Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel sagt Karsai langfristige Hilfe zu

Internationale Afghanistan-Konferenz in Bonn

Angela Merkel (m.) mit Hamid Karsai (l.) und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa/Oliver Berg)
Angela Merkel (m.) mit Hamid Karsai (l.) und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (picture alliance / dpa/Oliver Berg)

Bundeskanzlerin Angela Merkel sichert Afghanistan auch nach dem Truppenabzug 2014 weitere Hilfen zu. Afghanistans größter Nachbarstaat Pakistan boykottiert die Afghanistan-Konferenz. Vertreter von 85 Ländern und 16 Organisationen beraten in Bonn über das Engagement der internationalen Gemeinschaft.

Im Zentrum der Konferenz steht der Abzug der ISAF-Truppen. Ende 2014 sollen keine ausländischen Kampftruppen mehr im Land sein. Die rund 1000 Konferenzteilnehmer wollen vor allem über die Übergangsphase und die Zeit nach dem Abzug diskutieren. Deutschland ist Gastgeber der Konferenz, den Vorsitz führt die afghanische Regierung.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai sagte zu Beginn der Konferenz, dass sein Land die Großzügigkeit der unterstützenden Länder keinen Fall länger als nötig beanspruchen wolle. Dennoch brauche Afghanistan noch mindestens zehn Jahre lang internationale Hilfe.

Guido Westerwelle (FDP) und Hamid Karsai auf der Afghanistankonferenz in Bonn (picture alliance / dpa / Federico Gamberini)Guido Westerwelle (FDP) und Hamid Karsai auf der Afghanistankonferenz in Bonn (picture alliance / dpa / Federico Gamberini)Bundeskanzlerin Angela Merkel sicherte Afghanistan langfristige Hilfe über den Abzug der internationalen Kampftruppen hinaus zu. "Afghanistan kann sich auch nach 2014 auf die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft verlassen", sagte Merkel zur Eröffnung der Konferenz. Sie appellierte an Präsident Karsai, die Korruption und den Drogenhandel entschiedener zu bekämpfen. "Wir kennen unsere Verantwortung und werden Sie weiter unterstützen", sagte auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Vorfeld der Konferenz.

Deutschland wolle den zivilen Wiederaufbau vorantreiben, die afghanischen Sicherheitskräfte unterstützen und dem Land helfen, sein großes wirtschaftliches Potenzial zu entfalten, so Westerwelle. Zu einer politischen Lösung zähle vor allen Dingen eine stabile Gesellschaft mit einigermaßen vernünftigen wirtschaftlichen Entwicklungen. Insoweit sei es "in unserem eigenen Interesse, dass wir Afghanistan stabilisieren - aber in Zukunft natürlich mit dem Schwerpunkt zivil", sagte der Bundesaußenminister im Deutschlandfunk. Im Gegenzug verlangte Westerwelle von Karsai weitere Reformen.

Die Probleme der Zivilgesellschaft in Afghanistan sind immer noch akut. Seit dem Mord an fünf Mitarbeitern von "Ärzte ohne Grenzen" im Jahr 2004 sei es in Afghanistan nicht sicherer geworden, beklagte Geschäftsführer Frank Dörner im Deutschlandradio Kultur. Die gesundheitliche Versorgung müsse weiter verbessert werden. Die Mütter- und Kindersterblichkeit sei extrem hoch.

Vor zehn Jahren hatte die internationale Staatengemeinschaft auf dem Bonner Petersberg die erste Afghanistan-Konferenz abgehalten. Gewaltenteilung, Aufbau eines Rechtsstaats, Parlamentarismus und demokratische Wahlen wurden als Ziele vereinbart. Zudem sollten internationale Berater Armee und Polizei auf einen europäisch-westlichen Standard bringen.

Pakistan bleibt der Konferenz fern

Der afghanische Nachbarstaat Pakistan nimmt nicht an der Konferenz teil. Nach einem NATO-Luftangriff auf pakistanische Grenzposten, bei dem 24 pakistanische Soldaten getötet wurden, hatte die Regierung in Islamabad den Boykott der Konferenz angekündigt.Das Nachbarland ist für einen Friedensprozess, jedoch unterstützend und nicht lenkend, wie Anne Raith im Deutschlandfunk berichtet. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton habe in Bonn betont, dass die Teilnahme Pakistans die Konferenz weitergebracht hätte, so Raith weiter.

Als größter Nachbar Afghanistans ist Pakistan wichtiger Baustein für den Friedensprozess in der Region. An der 2500 Kilometer langen Grenze der beiden Länder kommt es häufiger zu Spannungen. Die Grenzgebiete auf pakistanischer Seite gelten als Rückzugsgebiet radikaler Islamisten. Obwohl die Armee Pakistans mit Unterstützung der USA gegen die Taliban im Land vorgeht, halten sich Vorwürfe, dass die pakistanische Armee und Geheimdienst die Taliban unterstützen.

Dass man den Zeitpunkt für den Abzug der internationalen Truppen konkret festgelegt hat, habe "den Taliban auch Türen geöffnet zu sagen, wir müssen vielleicht gar nicht verhandeln, wir warten einfach, bis die abziehen, dann versuchen wir, die Sache militärisch zu regeln", sagte Thomas Ruttig, Ko-Direktor des Afghanistan Analysts Network, im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:15 Uhr Zur Diskussion

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:30 Uhr Zeitfragen. Feature

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Björk-RetrospektiveZerbrechlich und wild-euphorisch

Björk singt am 31. März 2012 beim Festival of Alternative Music Lollapalooza in Santiago de Chile. (dpa / picture alliance / EFE / Felipe Trueba)

Die isländische Sängerin Björk ist der Inbegriff der Cross-Over-Idee der 90er-Jahre. Deshalb zeigt das New Yorker MoMA in einer aufwändigen Retrospektive Kunst an der Wegscheide von Musik, Video, Performance, Experimentalfilm, Fashion, Design und Skulptur.

Pkw-MautDobrindts Wette gegen das Europarecht

Bundesverkehrsminister Dobrindt verfolgte die Beratungen im Bundestag auf der Regierungsbank. (picture alliance / dpa / Rainer Jensen)

Gegen alle Widerstände will Verkehrsminister Dobrindt die Pkw-Maut in Deutschland einführen. Dabei gehen Opposition wie Bundesregierung davon aus, dass das Gesetz vor dem Europäischen Gerichtshof landet. Wie man die Maut sicher europarechtskonform gestalten könnte, scheint allerdings gar niemand zu wissen.

GamesCall of Duty gegen Depression

Die gängige Meinung lautet: Videospiele machen depressiv. Es geht aber auch anders: Der Blogger Maximilian Dichtl kommt dank "Call of Duty" besser mit seinen Depressionen klar.

15 Jahre und eine Revolution späterWiedersehen mit tunesischen Feministinnen

Tunesierinnen demonstrieren am internationalen Frauentag 2014 in Tunis für mehr Rechte. (8.3.2014) (dpa/ picture alliance / Mohamed Messara)

Vor 15 Jahren interviewte Anne Françoise Weber Feministinnen in Tunesien. Nun hat sie wieder mit ihnen gesprochen. Was hat sich getan? Wenig. Heute ist die Rolle der Frau unter dem Einfluss der Islamisten erst recht ein hoch emotionales Thema im Land.

Solidaritätszuschlag"Heute einsteigen und 2019 aussteigen"

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel (picture-alliance / dpa / Karlheinz Schindler)

Die Pläne der Union sind ihm viel zu langfristig angelegt: Der Bund der Steuerzahler will, dass schon von jetzt an der Solidaritätszuschlag langsam verringert wird. 2019 solle dann endlich Schluss sein, sagte Steuerbundspräsident Reiner Holznagel im DLF. Denn die Finanzminister würden auch so über genügend Geld verfügen.

SachbuchSie tun, als gäbe es keine Erderwärmung

Ein Kohlekraftwerk in der Nähe das Capitols in Washington (dpa / picture-alliance / Matthew Cavanaugh)

Glänzend im Stil, aufklärerisch in der Sache: In "Die Entscheidung" rechnet die Kapitalismuskritikerin Naomi Klein mit sogenannten Klimaleugnern ab - aber auch mit Teilen der US-Umweltbewegung, die eng mit der Erdöl- und Kohleindustrie verbandelt sind.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach Nemzow-Mord: Bundestag fordert  Aufklärung vom Kreml | mehr

Kulturnachrichten

2015 keine Grimme-Preise für Privatsender  | mehr

Wissensnachrichten

Arsen  Forscher weisen menschliche Anpassung an Gift nach | mehr