Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Medizin-Nobelpreis für drei Zellforscher

Auch ein Deutscher unter den Ausgezeichneten

Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises 2013 (AFP / Jonathan Nackstrand)
Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises 2013 (AFP / Jonathan Nackstrand)

Die drei Wissenschaftler James Rothman, Randy Schekman und Thomas Südhof bekommen in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Das gab das Komitee des Stockholmer Karolinska-Instituts am Montag bekannt.

<p>Mit ihrer Forschung hätten die Wissenschaftler das Rätsel des Transportsystems innerhalb von Zellen gelöst, hieß es seitens des Nobel-Komitees zur Begründung. Die untersuchten Zellmechanismen seien dafür verantwortlich, dass Moleküle zur gewünschten Zeit am gewünschten Ort in der Zelle ankommen, erklärte das Karolinska-Institut in Stockholm. <br /><br />Der Transport verschiedener Stoffe in Zellen ist ein hochkomplexer Prozess und muss exakt reguliert werden. Eingeschlossen in kleinen Transportbläschen, den sogenannten Vesikeln, werden Substanzen innerhalb und außerhalb der Zellen weitergeleitet. Auch der Zeitpunkt, zu dem diese Substanzen freigesetzt werden, kann vom Körper genauesten bestimmt werden. Die Aufdeckung dieser Fähigkeiten ist weitgehend den drei baldigen Nobelpreisträgern zu verdanken. <br /><br /></p><p><strong>Wie die Logistik eines Containerbahnhofs</strong></p><p><papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/07/dlf_20131007_1225_2c38bcf5.mp3" text="Martin Winkelheide" title="Zur Audio-Datei (MP3)" target="_self" />, Medizin-Journalist für den Deutschlandfunk, vergleicht den Untersuchungsgegenstand der drei Grundlagenforscher zur Veranschaulichung mit einem Containerbahnhof:<br /><br />&quot;Da muss man ja auch immer aufpassen, dass die Container sozusagen an die richtige Stelle kommen, dass sie nicht zu früh ausgeladen werden, dass sie in der richtigen Reihe geparkt und richtig übereinandergestapelt werden - und bei Bedarf eben auch aufgemacht werden. Aber nur da, wo sie aufgemacht werden sollen.&quot; <br /><br />Mit den Auszeichnungen würden quasi drei Jahrzehnte Grundlagenforschung abgedeckt, so Winkelheide. <br /><br /><br /><strong>Die Bekanntgabe als Video:</strong> <br /><br /><iframe width="480" height="380" src="www.youtube.com/embed/D_EPtQhtcmY?feature=player_profilepage" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><br /><br /><br /><br /></p><p><strong>Wissenschaftler forschten unabhängig voneinander </strong></p><p><papaya:media src="21f66a931703a97f88861c49742080e6" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Einer der künftigen Medizin-Nobelpreisträger: Thomas Südhof" popup="yes" />Rothman, Schekman und Südhof haben sich mit unterschiedlichen Aspekten des intrazellulären Transports beschäftigt. Randy Schekman untersuchte in Hefezellen die genetischen Grundlagen des fein regulierten Systems. Seine Erkenntnisse aus den 1970er-Jahren lieferten wichtige Voraussetzungen für spätere Arbeiten auf diesem Gebiet. James Rothman beschäftigte sich vor allem mit dem Mechanismus, der das Andocken membranumhüllter Transportbläschen an ihren Zielort möglich macht. Thomas Südhof konzentrierte sich auf das exakte Timing der Freisetzung der Ladung aus einem Transportvesikel. Der 57-Jährige arbeitete in den 90er-Jahren mit Nervenzellen, um zu verstehen, wie diese miteinander kommunizieren. Die drei Wissenschaftler forschten unabhängig voneinander, lediglich Schekman und Rothman kooperierten kurzzeitig.<br /><br />James Rothman und Randy Schekman sind US-Amerikaner und lehren in Yale und Berkeley, Thomas Südhof wurde in Deutschland geboren und forscht an der Stanford University in Palo Alto. Nach seinem Studium, das er unter anderem in Aachen und Göttingen absolvierte, kamen aus Deutschland lukrative Angebote: die Max-Planck-Gesellschaft zum Bespiel versuchte, ihn als Direktor nach Göttingen zu holen. Doch Südhof entschied sich für die USA. <br /><br />Der von den Wissenschaftlern untersuchte Prozess steht unter anderem mit Diabetes in Verbindung. So ist bei Typ II Diabetes beispielsweise die Ausschüttung von Insulin aus den ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse gestört - ein Grund für den Insulinmangel.<br /><br />Für eine funktionierende Immunreaktion des Körpers ist generell eine effektive Freisetzung verschiedener Stoffe innerhalb und außerhalb von Zellen notwendig. Beispielsweise wird die Reaktion des Immunsystems auf Krankheitserreger durch die gezielte Freisetzung von Signalmolekülen gesteuert. <br /><br />Im vergangen Jahr bekamen <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="223667" text="John B. Gurdon und Shinya Yamanaka" alternative_text="John B. Gurdon und Shinya Yamanaka" /> den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der Umprogrammierung reifer Zellen in pluripotente Stammzellen. <br /><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="261860" text="Zur Nobelpreis-Übersichtsseite" alternative_text="Zur Nobelpreis-Übersichtsseite" /><br /><br /><div style="margin:0; margin-top:10px; margin-right:10px; border:2px solid #D3D4CF; padding: 1em 1em 1em 1em; background-color:#D3D4CF; text-align:left"> <strong>Programmtipp:</strong> Am 7., 8. und 9. Oktober berichtet <papaya:addon addon="bbb033e2a30879325d495d7bfc925a5c" broadcast="117" text="&quot;Forschung aktuell&quot;" alternative_text="&quot;Forschung aktuell&quot;" /> (16.35 bis 17 Uhr im Deutschlandfunk) über die Arbeit der diesjährigen Preisträger.</i></div><br /><br />&quot;<strong>Links zum Thema:</strong>&quot;<br /><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264256" text="Interview mit Thomas Südhofs ehemaligem Kollegen Markus Missler (Forschung aktuell vom 7. Oktober 2013)" alternative_text="Interview mit Thomas Südhofs ehemaligem Kollegen Markus Missler (Forschung aktuell vom 7. Oktober 2013)" /><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264255" text="Super-Bläschen im Visier (Forschung aktuell vom 7. Oktober 2013)" alternative_text="Super-Bläschen im Visier (Forschung aktuell vom 7. Oktober 2013)" /><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264254" text="Das Rätsel der Synapse (Forschung aktuell vom 7. Oktober 2013)" alternative_text="Das Rätsel der Synapse (Forschung aktuell vom 7. Oktober 2013)" /><br /><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="240568" text="Beitrag aus &quot;Forschung aktuell&quot; mit Thomas Südhof (15. März 2013)" alternative_text="Beitrag aus &quot;Forschung aktuell&quot; mit Thomas Südhof (15. März 2013)" /><br /><br /><br /><br />&quot;<strong>Links ins Netz:</strong>&quot;<br /><br /><br /><papaya:link href="https:www.youtube.com/watch?v=JMjurQ5i4PI#t=170" text="James Rothman erklärt seine Arbeit (Vortrag vom Dezember 2012)" title="James Rothman erklärt seine Arbeit (Vortrag vom Dezember 2012)" target="_blank" /><br /><br /><papaya:link href="http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC383491/pdf/pnas00004-0340.pdf" text="Erster Artikel zum Thema von Randy Shekman, 1979 (PDF-Datei)" title="Erster Artikel zum Thema von Randy Shekman, 1979 (PDF-Datei)" target="_blank" /></p>
 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:34 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:10 Uhr Das Wochenendjournal

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 07:00 Uhr Early Bird

Aus unseren drei Programmen

Feist: "Pleasure"Ein komplexes Vergnügen

Leslie Feist (imago/Future Image)

Die kanadische Sängerin Feist kommt ganz bescheiden und leise daher und hat es trotzdem geschafft, mit ihrer Musik ein großes Publikum zu erreichen. Nach sechs Jahren Pause kommt nun "Pleasure" in die Läden.

Rentengesetz im BundestagOstrenten werden voll an Westbezüge angeglichen

Nahaufnahme der Hand einer alten Frau, die ein paar Münzen zählt.  (imago stock&people)

Die Renten in Ostdeutschland sollen bis 2025 vollständig den Bezügen im Westen angeglichen werden. Über das entsprechende Gesetz hat der Bundestag in erster Lesung diskutiert. Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles, SPD, sprach von einem historischen Schritt für die Einheit des Landes, während die Opposition heftige Kritik übte.

Deutscher Filmpreis wird verliehenFrauen-Power auf dem Roten Teppich

Die Regiseurinnen Nicolette Krebitz (l) und Maren Ade am 08.04.2017 in Berlin. (dpa / picture alliance)

Bei der Vergabe der Lolas gehen mehrere Frauen an den Start: Die Regisseurinnen Maren Ade mit "Toni Erdmann", Anne Zohra Berrached ("24 Wochen") und Nicolette Krebitz ("Wild") sind für den Deutschen Filmpreis nominiert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  Schulz mahnt EU-Reformen an | mehr

Kulturnachrichten

"Toni Erdmann" gewinnt sechs deutsche Filmpreise  | mehr

 

| mehr