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Medaillenhoffnung unter neuer Flagge

Der Schwimmer Benjamin Hockin aus Paraguay

Von Victoria Eglau

Benjamin Hockin (m) und seine Mitstreiter bei der Präsentation des Teams von Paraguay für Olympia 2012. (picture alliance / dpa / Andres Cristaldo)
Benjamin Hockin (m) und seine Mitstreiter bei der Präsentation des Teams von Paraguay für Olympia 2012. (picture alliance / dpa / Andres Cristaldo)

Bereits vor vier Jahren in Peking ging der Schwimmer Benjamin Hockin an den Start: als Mitglied der britischen Mannschaft. Bei den Olympischen Spielen in London wird er erneut dabei sein, doch tritt er diesmal nicht für das Gastgeberland Großbritannien an, sondern für - Paraguay!

Benjamin Hockin hat paraguayische und britische Wurzeln, doch geboren wurde er 1986 in der kolumbianischen Küstenstadt Baranquilla.

"Als ich klein war, brachten meine Eltern mich ans Meer, damit ich mich austoben konnte. Im Wasser hab ich mich dann pudelwohl gefühlt: genauso wie in der Badewanne oder im Pool. Schwimmen lernte ich mit sechs oder sieben."

In Paraguay, wo Benjamin Hockin aufwuchs, gibt es keine Küste – dort trainierte der Junge im Sportclub Puerto Sajonia. Als Jugendlicher dann siedelte er nach Europa über und lebte wieder in Meeresnähe: erst in Spanien, dann in Großbritannien. Für dieses Land, die Heimat seines Vaters, reiste der Schwimmer 2008 zu den Olympischen Spielen von Peking und erreichte mit der britischen 4 x 200m-Freistil-Staffel das Finale. Jetzt, vier Jahre später, ist Benjamin Hockin nicht mehr einer von vielen, sondern die Medaillenhoffnung Paraguays.

"Ich fühle mich als Paraguayer. Ich bin hier groß geworden, ich habe hier meine Wurzeln, meine Familie. Deswegen bin ich stolz und empfinde es als Ehre, dass ich Paraguay bei internationalen Wettkämpfen vertreten kann."

Betont Benji, wie der hochgewachsene 25-Järhrige genannt wird, seine Identifikation mit dem Geburtsland der Mutter. Der Schwimmer, dessen Spanisch ein leichter englischer Akzent färbt, wird in London die Fahne von Paraguays Olympiateam tragen. Er ist einer von nur zwei Athleten, die sich direkt qualifiziert haben. Im Fußballland Paraguay fristen viele andere Disziplinen ein Schattendasein, so auch der Schwimmsport.

"Wir Schwimmer verfügen über keine ausreichende Infrastruktur, wir trainieren in einem 25-Meter-Becken! Doch die wichtigsten weltweiten Wettkämpfe finden in 50-Meter-Becken statt! Diese ungünstigen Trainingsbedingungen versuchen wir durch intensive mentale Vorbereitung auszugleichen."

Benjamin Hockin hatte Paraguays kürzlich abgesetzten Präsidenten Fernando Lugo persönlich um einen Pool mit Olympia-Maßen gebeten. Ob Lugos Versprechen, bis Jahresende werde das Becken gebaut, nun eingehalten wird? Hockin, der in der Hauptstadt Asunción Internationale Beziehungen studiert, möchte viele junge Paraguayer mit seiner Schwimmbegeisterung anstecken, damit der Sport in seinem Land populärer wird.

"Dass ich das Schwimmen genieße, ist, glaube ich, mein Erfolgsgeheimnis. Wenn ich ins Wasser springe, genieße ich jede Armbewegung, jeden Atemzug, jede Drehung. Dieser Genuss ist unverzichtbar, wenn man triumphieren will."

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Mein Olympiafavorit für London 2012 - Korrespondenten stellen außergewöhnliche Sportler vor, die Beiträge der Reihe in der DKultur-"Ortszeit"
Portal - Olympische Sommerspiele in London



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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