Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mehr Rechte für die europäische Aufsicht

Finanzministertreffen in Brüssel

Stärkeren Zentralisierung der Aufsicht. (AP)
Stärkeren Zentralisierung der Aufsicht. (AP)

Beim Finanzministertreffen in Brüssel ist Bewegung in die Diskussion über eine europäische Finanzaufsicht gekommen. Die EU-Aufsichtsbehörden sollen nun offenbar mehr Kompetenzen erhalten als ursprünglich geplant.

In krisenhaften Situationen könnten sie Entscheidungsgewalt über Banken der Mitgliedsländer bekommen. Dies bestätigte Belgiens Finanzminister Reynders. Mit einer stärkeren Zentralisierung der Aufsicht auf EU-Ebene soll eine Lehre aus der Finanzkrise gezogen werden.

Thema in Brüssel waren daneben die sogenannten Bankenstresstests. Diese sollen klären, wie gut Europas Banken die Krise überstehen können.

Der Ausschuss der europäischen Finanzaufsicht testet derzeit insgesamt 91 Banken. Dabei werden verschiedene Krisenszenarien simuliert, darunter ein Konjunktureinbruch oder ein Crash bei europäischen Staatsanleihen. Überprüft wird, wie gut die Banken solchen Problemen standhalten können.

Im Unterschied zu früheren Tests sollen die Ergebnisse nun zum ersten Mal veröffentlicht werden. Vorgesehen dafür ist der 23. Juli.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (AP)Wolfgang Schäuble (CDU) (AP)"Das Ziel ist nicht, Panik zu schaffen, sondern das Ziel ist, klar zu machen: Die europäischen Banken sind stabil", verteidigt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die geplante Veröffentlichung der Ergebnisse der Stresstests im Deutschlandradio Kultur. Dort, wo sich Probleme abzeichneten, müsse mehr Eigenkapital hinterlegt werden. Wenn eine Bank dazu selbst nicht in der Lage sein sollte, müssten die Nationalstaaten "notfalls das machen, was wir vor zwei Jahren in Deutschland auch machen mussten während der Bankenkrise mit dem Bankenstabilisierungsfonds", so Schäuble.

Der Finanzmarktfachmann Bert van Roosebeke vom Centrum für Europäische Politik wirft der EZB mangelnde Transparenz bei der Durchführung der Stresstests vor. Die Behörde solle rasch die Kriterien der auf EU-Ebene standardisierten Prüfungen der Kreditinstitute offenlegen, sagt van Roosebeke im Interview mit dem Deutschlandfunk. Andernfalls sei ein Stresstest "völlig überflüssig".

Hintergründe über Stresstests von Brigitte Scholtes (MP3-Audio).

Banken fürchten Schaden für ihre Branche

Gegen die Veröffentlichung der Ergebnisse sprachen sich Vertreter des Bankensektors aus. Eine Publikation eröffne "großen Raum für Missverständnisse" und sei daher "extrem problematisch", sagt der Finanzvorstand der Aareal Bank, Hermann Merkens, der Börsen-Zeitung über die Stresstests. Nicht nur einzelne Häuser könnten dadurch Schaden nehmen, sondern der gesamte Sektor.

EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn äußerte sich im Vorfeld der Gespräche dagegen optimistisch. "Ich bin zuversichtlich, dass sich der europäische Bankensektor bei den Stresstests als widerstandsfähig zeigt", sagt Rehn.

Mit den Stresstests will die EU finanzielle Schieflagen einzelner Institute künftig früher erkennen. Ein Bankenzusammenbruch wie im Fall des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate ließe sich damit womöglich verhindern.

Allerdings könnten trotz der Stresstests manche Probleme verborgen bleiben. Laut Spiegel hat die EU die Kriterien für die Stresstests zuletzt stark aufgeweicht. Die 14 beiteiligten Geldhäuser aus Deutschland müssten die Ergebnisse daher nicht fürchten, schreibt das Blatt.

Im vergangenen Jahr mussten sich bereits 19 amerikanische Großbanken einem ähnlichen Stresstest unterziehen. Dies führte zu einer Beruhigung an den Wertpapiermärkten.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr JazzFacts

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Anschlag in London Gibt es einen Gewöhnungseffekt beim Terror?

Ein Polizist steht in London vor einer abgesperrten Straße. (AFP / Joel Ford)

Bei dem Anschlag in London starben vier Menschen. Dennoch gab es beim Länderspiel Deutschland-England keine Schweigeminute. "Man kann sagen, dass eine Wiederholung von Anschlägen, die nach einem ähnlichen Muster ablaufen, zu einer Gewöhnung führen kann", so Psychologe Immo Fritsche.

Neue Vorwürfe gegen Monsanto"Wichtige Fakten werden weggelassen"

Schriftzug "Monsanto" mit Scrabble-Steinen mit einem Biohazard-Zeichen und Getreideähren (imago / Christian Ohde)

"Buying Science" heißt eine Studie deutscher Umweltorganisationen. Der Studie zufolge sollen der Glyphosat-Hersteller Monsanto und andere Unternehmen renommierte Wissenschaftler bezahlen, damit sie eine bestimmte Meinung kolportieren. Und das sei nicht alles, erklärte Studien-Mitherausgeber Peter Clausing vom Pestizid-Aktionsnetzwerk (PAN) im DLF.

"Eingeschränkter Modus" Youtubes Filter diskriminiert LGBTQ-Menschen

Die britische Vloggerin Rowan Ellis hat die Debatte um geblockte LGBTQ-Inhalte auf Youtube losgetreten (Screenshot Youtube.com)

Im "eingeschränkten Modus" zeigt Youtube Clips nicht an, wenn sie nicht jugendfrei sind. Jetzt kommt heraus: Offenbar fallen dabei auch LGBTQ-Clips unter den Tisch. Unter dem Hashtag #YouTubePartyIsOver formiert sich jetzt Widerstand im Netz.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Anschlag von London  Festgenommene sind Terrorverdächtige | mehr

Kulturnachrichten

Kristjan Järvi verlässt Sinfonieorchester des MDR  | mehr

 

| mehr