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Mehr Wettbewerb für Ökostrom

Monopolkommission stellt Vorschläge zur Energiewende-Reform vor

Energiewende: Treibt die Umstellung auf Solarstrom, Windenergie und Biomasse die Strompreise in die Höhe? (AP/picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg/ Julian Stratenschulte/ Lehtikuva / Pekka Sakki)
Energiewende: Treibt die Umstellung auf Solarstrom, Windenergie und Biomasse die Strompreise in die Höhe? (AP/picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg/ Julian Stratenschulte/ Lehtikuva / Pekka Sakki)

Weil die Strompreise stark ansteigen, gerät die Bundesregierung unter Druck. Nun hat die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, Vorschläge für eine Kostenreform bei der Energiewende vorgestellt. Unter anderem sollen Abnahmegarantien für Ökostrom wegfallen.

Schon früher hatte das Gremium für einen Systemwechsel plädiert, um die auf 20 Jahre garantierten Vergütungen für Wind- und Solarparks komplett abzuschaffen. Nun forderte es erneut einen Ausstieg aus dem milliardenschweren Fördersystem. Wer künftig eine Biogasanlage, einen Solar- oder Windpark baut, soll sich nicht mehr auf feste Preise für den Strom verlassen können, den er einspeist. Die Abnahmegarantien sollen fallen.

Stattdessen macht sich die Kommission für ein sogenanntes Quotenmodell nach schwedischem Vorbild stark: Energieversorger müssen eine bestimmte Quote an Ökostrom in ihrem Angebot haben. Den kaufen sie beim günstigsten Anbieter ein - laut Kommission eine Maßnahme, die den Wettbewerb stärkt. Da Wind an Land derzeit am günstigsten ist, würde sich der Ausbau wohl hierauf konzentrieren.

Alle bisher installierten Biogasanlagen, Solar- und Windparks Bestandsschutz genießen allerdings Bestandsschutz. Ihre über den Marktpreisen liegenden Vergütungen müssen auf 20 Jahre bezahlt werden. Somit bleibt auch in diesem Modell ein enormer Kostenblock bestehen - die Förderkosten betragen derzeit 20 Milliarden im Jahr.

Die Monopolkommission berät die Bundesregierung auf den Gebieten der Wettbewerbspolitik, des Wettbewerbsrechts und der Regulierung. Direkte Eingriffsmöglichkeiten hat sie nicht.

Anderer Reformvorschlag von Greenpeace

Die Umweltorganisation Greenpeace hatte kürzlich einen anderen Ansatz präsentiert, die Energiewende zu reformieren. Die Verbraucher könnten demnach durch eine Anpassung der Grundtarife der Stromanbieter und eine stärkere Beiteiligung von energieintensiven Unternehmen an den Kosten entlastet werden.

Steigende EEG-Umlage, steigende Strompreise

Wegen eines Milliardendefizits bei den Förderkosten für erneuerbare Energien wird die Ökostrom-Umlage für die Verbraucher im kommenden Jahr deutlich steigen. Ende August war das Konto, über das die vier Übertragungsnetzbetreiber Verkauf und Vergütung etwa von Wind- und Solarstrom regeln, mit 2,288 Milliarden Euro im Minus.

Auf dieser Basis wird nun die von allen Verbrauchern über den Strompreis zu zahlende Umlage für 2014 errechnet. Um das Defizit zu decken, wird ein Anstieg auf bis zu 6,5 Cent je Kilowattstunde erwartet. Verkündet wird der Umlagebetrag für kommendes Jahr am 15. Oktober.

Bisher liegt die Umlage bei 5,277 Cent. Bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt ein Haushalt damit 185 Euro für die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage, 2014 könnte dieser Anteil an der Stromrechnung auf 225 Euro wachsen.

Dafür ist aber nicht der Zubau an neuen Solaranlagen oder Windparks verantwortlich - die Ökostromproduktion könnte 2013 sogar niedriger ausfallen als 2012 -, sondern der massive Verfall der Börsenstrompreise. Gibt es für den Ökostrom im Verkauf immer weniger Geld, wächst die Differenz zu den festen - und auf 20 Jahre garantierten - Vergütungssätzen. Die Differenz wird über die Umlage auf die Strompreise abgewälzt. Seit dem Jahr 2000 ist die Summe an EEG-Vergütungen bereits auf rund 110 Milliarden Euro angewachsen.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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