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Matthias Wegner

Musikredakteur infiziert vom Jazzvirus

Zu sehen ist der Musikredakteur Matthias Wegner. Er trägt einen schwarzen Hut. (Deutschlandradio / Bettina Straub)
(Deutschlandradio / Bettina Straub)

Wie fing das eigentlich mal alles an? Miles Davis (meine erste Jazzplatte) und, für mich heute nicht mehr ganz nachvollziehbar, Al Jarreau (mein erstes Konzert) waren "schuld' daran, dass ich vom Jazzvirus infiziert wurde.

Das war Mitte der 70er-Jahre. Auch wenn ich schon bald viel weitere Musik entdeckte und lieben lernte, vor allem afroamerikanische (Soul und frühen Rap), aber auch Krautrock und frühe Elektronik, – der Jazz bildete immer den Ausgangspunkt meiner musikalischen Wahrnehmung. Während der Schulzeit verbrachte ich jede freie Minute im Plattenladen um die Ecke und erkannte mich Jahrzehnte später als einer der Freaks in Nick Hornbys Meisterwerk "High Fidelity' wieder.

Schon während meines Studiums verdiente ich mein Geld als DJ und legte Wert darauf, nicht in musikalischen Schubladen zu denken. Es gab und gibt für mich bis heute (u. a. nach Duke Ellington) nur zwei Arten von Musik: gute und schlechte.

Und dennoch glaube ich fest daran: Wer den Jazz nicht versteht, kann auch alles, was danach kommt (vor allem die Popmusik), nicht verstehen. Ich versuche seit langer Zeit, Menschen an der unendlichen Schönheit und am Zauber des Jazz teilhaben zu lassen und räume nebenbei gern mit abgestandenen Klischees auf.

Jazz – ideales Werkzeug, um zu überleben

Jazz ist eben keine Fahrstuhlmusik und der Free Jazz ist nur eine Ausdrucksform von vielen und nicht stellvertretend für das gesamte Genre. Ach ja, und das totzitierte Statement von Frank Zappa ("Jazz is not dead, but..") langweilt mich unendlich. Mir gefällt da viel mehr, was der Unternehmer und kluge Kopf August Wilhelm Scheer über den Jazz denkt: In einer sich immer schneller verändernden Welt liefern die Prinzipien des Jazz ideale Werkzeuge, um zu überleben. Dazu gehört vor allem die Fähigkeit, jederzeit schnell auf sich verändernde Zustände zu reagieren und zu improvisieren. Außerdem in flachen Hierarchien zu denken und hohe individuelle Entfaltungsmöglichkeiten innerhalb einer Gruppe zu ermöglichen.

Nach endlosen Artikeln in Fachzeitschriften und Tageszeitungen, sowie Hunderten Jazzbeiträgen und -sendungen in vielen ARD-Sendern fokussiere ich mich seit Mai 2011 auf meine Arbeit als Musikredakteur beim Deutschlandradio Kultur und betreue bzw. moderiere Sendungen wie "In Concert', "Tonart Jazz', "Da Capo' und das "Radiofeuilleton'. Ich bin begeistert von der musikalischen Offenheit unserer Hörerinnen und Hörer und weiß aus vielen Gesprächen und Rückmeldungen: Der Jazz ist für sie ein wichtiges Bindeglied zwischen E- und U-Musik und hat für viele Menschen bis heute eine große Relevanz.

Matthias Wegner