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Medizin-Nobelpreis geht an ...

John B. Gurdon und Shinya Yamanaka

Der britische Mediziner John Gurdon (l.) und der japanische Forscher Shinya Yamanaka.  (picture alliance / dpa / John Overton)
Der britische Mediziner John Gurdon (l.) und der japanische Forscher Shinya Yamanaka. (picture alliance / dpa / John Overton)

Die beiden Forscher John B. Gurdon und Shinya Yamanaka erhalten in diesem Jahr den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. Das gab das Komitee des Stockholmer Karolinska-Instituts bekannt.

Beide bekommen den Preis gemeinsam, "für ihre Entdeckung der Umprogrammierung reifer Zellen in Pluripotenz", also in sogenannte pluripotente Stammzellen, wie das Komitee mitteilte. John B. Gurdon (79) ist ein britischer Entwicklungsbiologe und ehemaliger Cambridge-Professor. Der 50-jährige Japaner Shinya Yamanaka ist Medizinprofessor an der Universität von Kyoto.



Die Forscher entdeckten, dass reife und bereits spezialisierte Zellen in Stammzellen rückgewandelt werden können. Zuvor waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass Zellen mit ihrer Ausdifferenzierung in spezialisierte Gewebe diese Fähigkeit verlieren. Stammzellen besitzen die besondere Fähigkeit, zu allen Gewebearten im Körper zu werden - und nicht nur zu bestimmten.

John B. Gurdon machte die Entdeckung jener Rückprogrammierbarkeit bereits vor 50 Jahren: Er entnahm eine Zelle aus dem Magen-Darm-Trakt eines Frosches, isolierte den Zellkern und setzte diesen in eine entkernte Eizelle ein. Aus dem manipulierten Ei entstand eine normale Kaulquappe. Mit dem Versuch konnte der Wissenschaftler zeigen, dass der Zellkern einer erwachsenen Zelle immer noch in der Lage ist, sich von seiner Spezialisierung (in diesem Fall als Magen-Darm-Zelle) zu verabschieden und dass aus ihm wieder alle verschiedenen Zelltypen werden können.

Shinya Yamanaka entwickelte ein Verfahren, bei dem künstlich eingeschleuste Gene die Kontrolle über eine normale Hautzelle übernehmen und ihr Genom umprogrammieren. Es entsteht eine sogenannte induzierte pluripotente Stammzelle (iPS-Zelle). Der Vorteil: Diese ist nahezu so vielseitig verwendbar wie eine embryonale Stammzelle.

Zudem lösen die iPS-Zellen zwei Probleme, die die Forschung mit den sehr ähnlichen embryonalen Stammzellen betrifft: für ihre Gewinnung müssen keine Embryonen getötet werden - ein lange diskutiertes ethisches Dilemma. Darüber hinaus besteht bei aus embryonalen Stammzellen gewonnenen Zellen die Gefahr, dass das Immunsystem eines Patienten, dem sie zu Therapiezwecken transplantiert werden, sie abstößt.

Befürchtung der Wissenschaft: iPS-Zellen könnten Krebs fördern

Die Studien von Gurdon und Yamanaka haben die Vorstellung über die Flexibilität von Zellentwicklungen revolutioniert und neue Ansätze für Diagnosemethoden und medizinische Therapien geschaffen. Zum Verfahren von Yamanaka sagte Wissenschaftsjournalist Martin Winkelheide (MP3-Audio) im Deutschlandfunk:

"Die große Vision, die dahinter steht, ist natürlich, dass man Ersatzgewebe herstellt. Und zwar Ersatzgewebe jeweils passend für den einzelnen Patienten. Das heißt, Gewebe, das nicht abgestoßen wird. Denn unser Immunsystem toleriert es normalerweise nicht, dass fremdes Gewebe eingesetzt wird."

Zugleich erläuterte Winkelheide, dass bei der von Yamanaka entwickelten Technik das Risiko sehr hoch sei, dass geschaffene iPS-Zellen zu Krebszellen werden.

Auch für die Wirkstoff-Forschung könnten iPS-Zellen dienlich sein: Ist ein Mensch beispielsweise an Alzheimer erkrankt, ist die Basis dafür auch in den iPS-Zellen zu finden, die aus seinen Hautzellen geschaffen wurden. Mit diesem Wissen kann die Wirkung eines möglichen Medikaments direkt in der iPS-Zelle getestet werden statt in den Körperzellen des Patienten.

Thomas Perlmann vom Nobelkomitee würdigte die Preisträger mit der Begründung, dass diese neue Wege für die Entwicklung medizinischer Präparate geöffnet hätten.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Der Medizin-Nobelpreisträger John B. Gurdon im Porträt (Forschung aktuell vom 8.10.12)
Der Medizin-Nobelpreisträger Shinya Yamanaka im Porträt (Forschung aktuell vom 8.10.12)
Uniklinik Bonn setzt iPS-Zellen bereits ein - Interview mit Dr. Tim Krohne von der Universitäts-Augenklinik (Forschung aktuell vom 8.10.12)
Gespräch mit Wissenschaftsjournalist Michael Lange im Deutschlandradio Kultur (MP3-Audio)
"Japanischer Zellzauber" (Beitrag über Shinya Yamanaka vom 2. Oktober 2009)
Interview Shinya Yamanaka in "Forschung aktuell" (vom 26.11.2007)
Zur Nobelpreis-Übersichtsseite
Aktuell zu den Medizin-Nobelpreisträgern von 2011



Links ins Netz:
Porträt über Shinya Yamanaka in der Fachzeitschrift "PNAS"
Interview mit John B. Gurdon auf YouTube (englischsprachig)
Shinya Yamanaka erklärt induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen). (englischsprachiges YouTube-Video)
"Spiegel"-Artikel vom 21. Oktober 1968 zu Gurdons Frosch-Experimenten



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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