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Massenproteste in Brasilien schlagen in Gewalt um

Ein Toter bei Demonstrationen

Randalierer und Sicherheitskräfte in Rio de Janeiro (picture alliance / dpa / Marcelo Sayao)
Randalierer und Sicherheitskräfte in Rio de Janeiro (picture alliance / dpa / Marcelo Sayao)

In Brasilien sind Sicherheitskräfte mit massiver Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen. Umgekehrt wurde die Polizei mit Steinen und anderen Gegenständen attackiert. Landesweit forderten die Kundgebungsteilnehmer mehr Investitionen in die soziale Infrastruktur des Landes.

In etwa 80 Städten im ganzen Land gingen zahlreiche Menschen auf die Straße. Mehrere Medien berichten von mindestens eine Million Teilnehmer. In Rio de Janeiro waren allein rund 300.000 Menschen bei den Protesten dabei, dort gab es Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Rede ist von 40 Verletzten.

Beide Seiten seien nicht zimperlich miteinander umgegangen, berichtete unserer Korrespondent Jonas Reese , der sich zu Zeit in Rio aufhält. Während einige mit Steinen geworfen und Barrikaden errichtet hätten, habe die Polizei Wasserwerfer und Gummigeschosse eingesetzt. Inzwischen seien die Demonstranten von Polizisten und Militärpolizisten eingekreist worden. Er selbst sei nur mit Glück aus dem Zentrum der Stadt heraus gekommen, so Reese.

Auch Hunderttausende in anderen Städten auf der Straße

In Victoria versammelten sich rund 100.000 Menschen, in São Paulo 110.000. Rund rund 330 Kilometer nördlich der Metropole in Ribeirão Preto sei ein Auto in eine Gruppe von drei Menschen gerast, wobei einer von ihnen getötet wurde, teilte die Polizei im Kurznachrichtendienst Twitter mit. In der Hauptstadt Brasília waren rund 30.000 Menschen unterwegs. Dort versuchten einige Demonstranten, in das Außenministerium einzudringen, zerschmetterten Scheiben und warfen Brandsätze, wie eine AFP-Journalistin berichtete. Die Militärpolizei drängte die Angreifer zurück. Unter dem Eindruck der Massenproteste sagte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff eine für Ende Juni geplante Japan-Reise ab. Sie berief ihre Kabinettsmitglieder zu einer Krisensitzung ein.

Seit fast zwei Wochen gehen in Brasilien täglich zahlreiche Menschen auf die Straße, um gegen hohe Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016 zu protestieren. Statt dessen forderten sie mehr Investitionen für den Bildungsbereich, für das Gesundheitssystem, und dass die Korruption endlich ein Ende habe, sagte unser Korrespondent Julio Segador im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur.

"Brasilien ist solche großen Demos nicht gewohnt"

"Die Defizite sind massiv", bestätigte auch der Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Rio, Felix Dane, im Deutschlandfunk. Die Mängel in der Infrastruktur ließen sich kaum beziffern. "Es mangelt an allem, an Straßen, das Schienennetz ist kaum noch existent, alles läuft nur über Busse, die Straßen sind derart schlecht, dass auch der ganze Soja teilweise einfach schon vom Laster fällt, bevor er überhaupt im Hafen ankommen kann", betonte Dane. Die Regierung versuche, dem jetzt nachzukommen, indem sie Flughäfen und Häfen teilprivatisiere. Eine Parlamentskommission fand Dane zufolge heraus, dass 85 Milliarden Reals - das sind 30 bis 35 Milliarden Euro - jährlich durch Korruption verloren gingen.

Den Gewaltausbruch begründete der KAS-Büroleiter damit, dass die Sicherheitskräfte im Land solche großen Proteste nicht gewohnt seien. Brasilien sei einfach als demonstrationsfreudiges Land bekannt.

Nach Einschätzung von Astrid Prange de Oliveira aus der Brasilien-Redaktion der Deutschen Welle ist der Zeitpunkt für die Unruhen bewusst gewählt. Über die rein materielle Grundversorgung hinaus hätte die Arbeiterpartei wenig für die Menschen im Land bewegt. Viele hätten "Übervater" Luiz Lula da Silva und seine Nachfolgerin Dilma Rousseff inzwischen satt.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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