher.

"Schlag ins Gesicht aller Minderheiten"

Armenier, Kurden, Aleviten, das Bündnis gegen Antisemitismus und die Föderation der Volksvereine türkischer Sozialdemokraten haben zu den Protesten aufgerufen. Der Preis für Erdogan sei ein "Schlag ins Gesicht aller Minderheiten in der Türkei", erklärte die Alevitische Gemeinde Deutschlands. Der Ministerpräsident verkörpere "staatlich organisierte Intoleranz und Unmenschlichkeit" gegenüber Minderheiten.

Memet Kilic, Bündnis 90/Die Grünen (Memet Kilic)Spricht auf Protestkundgebung: Memet Kilic, Bündnis 90/Die Grünen (Memet Kilic)Auch Politiker wollen sich an den Protesten beteiligen. Der migrationspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Memet Kilic, werde eine Rede in Bochum halten, teilte sein Büro mit. Erdogan setze sich weder für eine Annäherung an Europa und seine Werte ein noch fördere er Toleranz und Religionsfreiheit, hieß es zur Begründung. Kritik kommt auch aus der CSU. "Einen Toleranz-Preis ausgerechnet an Erdogan zu vergeben, ist eine bizarre und geschmacklose Fehlleistung. Erdogan hätte einen Preis für Intoleranz verdient", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Zu den Preisträgern gehören in diesem Jahr Königin Silvia von Schweden, Ex-Bundespräsident Horst Köhler und Modeschöpfer Wolfgang Joop. Nach dem Willen des Veranstalters sollen Personen ausgezeichnet werden, die sich für "Menschlichkeit und Toleranz" einsetzen.

Mehr zu dem Thema:

Erdogan fordert mehr Unterstützung für türkischen EU-Beitritt - <br> Einigkeit beim Thema Integration

Europa-Kolumne: Ideologie statt freier Debatte <br>EU-Parlament sorgt sich um Pressefreiheit in der Türkei

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

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