Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel: Griechenland soll Teil der Eurozone bleiben

Kanzlerin trifft griechischen Premier Samaras in Berlin

Bundeskanzlerin Merkel begrüßt den griechischen Premier Antonis Samaras (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Bundeskanzlerin Merkel begrüßt den griechischen Premier Antonis Samaras (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Gleich zu Beginn der Gespräche mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras machte die Kanzlerin klar: "Ich möchte, dass Griechenland Teil der EU bleibt." Aber sie forderte auch, dass die Reformen und Sparzusagen eingehalten werden.

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras hat heute bei der Kanzlerin um mehr Geduld bei der Umsetzung der Sparpläne gebeten. Sein Land brauche mehr Luft zum Atmen. Griechenland sei bereits dabei, seine Verpflichtungen zu erfüllen, und werde diesem Kurs auch weiter treu bleiben. Dies werde auch der Bericht der Troika von EU-Kommission, EZB und IWF zeigen.

Zuvor hatten Deutschland und Frankreich das von der Staatspleite bedrohte Land aufgefordert dem vorgesehenen Sparkurs zu folgen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte gestern Abend in Berlin: "Ich werde Griechenland ermutigen, auf dem Reformweg, der ja auch den Menschen in Griechenland sehr viel abverlangt, voranzugehen."

Vor ihrem Arbeitsessen im Kanzleramt: Merkel und Hollande (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)Vor ihrem Arbeitsessen im Kanzleramt: Merkel und Hollande (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)Es sei wichtig, dass alle in der Euro-Zone zu ihren Verpflichtungen stünden. Vor allem müsse der "Troika"-Bericht der Geldgeber von Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission abgewartet werden. François Hollande bekräftigte, dass Griechenland in der Euro-Zone gehalten werden müsse: "Das ist mein Wille." Griechenland müsse aber natürlich die notwendigen Reformen unternehmen. Merkel und Hollande hatten sich zu einem Arbeitsessen im Kanzleramt getroffen, um ihren Kurs abzustimmen.

Der Bericht der Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds über Griechenland wird für September erwartet. Es soll Grundlage für eine Entscheidung über die Freigabe weiterer Finanzhilfen sein.

Brüderle: Troika-Bericht ist ausschlaggebend

Rainer Brüderle, FDP (dpa)Rainer Brüderle, FDP (dpa)Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Bundestag, Rainer Brüderle, bestätigte im Deutschlandfunk, dass die nächste Tranche der Finanzhilfen an Athen von dem Bericht der Troika abhängt. Wenn dieser nicht überzeugend darlege, dass Griechenland auf dem richtigen Weg sei, könne man es nicht verantworten, weiter Geld in ein Fass ohne Boden zu geben, so Brüdele.

Garantie Samaras' soll Erfolg seiner Mission gewährleisten

Samaras hatte im Vorfeld persönlich garantiert, dass das Land seine Hilfszahlungen von mehr als 100 Milliarden Euro zurückzahlen wird. "Die Deutschen bekommen ihr Geld zurück", sagte Samaras der "Süddeutschen Zeitung." Seine Regierung habe ein neues Sparpaket im Umfang von 11,5 Milliarden Euro für die Jahre 2013 und 2014 aufgelegt. Mehr geht laut Samaras nicht. Das Land benötige allerdings zeitlichen Aufschub seitens der Kreditgeber, darunter Deutschland, das mit 60 Milliarden Euro bürgt. "Unsere Wirtschaft blutet wirklich", sagte Samaras.

Griechenland steht bei den Euro-Partnern insgesamt mit mehr als 100 Milliarden Euro in der Kreide. Samaras kündigte an, durch Privatisierungen innerhalb von vier Jahren insgesamt 30 Milliarden Euro einnehmen zu wollen.

Die Bundesregierung ist aber dagegen, dass dem Land mehr Zeit eingeräumt wird. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) mahnte: "Mehr Zeit ist keine Lösung der Probleme" und bedeute im Zweifel mehr Geld.

Was wäre wenn Griechenland die EU verlässt?

Über das Für und Wider eines möglichen Austritts Griechenlands aus dem Euro wird seit Monaten diskutiert. Die einen sprechen sich dafür aus, die anderen dagegen. Einigkeit besteht zumeist darüber, dass ein Austritt Griechenlands höchstwahrscheinlich einen Bankrott des Staates zur Folge hätte. Denn die neue Währung Athens würde sofort an Wert verlieren, während die Schulden im Ausland weiterhinin in Euro bezahlt werden müssten. Damit wäre Griechenland überfordert.

Im Bundesfinanzministerium befasst sich nach Informationen der "Financial Times Deutschland" eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Staatssekretär Thomas Steffen mit den Folgen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone für Deutschland und den gesamten Währungsraum. "Die Kollegen stellen Berechnungen über die finanziellen Folgen an und überlegen, wie sich ein Dominoeffekt auf die anderen Euro-Staaten verhindern lässt", zitiert die Zeitung einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Ministeriums.

Einen Sprecher von Finanzminister Schäuble zitiert die Zeitung mit den Worten: "Es gibt einen Arbeitsstab, der sich schwerpunktmäßig um die Staatsschuldenkrise kümmert. Herr Steffen ist in diesem Zusammenhang letztverantwortlich vor dem Minister." Es sei richtig, dass sich eine Regierung auf alle Szenarien vorbereite, auch auf unwahrscheinliche.

Zu den Berichten über solche Vorbereitungen sagte Brüderle im Deutschlandfunk, er halte es für völlig normal, dass Denkmodelle für ein solches Szenario, entwickelt würden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Aus den Archiven

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

SPD-BundesparteitagSehnsucht nach dem Neustart

SPD-Kanzlerkandidat Schulz stellt das Steuerkonzept der SPD auf einer Pressekonferenz am 19. Juni in Berlin vor. (AFP / Odd Andersen )

Agenda 2010 korrigieren, Europa stärken, Renten sichern: Auf dem Parteitag am Sonntag legen die Sozialdemokraten ihr Programm für die Bundestagswahl fest. Die Partei hofft auf ihren Aufschwung - verabschiedet aber ein Wahlprogramm, das notfalls auch zusammen mit der Union umgesetzt werden könnte.

Helge Schneiders neue Tour"Zum Glück gibt es Beethoven, Goethe und DJ Bobo"

Helge Schneider in der Berliner Waldbühne.  (imago/Future Image)

Helge Schneider füllt mit seinem Programm aus swingendem Jazz, absurden Anekdoten und Clownerie regelmäßig Deutschlands Hallen. Seine neue Tour "240 Years of Singende Herrentorte" wurde maßgeblich von Ludwig van Beethoven geprägt.

Street ArtWer ist Banksy und wenn ja, wie viele?

Ein Wandbild des britischen Street-Art Künstlers Banksy ist in Bethlehem (Westjordanland) in einem Raum des "The Walled Off Hotel" zu sehen. (dpa-Bildfunk / AP / Dusan Vranic)

Der britische Street-Art-Künstler Banksy ist nicht nur wegen seiner radikalen, subversiven Kunstaktionen eine Legende. Sondern auch, weil die Welt rätselt, wer sich eigentlich hinter dem anonymen Künstler verbirgt. Jetzt sind neue Spekulationen aufgetaucht.

Brexit-Verhandlungen"Hand ausstrecken haben wir ja dauernd gemacht"

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (AFP/Matthew Mirabelli)

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat das britische Versprechen begrüßt, EU-Bürger nach dem Brexit nicht auszuweisen. "Alles andere wäre ja eine Kampfansage an die Europäische Union gewesen", sagte Asselborn im Dlf. Die knallharte europhobe Stimmung wie vor der britischen Parlamentswahl sei verflogen.

Muslimische DistanzierungsritualeGuter Moslem, böser Moslem

Männer beten auf einer Kundgebung gegen Islamophobie und Rassismus in Berlin. (imago / Christian Ditsch)

Ein Zeichen gegen den Terror wollten Muslime setzen, sich vom Extremismus distanzieren. Doch im Streit um das richtige Signal offenbaren die Verbände der muslimischen Community vor allem eins: ihre chronische Selbstbeschäftigung, meint Islamwissenschaftler Fabian Köhler.

SNAPCHATSnapMaps soll Instagram abhängen

Snapchat hat mit Instagram-Stories harte Konkurrenz. Jetzt hat Snap Inc. das Startup Zenly gekauft. Einen Kartendienst.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

London  Fünf Hochhäuser wegen Brandgefahr evakuiert | mehr

Kulturnachrichten

Ist Robert Del Naja doch Banksy?  | mehr

 

| mehr