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Mehdorn bietet Rücktritt an

Bahn-Chef: Habe mir nichts vorzuwerfen

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gibt auf der Bilanzpressekonferenz der Bahn AG in Berlin eine Erklärung ab. (AP)
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn gibt auf der Bilanzpressekonferenz der Bahn AG in Berlin eine Erklärung ab. (AP)

Hartmut Mehdorn will nach massivem Druck wegen der Datenaffäre des Konzerns seinen Posten als Bahn-Chef räumen. Mehdorn sagte, er habe dem Aufsichtratsvorsitzenden Werner Müller die Auflösung seines Arbeitsvertrags angeboten.

Der 66-Jährige erklärte, er habe sich persönlich nichts vorzuwerfen. Er wolle sich aber seiner Verantwortung als Konzernchef nicht entziehen. Er bekräftigte zugleich, in der Datenaffäre habe es keine strafrechtlich relevanten Vorgänge gegeben. In der aufgeheizten Diskussion sei aber eine sachliche Aufklärung nicht möglich. Er gehe davon aus, dass noch vor der Sommerpause ein Nachfolger gefunden werde.

Zuvor hatte Mehdorn auf der Pressekonferenz die jüngsten Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentiert. Demnach konnte der Umsatz des Unternehmens 2008 um knapp sieben Prozent auf rund 33 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Gewinn nahm um knapp fünf Prozent auf 2,5 Milliarden zu. Auch die Zahl der Fahrgäste stieg, und zwar um knapp fünf Prozent auf 1,9 Milliarden. Mehdorn betonte, die Bahn sei gut aufgestellt. Allerdings seien aufgrund der Rezession vor allem im Güterverkehr Einbrüche zu beklagen. Dennoch plane die Bahn keine betriebsbedingten Kündigungen bei den 240.000 Beschäftigten weltweit.

Merkel dankt Mehdorn für Sanierungskurs

Nach Mehdorns Rücktrittsangebot hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dessen Verdienste um die Sanierung des Konzerns gewürdigt. Merkel sagte in Rostock, Mehdorn habe das Unternehmen wirtschaftlich saniert und zu einem weltoffenen Logistikkonzern gemacht. Sie hoffe, dass dieser Kurs fortgesetzt werde.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee dankte Mehdorn dafür, dass er in den vergangenen Jahren die Bahn zu einem modernen Dienstleister gemacht habe. Dies sei eine enorme Leistung gewesen. Die Bundesregierung werde nun zügig über eine Nachfolge entscheiden. Aus Koalitionskreisen hieß es, dass bereits am Dienstag über einen Nachfolger beraten werden soll. Dieser solle noch in dieser Woche präsentiert werden.

Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn hat gefordert, schnell und ohne Übergangslösung einen Nachfolger für den zurückgetretenen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zu finden. Dieser müsse mit dem "System Mehdorn" brechen und dürfe nicht alles dem Börsengang unterordnen. Mehdorns Abgang bedeute die Chance für einen echten Neuanfang in der Schienenpolitik, so Kuhn.

"Der Fahrplan konnte nicht mehr eingehalten werden"

Der stellvertretende Unionsfraktionschef Wolfgang Bosbach hob nach dem Rücktrittsangebot von Mehdorn das Interesse des Bundes hervor, das Unternehmen wieder aus den Schlagzeilen herauszuholen. Das Vertrauen zwischen Eigentümer und Bahn, vor allem aber zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern habe gelitten, sagte Bosbach im Deutschlandfunk.

Wegen der Datenaffäre und neuer Erkenntnisse über Ausspähaktionen gegen Bahn-Beschäftigte war Mehdorn in den vergangenen Tagen zunehmend unter Druck geraten. Vor allem die Bahn-Gewerkschaften verlangten seinen Rücktritt. Auch immer mehr Politiker forderten eine rasche Entscheidung über Mehdorns Zukunft.

Der Chef der Bahn-Gewerkschaft GDBA, Dieter Hommel, hatte am Morgen erklärt, er gehe von einer schnellen Personalentscheidung an der Spitze der Deutschen Bahn aus. Angesichts der Datenaffäre bei der Bahn sei nun der Eigentümer gefordert, sagte Hommel im Deutschlandfunk. Die Bundesregierung müsse "konsequent und zügig handeln". Es werde Zeit, die politische Verantwortung für die flächendeckende E-Mail-Bespitzelungsaffäre zu übernehmen.

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, hingegen sprach sich gegen einen sofortigen Rücktritt von Mehdorn aus. Friedrich sagte im Deutschlandradio Kultur, erst einmal müsse der Bericht der eingesetzten Sonderermittler abgewartet und danach eine juristische und politische Bewertung vorgenommen werden.

Auch der Vorsitzende des Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages, Klaus Lippold, schloss sich den Rücktrittsforderungen nicht an. "Ich würde gern erstmal die Fakten auf dem Tisch liegen sehen", sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk und verwies auf die Sitzung des Ausschusses am Mittwoch. Zu diesem Treffen sei auch Mehdorn eingeladen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

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