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Merkel gibt Schavan Rückendeckung

Bundesbildungsministerin will Plagiatsvorwürfe klären

Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU) (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU) (Deutschlandradio - Bettina Straub)

In der Plagiatsaffäre erhält Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) Unterstützung von Kanzlerin Merkel und mehreren Kabinettskollegen. Schavan will die Plagiatsvorwürfe gegen ihre Doktorarbeit ausräumen. Ein Gutachten sieht mehrere Anzeichen für eine Täuschungsabsicht.

Ein Plagiat ist laut Duden die "unrechtmäßige Aneignung von Gedanken, Ideen o. Ä. eines anderen auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet und ihre Veröffentlichung; Diebstahl geistigen Eigentums". Der lateinischen Herkunft zufolge handelt es sich um einen "Menschendieb". Ausgerechnet die Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) soll ihre Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 laut einem Gutachen in "plagiierender Vorgehensweise" angefertigt haben. Die Ministerin weist dies energisch zurück. Für die Opposition ist die Politikerin bereits angeschlagen, obwohl das Gutachten offiziell noch nicht vorliegt.

Rückendeckung erhielt Schavan jetzt von der Kanzlerin. "Die Ministerin hat mein vollstes Vertrauen", sagte Angela Merkel in Berlin. Auch Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) stärkten Schavan den Rücken und warnten vor einer Vorverurteilung. De Maizière sagte den "Ruhr Nachrichten", es sei unerhört, dass das Gutachten über die Dissertation der Ministerin an die Öffentlichkeit gelangt sei, bevor sie selbst davon erfahren habe. Und FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte, er rechne damit, dass alle Vorwürfe durch andere Gutachter oder die Ministerin geklärt werden.

Plagiatsjäger und Hochschulgutachter

Die gebundene Dissertation von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (picture alliance / dpa / Daniel Naupold)Die Dissertation von Bundesbildungs-ministerin Annette Schavan (picture alliance / dpa / Daniel Naupold)Im vergangenen April kamen die Vorwürfe erstmals auf. Seitdem haben anonyme Plagiatsjäger in dem Blog "Schavanplag" auf 92 Seiten ihrer Dissertation "Person und Gewissen" Stellen gefunden, "auf denen Übernahmen aus 44 Quellen nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemacht" wurden; häufig seien sie "verschleiert" worden. Parallel zu dieser Aufarbeitung hatte die Universität Düsseldorf, an der Schavan promoviert wurde, ein offfizielles Verfahren eingeleitet und mehrere Monate nachgeforscht.

Ein Gutachter hatte die gesamte Arbeit auf Plagiate hin untersucht. Der Autor Stefan Rohrbacher ist Professor für jüdische Studien an der Universität Düsseldorf und Vorsitzender des siebenköpfigen Promotionsausschusses. Das Gremium berät am Mittwoch sein Gutachten und gibt eine Empfehlung an den Fakultätsrat ab. Erst dort wird über eine Aberkennung des Doktortitels entschieden. Erfolgt dies, hätte Schavan keinen Studienabschluss mehr. Sie hatte in Bonn und Düsseldorf Erziehungswissenschaft, Philosophie und Katholische Theologie studiert, aber darauf verzichtet, einen Magister oder ein Examen zu machen. Eine Promotion ohne vorherigen Studienabschluss muss heute in aller Regel der Promotionsausschuss im Einzelfall zulassen.

Die "Süddeutsche Zeitung" und "Spiegel Online" zitieren nun aus dem nicht-öffentlichen Gutachten. Darin sollen auf 60 Seiten Plagiate beanstandet sein. Die vielen Stellen würden das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" tragen, heißt es. "Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren." Das Urteil des Gutachters sei vernichtend, berichtet unser Hauptstadtkorrespondent Jürgen König.

Wolfgang Frühwald, Germanistikprofessor und früherer Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, nannte es im Deutschlandradio Kultur einen Skandal, dass das Gutachten bereits an die Medien durchgesickert ist. "Das trifft die guten Sitten der Universität ins Mark, und die Universität müsste dagegen etwas unternehmen."

Schavan bestreit "bewusste" Täuschung

Die Ministerin beteuerte indes, "keine Quelle bewusst falsch angegeben" zu haben. Nachdem sie fünf Monate "eisern geschwiegen" habe, bleibe ihr nun nichts anderes übrig, als sich zu wehren, sagte die Politikerin der "Südwest Presse". "Das heißt, ich werde zu den Vorwürfen gegenüber der Universität Stellung beziehen." Allerdings könne sie sich nach mehr als 30 Jahren "natürlich nicht mehr an alle Einzelheiten genau erinnern". Die Honorarprofessorin der Freien Universität Berlin gehe davon aus, dass von den Vorwürfen "nichts übrig bleibt". Sie zeigte sich empört darüber, dass ein "Entwurf" des Gutachtens Journalisten zugespielt worden sei.

Schavan und zu Guttenberg

Thomas Oppermann, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion (Deutschlandradio - Bettina Straub)Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion (Deutschlandradio - Bettina Straub)Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sprach dagegen von einem schwerwiegenden Vorwurf. Schavan habe an den ehemaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hohe Maßstäbe angelegt. "Sie muss klären, ob diese Maßstäbe auch für sie selber gelten". Schavans früherer Kabinettskollege zu Guttenberg musste im März 2011 wegen seiner Plagiatsaffäre zurücktreten. Schavan hatte damals gesagt: "Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich".

Der Bundesvorsitzende des Promovierten-Netzwerkes "Thesis", Norman Weiss, sagte, es sei irrelevant, ob jemand beim wissenschaftlichen Zitieren bewusst täusche oder nicht. "Auf die Täuschungsabsicht kommt es gar nicht an, es kommt auf die Frage an, ob eine Wissenschaftsministerin korrekt wissenschaftlich zitieren können muss oder nicht", sagte Weiss im Deutschlandfunk.

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte für die Bundesministerin eine faire Chance, sich zu den Vorwürfen zu äußern. "Wenn sich die Vorwürfe allerdings bewahrheiten, dann muss sie zurücktreten", sagte Burchardt der "Mitteldeutschen Zeitung". Grünen-Fraktionschefin Renate Künast zog Schavans Glaubwürdigkeit in Zweifel. "«Eine für Wissenschaft zuständige Ministerin muss doch die Regeln des ehrlichen wissenschaftlichen Arbeitens hochhalten." Es sei beschämend, dass Schavan die Sache aussitzen wolle. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) wollte sich zu den Vorwürfen seiner Kabinettskollegin nicht äußern.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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