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Merkel rügt Sarrazin

Kritik aus allen Reihen an neuen Migrationsaussagen

Thilo Sarrazin (Deutschlandradio - Bettina Straub)
Thilo Sarrazin (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Für viele Menschen könnten diese Aussagen nur verletzend sein: Kanzlerin Angela Merkel hat Thilo Sarrazins Äußerungen über mehr Integrationsdruck auf Migranten scharf zurückgewiesen. Auch der Zentralrat der Juden ist empört.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Thilo Sarrazin wegen dessen Aussagen über Migranten scharf gerügt. "Das sind Äußerungen, die für viele Menschen in diesem Land nur verletzend sein können", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch das Ansehen der Bundesbank steht auf dem Spiel und so ließen Sarrazins Äußerungen "die Bundesregierung und die Bundeskanzlerin nicht ganz kalt", so Seibert weiter. Sarrazin diffamiere und spitze "sehr, sehr polemisch" zu.

Auch Sigmar Gabriel kritisierte die jüngsten Provokationen seines Parteikollegen scharf. Er bezeichnete Sarrazins Sprüche zum Teil als "dämlich", dessen Wortwahl sei mitunter "gewalttätig", so Gabriel am Dienstag während seiner Sommerreise durch Rheinland-Pfalz. Der SPD-Vorsitzende legt Sarrazin nun den Parteiaustritt nahe und will prüfen, ob mit diesen Äußerungen bestimmten Bevölkerungsgruppen bestimmte Charakterzüge zugewiesen werden, denn dies wäre "rassistisch". Auch der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck warf Sarrazin "Hasstiraden" vor.

"Ich würde Herrn Sarrazin den Eintritt in die NPD empfehlen, dass macht die Gefechtslage wenigstens klarer und befreit die SPD."Mit diesen Worten hat sich unterdessen der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, gegenüber Handelsblatt Online zu Wort gemeldet. Er begrüßte zudem, dass sich Sigmar Gabriel von Sarrazin distanziert: Jede weitere Beschäftigung mit ihm und seinen abwegigen Aussagen wären eine "unverhältnismäßige Aufwertung" seiner Person, schreibt das Blatt auf seiner Homepage.

Im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur hatte Thilo Sarrazin mehr Integrationsdruck auf Migranten gefordert:

"Wir müssen die Menschen, die bei uns leben, denen müssen wir alle Chancen geben, sich zu integrieren. Wir müssen diese Chancen aber auch mit einem kräftigen Aufforderungscharakter verbinden."

Zudem stellte das heutige Bundesbank-Vorstandsmitglied Forderungen nach einer strengeren Auswahl bei der Zuwanderung von Muslimen:

"Es geht nicht an, dass wir es zulassen, dass etwa 40 Prozent der muslimischen Migranten bei uns von Transferleistungen leben mit Einkommen, die viel höher sind als das Arbeitseinkommen da bei sich zu Hause wäre, und denen von daher jede Integration erspart wird."

Für Migranten forderte er wesentlich schärfere Maßstäbe:

"Aber die unqualifizierte Migration, die wir gegenwärtig haben, und die Migration des ungebildeten, unqualifizierten Familiennachzugs, das kann in dieser Form nicht weitergehen."

Zwei muslimische Frauen gehen mit Kopftüchern und Kinderwagen durch Duisburg-Marxloh. (AP)Sarrazin proviziert: Vor allem seine Aussagen zu den "Kopftuchmädchen" lösten Empörung aus. (AP)Auch der integrationspolitische Sprecher der Berliner SPD, Raed Saleh, wirft Sarrazin Rassismus vor. Sarrazin schüre bewusst Vorurteile und bediene sich Pauschalisierungen, sagte Saleh im Interview mit dem Deutschlandradio Kultur.

Thilo Sarrazin veröffentlicht in wenigen Tagen ein Buch zur deutschen Integrationspolitik unter dem Titel: "Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen." Mehrere Medien veröffentlichen dazu bereits Auszüge.

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte Sarrazin wochenlang für Schlagzeilen und Aufregung gesorgt. Im Interview mit der Zeitschrift "Lettre International" redete er unter anderem von Türken, die den Staat nicht anerkennen, aber von ihm leben und dabei immer neue "Kopftuchmädchen" produzieren. Allerdings gab es damals auch schon Zustimmung, so etwa von Ex-BDI-Präsident Olaf Henkel. Er sagte damals im Deutschlandfunk, Sarrazin habe differenziert auf ein Problem hingewiesen - und werde nun einem "Vernichtungsfeldzug" ausgesetzt.

Im März dieses Jahres stand Sarrazin dann kurz davor, aus der SPD zu fliegen. Er hatte in einem Interview Arabern und Türken unterstellt, leistungs- und
integrationsunwillig zu sein. Seine Aussagen wurden damals durch eine Landesschiedskommission nicht als rassistisch eingestuft.

Weitere Links zum Thema:
Hildebrandt hat Respekt vor Sarrazins Kaltschnäuzigkeit - Münchner Kabarettist möchte sich mit dem Provokateur zusammen-, nicht auseinandersetzen

Politisch korrekt abgefertigt - Was man in Deutschland sagen darf

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"Einfach mal die Klappe halten" - Kommunikationsdirektor Dieter Weirich über die umstrittenen Äußerungen Sarrazins (DLF)

"Dieser Mensch ist verwirrt" - Cohn-Bendit: Sarrazin stößt falsche Debatte an (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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