Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel mahnt Italiener zum Sparen

EU-Finanzminister beschließen neuen Rettungsschirm

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor der Regierungsmaschine Konrad Adenauer (picture alliance / dpa)
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor der Regierungsmaschine Konrad Adenauer (picture alliance / dpa)

Die Euro-Zone zittert vor einem Übergreifen der Schuldenkrise auf Italien. Kanzlerin Merkel ruft das Land zur Verabschiedung eines Sparhaushalts auf. Die EU-Finanzminister haben derweil einen neuen, permanenten Rettungsschirm gegründet, der ab 2013 in Kraft treten soll.

Nach Griechenland, Portugal und Irland könnte nun auch Italien von der europäischen Schuldenkrise erfasst werden. Die Risikozuschläge auf italienische Staatsanleihen sind zu Wochenbeginn auf ein Rekordhoch gestiegen. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft in der Euro-Zone.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Italien dazu aufgerufen, einen Sparhaushalt auf den Weg zu bringen. "Ich habe festes Vertrauen, dass die italienische Regierung genau einen solchen Haushalt auch verabschieden wird", sagte Merkel am Montag in Berlin.

Euro-Minister einigen sich auf neuen Rettungsschirm

Auf dem Treffen in Brüssel haben die europäischen Finanzminister einen neuen, permanenten europäischen Rettungsschirm beschlossen, der mit Krediten Staatspleiten verhindern soll. Ab Mitte 2013 steht der Krisenfonds ESM mit einem Volumen von 750 Milliarden Euro bereit. Diesem ersten Schritt muss nun die Ratifizierung durch die beteiligten Länder folgen.

Umstritten ist nach wie vor die Frage, in welcher Form private Gläubiger wie Banken und Versicherungen an einer Rettung Griechenlands beteiligt werden sollen. Auf eine solche Beteiligung pochen unter anderem Deutschland, Österreich und die Niederlande. Unter Experten herrscht die Sorge, dass die Ratingagenturen dies als Zahlungsausfall Griechenlands werten könnten.

Italien könnte zum nächsten Sorgenkind in der Eurozone werden. (picture alliance / dpa)Italien könnte zum nächsten Sorgenkind in der Euro-Zone werden. (picture alliance / dpa)Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte wegen eines möglichen Ausgreifens der Schuldenkrise auf Italien eine deutliche Ausweitung des Euro-Rettungsschirms gefordert, hieß es in einem Bericht der "Welt". Angeblich soll bei der EZB sogar von einer Verdoppelung des Schirms auf 1,5 Billionen Euro die Rede gewesen sein.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies Spekulationen über eine solche Aufstockung des Rettungsschirms zurück. Dies seien Gerüchte, die mit der Realität nichts zu tun hätten, sagte Schäuble im Vorfeld eines Treffens der Euro-Finanzminister in Brüssel.

Kritik an Ratingagenturen

Für ihre Rolle in der europäischen Schuldenkrise geraten die Ratingagenturen derzeit verstärkt in die Kritik. Die EU-Justizkommissarin Viviane Reding fordert eine Zerschlagung der drei großen US-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch.

Infolge negativer Berichte über Italien hatten die Finanzmärkte nervös reagiert. Die Ratingangenturen hatten Italien und mehreren Banken damit gedroht, die Kreditwürdigkeit herabzustufen. Trotz der angekündigten rigiden Sparmaßnahmen hielten die Agenturen an ihrer Negativbewertung fest.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (AP)SPD-Chef Sigmar Gabriel (AP)Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel schlägt eine eigene europäische Ratingagentur vor. "Diese Bewertungen von europäischen Mitgliedsstaaten durch US-Rating-Agenturen sind ja höchst fragwürdig, sie spekulieren heute gegen Griechenland, morgen gegen Spanien, jetzt gegen Italien, das müssen wir unterbinden", sagte Gabriel im Gespräch mit dem Deutschlandfunk.

Auch der Wirtschaftswissenschaftler Max Otte kritisiert die Rolle der großen Ratingagenturen. Er halte es für bedenklich, dass Lobbygesellschaften, Investmentbanken und Ratingagenturen den wirtschaftspolitischen Kurs vorgeben - und nicht mehr die Politik, sagt Otte im Deutschlandfunk.

Bereits Ende Juni hatte der FDP-Europapolitiker Wolf Klinz eine europäische Ratingagentur in Form einer Stiftung angeregt. Der Vorteil einer Stiftung sei es, dass sie an erster Stelle kein ökonomisches Interesse vertrete, sondern dass sie sich ganz der objektiven Beurteilung von Finanzprodukten und Unternehmen widmen könne, sagte Klinz im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur.


Programmtipps:

Die Sendung "Ortszeit" im Deutschlandradio Kultur berichtet ab 22.30 Uhr über die europäische Schuldenkrise und das Finanzministertreffen in Brüssel.

Im Deutschlandfunk hören Sie in der Sendung "Das war der Tag" ab 23.10 Uhr ein Interview mit dem SPD-Europapolitiker Udo Bullmann.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:40 Uhr Hintergrund

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Weltzeit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Trump vor der UNO"Eine Absage an eine geordnete Welt"

Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Der grüne Außenpolitiker Jürgen Trittin hat die Rede von US-Präsident Donald Trump vor den Vereinten Nationen kritisiert. Trump habe das System der UNO, welches auf Kooperation beruhe, nicht verstanden, sagte Trittin im Dlf. Trump scheine Konflikte eher militärisch als diplomatisch austragen zu wollen.

Fiktive Wahlkampfreden von LiteratenCem Özdemir, die Hells Angels und das E-Bike

Collage: Cem Özdemir auf dem Fahrrad. Im Hintergrund: Die Hells Angels Berlin während einer Demo-Ausfahrt. (dpa/picture-allaince/imago/snapshot)

"In unseren Herzen sind wir immer noch wild!" Für uns hält der Schriftsteller Ulrich Woelk eine fiktive Wahlkampfrede: Er lässt den grünen Vorsitzenden Cem Özdemir zu echten Motorrad-Rockern sprechen.

Von Riad nach GenfDie Schweiz als islamistische Drehscheibe

Eine Luftaufnahme der Genfer Moschee von Petit-Saconnex (dpa / KEYSTONE / Salvatore Di Nolfi)

Islamistische Terroristen gehen grenzüberschreitend vor. Aber auch Salafisten verbreiten ihr Gedankengut global. Wie das funktioniert, hat Saïda Keller-Messahli am Beispiel der Schweiz analysiert. Geboren in Tunesien, lebt sie in Zürich. Nun erschien ihr Buch: "Islamistische Drehscheibe Schweiz".

Rede vor der Generalversammlung"Trump hat gegen die Charta der UNO verstoßen"

Der Präsident der Europa-Universität Viadrina, Gunter Pleuger (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

Der ehemalige UNO-Diplomat Gunter Pleuger hat die Rede von US-Präsident Donald Trump vor den Vereinten Nationen kritisiert. Mit dessen Drohung, Nordkorea möglicherweise anzugreifen, verstoße er gegen die Charta der UNO, sagte er im Dlf. Präventive Selbstverteidigung sei nicht zulässig.

BBC-Vorwürfe gegen Behindertensportler"Achillesferse im paralympischen Sport"

Athletinnen mit Beinprothesen sind bereit für einen Sprintwettkampf. Sie stehen im Start.  (picture alliance / dpa / MAXPPP)

Die BBC-Radiosendung “File on 4“ macht Behindertensportlern schwerwiegende Vorwürfe: Sie sollen ihre Einschränkungen absichtlich verschlimmern, um ihre Medaillenchancen zu erhöhen. Für den Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbands sind die Vorwürfe nicht neu.

Was brauchen die Menschen wirklich?Das sagt der Polizist

Polizist Kevin Komolka (Hagen Immel)

Mehr Respekt gegenüber seinem Beruf: Das wünscht sich der Polizist Kevin Komolka. In seinem Alltag erlebt er öfter körperliche Gewalt. Von der Politik fordert er, dass nicht nur mehr Polizisten eingestellt werden, sondern diese auch bundesweit gleichgestellt werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Razzia in Katalonien  Fast zehn Millionen Stimmzettel für Referendum beschlagnahmt | mehr

Kulturnachrichten

Gerritsen wird Leiterin des Filmfestivals "goEast" | mehr

 

| mehr