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Mehr Kita-Plätze als geplant

Über 813.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige

Familienministerin Schröder hat ihr Soll erreicht. (picture alliance / dpa / Wolfgang Krumm)
Familienministerin Schröder hat ihr Soll erreicht. (picture alliance / dpa / Wolfgang Krumm)

Bis zum Stichtag 1. August werden rund 30.000 Kita-Plätze mehr geschaffen sein, als der "Krippengipfel" 2007 gefordert hatte. Einen Betreuungsplatz in ihrer Nähe werden dennoch nicht alle interessierten Eltern finden: Die Angebote sind regional ungleich verteilt.

Wie Bundesfamilienministerin Kristina Schröder während einer Pressekonferenz erklärte, werden für das kommende Kita-Jahr 2013/2014 weit mehr als die geplanten 780.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige zur Verfügung stehen. Damit wird die Anzahl der Betreuungsplätze übertroffen, die der "Krippengipfel" einst zum Stichtag 1. August 2013 gefordert hatte. Die Zahlen kommen aus den Bundesländer, die dem Bundesfamilienministerium bis Ende Juni den aktuellen Stand zum Kita-Ausbau mitteilen sollten.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlichte zuvor eine Erhebung, die Zahlen bis zum 1. März 2013 erfasst. Demnach waren die Betreuungsplätze auf 597.000 gestiegen. Das sind rund 37.000 mehr als im Vorjahr.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Stephan Articus, hält die Zahlen der Familienministerin für zu optimistisch. Er schätze, dass zum August noch rund 100.000 Betreuungsplätze fehlten, sagte Articus dem Deutschlandfunk. Aus Schröders Ministerium kam dafür jedoch keine Bestätigung. Eine Sprecherin sagte lediglich, für die Schätzung des Städtetages gebe es keine Grundlage. Die Länder hätten in den letzten Monaten Tempo gemacht und viele Plätze kurzfristig geschaffen.

Kita-Pläne gehen auf "Krippengipfel" zurück

Gummistiefel stehen in der Garderobe in einem Kindergarten in Frankfurt am Main. (AP)Krippenplätze für Unter-Dreijährige sind heiß begehrt. (AP)Die Pläne für den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder gehen auf einen "Krippengipfel" im Jahr 2007 zurück. Bund und Länder hatten sich damals geeinigt, bis zum 1. August 2013 780.000 neue Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige zu schaffen. Rund zwölf Milliarden Euro sollten dafür ausgegeben werden: 5,4 Milliarden vom Bund, der Rest von den Ländern.

Doch der tatsächliche Ausbau der Krippenplätze hinkte von Anfang an den ehrgeizigen Plänen hinterher. Den Kommunen mangelt es an Personal und Geld. Im Frühjahr des vergangenen Jahres räumte der Städtetag ein, Eltern werde es aufgrund des eher schleppenden Ausbaus häufig nicht möglich sein, den gewünschten Krippenplatz in unmittelbarer Nähe zu finden. Familienministerin Schröder konterte daraufhin: "Länder und Kommunen haben seit 2007 genug Zeit gehabt, den Bedarf an Kitaplätzen rechtzeitig zu ermitteln und sich um den Bau zu kümmern." Laut Familienministerin sind die Angebote ab 1. August regional ungleich verteilt. Vor allem in Großstädten könnten Betreuungsplätze fehlen. In westdeutschen Ballungszentren werde es Engpässe geben, heißt es. Denn hier wollen deutlich mehr Eltern ihre Kleinkinder betreuen lassen als beispielsweise auf dem Land.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk wies die kinder- und familienpolitische Sprecherin der Grünen, Katja Dörner, zudem darauf hin, dass die Qualität der Betreuung bislang in der Diskussion völlig außen vor geblieben ist: "Zu wenig Personal betreut zu viele Kinder." Besonders problematisch findet die Politikerin, dass - um die vom "Krippengipfel" geforderte Anzahl der Plätze zu erreichen - mit Tricks gearbeitet würde. Vielerorts habe man einfach die Gruppengröße um zwei Plätze erhöht.

Bund, Länder und Kommunen schieben die Schuld hin und her

Der Bund auf der einen Seite, sowie Länder und Kommunen auf der anderen, geben sich gegenseitig die Schuld am schleppenden Ausbau: Das Familienministerium spricht von mangelnder Kooperationsbereitschaft, während Länder und Kommunen sich über "nicht dienliche Hinweise" aus Berlin beklagen.

Und auch wenn es nach den neuen Zahlen weiterhin eine beträchtliche Mangel an Kita-Plätzen geben sollte, könnte das für die damaligen Teilnehmer des Krippengipfels trotz des Rechtsanspruchs der Eltern ohne größere Folgen bleiben. Der Städtetag rechnet jedenfalls nicht mit einer Klagewelle frustrierter Eltern. Er geht davon aus, dass sich die Jugendämter mit ihnen verständigen und gemeinsam nach einer Lösung suchen werden.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

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