Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mehr Geld für Demenzkranke

Kabinett billigt Pflegereform

Die Betreuung von Demenzkranken wird verstärkt (AP)
Die Betreuung von Demenzkranken wird verstärkt (AP)

Verbesserungen bei der ambulanten Versorgung und bei der Betreuung von Demenzkranken - das sind die Ziele der Pflegereform von Gesundheitsminister Daniel Bahr. Diese hat das Bundeskabinett jetzt beschlossen, doch die Pläne bleiben umstritten.

Daniel Bahr ist mit seinem Reformwerk zufrieden. "Davon profitieren eine halbe Million Menschen in Deutschland", sagte der Gesundheitsminister in Berlin. Um 0,1 Prozentpunkte wird der Beitragssatz ab 2013 durch die Reform angehoben. Das bedeutet jährliche Mehreinnahmen von rund 1,2 Milliarden Euro. Das Geld soll für eine bessere Betreuung eingesetzt werden. Das bedeutet mehr Geld für Demenzkranke. Außerdem sollen Pflege-WGs gefördert und Bürokratie abgebaut werden.

Kritik an der Reform

Als unzureichend sind die Pläne des Gesundheitsministers von Gewerkschaften, Verbänden und der Opposition bezeichnet worden. So tritt die SPD für eine deutlich bessere Versorgung von Demenzkranken ein. Außerdem plädiert sie für ein Pflegegeld nach dem Vorbild des Elterngeldes. Dafür müsse der Pflegebeitrag um 0,6 Prozentpunkte angehoben werden, erklärte Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann.

Der Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die Erhöhung der Leistungen für Demenzkranke seien zwar zu begrüßen. Die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs werde aber erneut verschoben. Das hat auch der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, gefordert. "Erst wenn ich das definiert habe, kann ich daraus ein Konzept entwickeln. Und erst wenn ich ein Konzept habe, kann ich sagen, was es kostet. Alles andere ist Stückwerk", sagte Westerfellhaus im Deutschlandradio Kultur.

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff legt fest, wer Ansprüche auf Leistungen der Pflegeversicherung hat. Die Kritik richtet sich darauf, dass nur körperliche Einschränkungen berücksichtigt werden. Um auch Demenzkranken gerecht zu werden, müsse sich der Bedürftigkeitsbegriff stattdessen am Grad der Selbstständigkeit bemessen.

Der Vorsitzende der Senioren-Union, Otto Wulff, verlangte in der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf mehr Möglichkeiten für pflegende Angehörige, eine Auszeit zu nehmen. Gernot Kiefer, Vorstand des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, sagte der "Passauer Neuen Presse", die von der Regierung geplanten Steueranreize für eine private Vorsorge reichten nicht aus.

Hintergrund

Die Pflegeversicherung wurde 1995 eingeführt. Sie soll verhindern, dass Pflegebedürftige in die Sozialhilfe abrutschen. Die Beiträge liegen seit 2008 bei 1,95 Prozent, bei Kinderlosen sind es 2,2 Prozent. Ab dem kommenden Jahr sind es dann 2,05 beziehungsweise 2,3 Prozent. Mehr als zwei Millionen Menschen nehmen Leistungen in Anspruch, meist für ambulante Betreuung.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Bedrohte Religionspädagogin KaddorIhr Weckruf darf nicht ungehört verhallen

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. (pa/dpa/Schindler)

Lamya Kaddor wird nach Veröffentlichung ihres Buch, in dem sie eine Bringschuld der deutschen Gesellschaft hinsichtlich Integration fordert, mit Morddrohungen konfrontiert. Die muslimische Religionspädagogin zeige Mut, mit deutlichen Worten ihre Betroffenheit zu schildern und formuliere einen längst überfälligen Weckruf, meint Rainer Burchardt.

UNO-GeneralsekretärDer unmöglichste Job der Welt

Ban Ki Moon redet am Pult im Weltsaal des UNO-Hauptquartiers in New York (picture alliance / dpa / Jason Szenes)

Im Dezember endet die Amtszeit von Ban Ki Moon. Viele wünschen sich endlich eine Frau an der Spitze der Vereinten Nationen, aber trotz mehrerer qualifizierter Kandidatinnen stehen die Chancen dafür wieder schlecht.

Chaos und Korruption in SüdafrikaRegierungspartei ANC in der Krise

Präsident  Jacob Zuma spricht mit einem Helfer in einem Wahllokal in Nkandla.  (dpa picture alliance / EPA/ELMOND JIYANE)

Bei den Kommunalwahlen in Südafrika Anfang August hat die Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) das schlechteste Wahlergebnis seit 20 Jahren eingefahren. Es war ein Denkzettel für die Regierung von Präsident Jacob Zuma und dessen korruptes Machtsystem. Die Dominanz der ehemaligen Befreiungsbewegung aber ist im Land gebrochen.

Der Nazi-WestwallWildkatzen und Militärmuseen

Eine Panzersperre aus Beton des ehemaligen Westwalls (picture alliance/dpa/Foto: Horst Ossinger)

Hitlers "Westwall" war eine 630 Kilometer lange, kilometertiefe Bunker-Landschaft mit unterirdischen Stollen und Panzerhöckern. Vier Bundesländer teilen sich heute die Relikte − allenthalben wird über das sperrige Erbe und Geschichtsklitterung gestritten.

Herbstlaub richtig entsorgenBiotonne oder Kompost

Frau fegt Laub in Richtung der Kamera. (dpa/picture alliance/Sebastian Kahnert)

Jedes Jahr im Herbst heißt es aufs Neue: Wohin mit dem Laub, das auf Wegen und Wiesen liegt? Kann es da bleiben oder muss es entsorgt werden? Praktisch ist die Kompostierung im eigenen Garten. Ansonsten gehören die alten Blätter in die Biotonne.

HomöopathieDer Streit um die Globuli

Globuli auf einem grünen Blatt. (picture alliance / perschfoto)

Seit Jahren tobt eine Auseinandersetzung über den Nutzen von Homöopathie. Was fasziniert Ärzte an der Homöopathie, dass sie diese in ihr Programm aufnehmen? Haben die Methoden, die sich Samuel Hahnemann vor 200 Jahren ausdachte, eine Berechtigung in Arztpraxen?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Fall Kudla  Auschwitz Komitee wirft Union "Hasenfüßigkeit" vor | mehr

Kulturnachrichten

Philipp Demandt übernimmt Frankfurter Museen  | mehr

Wissensnachrichten

Thailand  Kein Handel mehr mit Seepferdchen | mehr